Rheinsteig Etappe 7: von Sayn nach Horchheim mit Familiennachzug

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Ruhetag vorbei, es ist Zeit, weiter zu wandern! Entsprechend klingelt der Wecker wieder zeitiger. Dass der Fernseher das Morgenmagazin verweigert lässt die Erkenntnis reifen, dass Wochenende ist. Zeitlos im Urlaub – großartig! Interessanterweise melden die Füße beim Aufstehen immer noch leichten Protest an, aber den geben sie zum Glück sehr schnell auf. Nix tut mehr weh, so darf es sein. Schnell angezogen und zusammengepackt und dann ab zum fantastischen Frühstück in den Lindenhof.

Dort treffe ich lustigerweise Sabrina wieder, das Mädel von Etappe 2. Sie hatte keinen Ruhetag und deswegen wieder aufgeholt. Ihr macht das Wandern so viel Spaß, dass sie am liebsten nach dem Rheinsteig auf dem Rheinburgenweg auf der anderen Rheinseite zurückwandern würde. Beim nächsten Mal allerdings auch lieber mit selbst organisierten Etappen.

Nach dem Frühstück geht es los – und natürlich direkt erst mal bergauf, um zurück auf den Rheinsteig zu kommen. Ah ja, da melden sich auch die Waden wieder in gewohnter Weise :)

Zurück auf dem Rheinsteig geht es zuerst über Felder (lecker Brombeeren am Wegrand) und dann durch etwas Wald hinab nach Bendorf. Bendorf entpuppt sich leider nicht gerade als Highlight. Weder ist der Weg gut ausgeschildert (bzw. die vorhandenen Schilder sind kaum zu finden), noch ist der Weg auch nur ansatzweise gepflegt. Völlig von Brombeersträuchern und Brennesseln überwuchert, kämpfe ich mich Meter für Meter vorwärts und wünsche mir eine Machete. Mehr als einmal ringe ich meine Hose nur mühsam wieder den fiesen Brombeerstacheln ab, ohne sie zu zerreißen. Die Hose, nicht die Sträucher.

Zum Glück liegt Bendorf bald hinter mir, denn der Rest vom Ort hatte auch nix zu bieten. Aber danach wird der Weg direkt wieder besser. Es geht erstaunlich eben über Felder, durch Pferdegestüte, über Wiesen und unter einer Autobahn hindurch. An einem Maisfeld lasse ich mir von Mama den Trick durchgeben, wie man rausfindet, ob der Mais denn schon reif ist: wenn man den Mais mit dem Daumennagel eindrücken kann. Ein Test ergibt, dass eher mein Daumennagel reif ist als der Mais… also ohne Naschen weiter.

Es geht wieder bergauf und ich komme am Wüstenhof vorbei, einer sehr coolen Location mit Terrasse mit Ausblick. Da muss ich mir einfach ein Päuschen gönnen :) Immerhin mit neuem Plan: Blog schreiben on the go. Vielleicht schaffe ich es so, etwas aktueller zu bleiben. Spoiler: nö, ich werde bereits heute beweisen, dass der Plan gut war, aber die Umsetzung scheitert :)

Die Pause war herrlich und tat gut, aber da gerade mal sieben Kilometer und damit so etwa ein Viertel der Strecke hinter mir liegen, mache ich mich bald wieder auf den Weg. Es geht quer durch den Wüstenhof, wieder durch viel Grün – und dann komme ich ins Örtchen Vallendar. Hier geht’s einmal quer durch, und obwohl der Ort ganz niedlich ist und der Weg meist relativ ruhig geführt wird, bin ich froh, als ich die Zivilisation wieder ein Stück hinter mir lasse.

Hinter Vallendar geht es dann erst durch Wald und dann wieder über Felder. Inzwischen geht es auf Mittag zu und die Sonne scheint gnadenlos vom fast wolkenlosen Himmel. Ich merke regelrecht, wie ich verbrenne und ziehe die Ärmel vom UV-Shirt trotz aller Hitze runter bis über die Hände. Die Kapuze setze ich auch noch auf. So ist es zwar arg warm, aber immerhin sonnengeschützt. In Mallendar geht die Wegführung durch den Ort und dann rings um ein Freibad herum – ja, da wäre eine Pause jetzt sehr verlockend. Leider habe ich dafür weder Zeit noch Badesachen dabei und so geht es eben weiter durch die Sonne.

Es geht weiter durch Urbar (hey, ein erster richtiger Blick auf Koblenz!) und dann komme ich nach Niederberg. Hier wird die Sonne so brutal, dass mir die Augen anfangen zu tränen und regelrecht weh tun. Am Ortseingang auf einer Wiese halte ich an und wühle die Sonnenbrille aus den Tiefen meines Rucksacks. Es wird umgehend besser – aber selbst so ist es noch zu hell für meine Augen und sie tränen lustig weiter. Ich komme in einen Park und flüchte mich in den kargen Schatten eines kleinen Baumes. Zeit, den Augen bei einer kleinen Pause etwas Erholung zu gönnen. Und meinem Magen erst ein belegtes Brötchen vom Frühstück im Lindenhof und dann ein Eis vom Eiswagen nebenan. Als ich dort anstehe und mein Eis bestelle, denkt der Eisverkäufer wahrscheinlich, mir würde es fürchterlich gehen – mir rinnen die Tränen nur so unter der Sonnenbrille hervor. Der weiße Wagen in der prallen Sonne tut höllisch weh in meinen Augen. Schnell wieder zum Eisessen in den Schatten.

Nach der Pause haben sich meine Augen ein wenig erholt und ich wage mich auf den weiteren Weg. Der Park, den ich soeben betreten hatte, entpuppt sich als der Festungspark der Festung Ehrenbreitstein. Diese thront hoch über Koblenz und ist ein offizieller Etappen-Endpunkt. Der Park ist hübsch angelegt, aber die Rheinsteig-Beschilderung lässt sehr zu wünschen übrig. Von den kleinen Hinweisen ist häufiger nichts mehr zu erkennen. Entlang einer Aussichtsplattform und der Seilbahn hinab nach Koblenz geht es durch den Park bis zur Festung.

An der Festung steht bereits eine lange Schlange an Menschen, die auf Eintritt waren – und fast will man mich nicht weitergehen lassen, ohne dass ich mein Impf-Zertifikat vorzeige. Aber der Rucksack, die Wanderstöcke und vermutlich ein kleines bisschen auch mein Duft gehen schnell als Argument durch, dass ich nicht in die Festung, sondern auf dem Weg weiterwandern will. Und so geht es an der Festung vorbei einen schmalen Pfad entlang. Erst steil bergab – und dann zu meiner Verwunderung steil bergauf. Oben treffe ich auf ein paar Spazierwanderer, die mich genauso verwirrt anschauen, als ich ihre Frage nach dem Weg zur Festung mit einem Fingerzeig nach unten beantworte. Ein Blick auf die Flipflops eines der Spaziergänger lässt sie kurz innehalten und ich gebe ihnen noch den Hinweis, sich vielleicht ein bisschen besser an Felsen oder Geländern festzuhalten als üblich.

Hinter der Festung geht der Weg plötzlich in einen Gang hinein. Irgendwie witzig, dass sich der Rheinsteig hier durch die Festungsanlage windet. Danach bin ich schon fast in Koblenz angekommen. Bis zum Rhein runter ist es nicht mehr weit und dann geht es für mich nur noch ein ganzes Stück am Rheinufer entlang. Zeitlich passt es perfekt – und ich bin sogar kurz vor Dominik an unserem Treffpunkt.

Eigentlich wollen wir uns noch irgendwo am Rhein einen Kaffee gönnen – aber auf dem weiteren Weg kommt nix mehr, was geöffnet hätte. Dominik wundert sich kurz über mein Gehtempo (hoppla, bin wohl trainiert inzwischen) und so sind wir kurz darauf bereits raus aus Koblenz und wieder im Wald. Der Weg zieht sich herrlich entlang eines Flüsschens und entlang von Wiesen dahin. Vor lauter Quatschen (wir haben ja ein bisschen was aufzuholen) biegen wir ein paar Mal falsch ab (oder biegen eben fälschlich nicht ab) und hängen so einen guten Kilometer Weg sinnlos dran. Kurz vor Horchheim bekomme ich auf einmal Hunger. Also… richtigen Hunger. Von jetzt auf gleich. Ich esse einen Cliff Bar… und dann direkt noch einen. Und weil mein Magen immer noch vor Hunger weh tut, mache ich mich über eine Tüte Gummibärchen her. Der Zuckerschock scheint ein wenig zu helfen und mein Magen stellt das Protestieren erst mal ein. Was bitte war das denn für eine Hungerattacke??

Aber was soll’s. Kurz darauf kommen wir in Horchheim an und müssen nur noch ein paar Kilometer bergab durch den Ort. Am Ende sind meine Füße endlich wieder gewohnt platt und wir sind froh, im Hotel anzukommen. Es gibt einen Pool – warum noch mal habe ich keine Badesachen dabei?

Meine Augen werden immer schlimmer und so steige ich von den Kontaktlinsen flugs auf Brille um. Ich hoffe inständig, dass das bis morgen wieder besser wird. Das Abendessen im Hotelgarten ist unterhaltsam (der arme Azubi-Kellner an seinem ersten Tag gibt sich viel Mühe, ist aber gnadenlos überfordert), das Essen ist leider nur so mittel. Und meine Augen tränen immer noch. Also ab in die Falle – morgen gibt’s dann den ersten richtigen Wandertag für Dominik. Und der wird es auch gleich in sich haben.

Gesamtstrecke: 27.33 km
Gesamtanstieg: 741 m
Gesamtabstieg: -700 m
Gesamtzeit: 08:14:47

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