Rheinsteig Etappe 5: von Leutesdorf nach Oberbieber zum Stausee Schwanenteich

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Stausee Schwanenteich

Ich bin um acht mit Markus zum Frühstück verabredet und direkt zeigt sich eine deutliche Verbesserung zum Vortag: die Musikanlage spielt nicht mehr die Everly Brothers! Yeah! Stattdessen gibt’s heute Elvis auf die Ohren, immerhin nicht nur einen Song, sondern ein komplettes Album. Inklusive „Return to sender“. Spoiler: das wird mein Ohrwurm für die nächsten beiden Tage. Autsch. Beim Frühstück hecken wir die Strategie für den Tag aus. Die ist nicht einfach „weiterwandern“, denn aufgrund des angekündigten Bahnstreiks hat Markus sich entschieden, früher auszusteigen, damit er noch ohne Bahn-Chaos nach Hause zu seiner Family kommt. Deswegen will er heute nach Rengsdorf und dort den Bus nehmen. Dafür muss er gegen 14 Uhr dort sein. Bis dahin liegen allerdings noch knapp 20 Kilometer und ein gewaltiger Anstieg kurz vorm Ziel vor uns. Zur Erinnerung: gestern in etwa die gleiche Strecke und wir waren kurz nach 16 Uhr am Ziel. Und: für mich geht es danach noch gut sechs Kilometer weiter bis zum Stausee Schwanenteich am Aubach.

Ich ringe kurz mit mir, ob ich den Zeitdruck will – und beschließe, Markus im Zweifel einfach vor dem letzten Anstieg ziehen zu lassen. Aber erst mal laufen wir zusammen los, natürlich direkt mit knackigem Aufstieg aus Leutesdorf raus. Nachdem die Waden sich notgedrungen damit abfinden, dass der Rheinsteig wie jeden Tag auf die Aufwärmphase verzichtet, geht es danach relativ gut erträglich weiter. Wir kommen durch Wald, aber auch über weite Felder und durch schöne Wiesen. Und das Wetter heute ist super: nicht zu heiß und vor allem trocken.

Irgendwann kämpfen wir uns gerade mal wieder einen Anstieg im Wald hoch, als wir plötzlich vor einem grauen Kasten stehen, bei dem uns die Fragezeichen einfach nicht verschwinden wollen. Hä??

Bitte was? Superschnelles Internet? Mitten im Wald?? Crazy. Kurz darauf lernen wir, dass es tatsächlich „Ortsverschönerungsvereine“ gibt. (Sagte ich schon crazy?)

Als wir uns Altwied nähern, überqueren wir den Moorbach und halten fest, dass es hier keinen Mangel an Wanderwegen gibt. Altwied selbst ist ziemlich klein – und das einzige Restaurant sieht ziemlich geschlossen aus. Das ist doof für meinen Magen, aber gut für unsere Planung. Bis jetzt liegen wir ziemlich gut in der Zeit und haben uns einen kleinen Puffer aufgebaut.

Den Ausflug auf die Burg sparen wir uns dennoch und nehmen stattdessen den fiesen Aufstieg nach Rengsdorf in Angriff. Mein Highlight: irgendwann sagt Markus „siehste, jetzt lauf ich dir auch nicht mehr weg“. Ich frag lieber nicht nach, ob er das ernst meint oder nur höflich ist. Manche Dinge kann man ja auch einfach mal stehenlassen :) Auch hier gibt’s allerdings wieder einiges, was uns die Fragezeichen ins Gesicht treibt…

Wir sind gerade etwa 200 Höhenmeter auf schmalen Pfaden aufgestiegen – und haben bestimmt noch hundert vor uns… und irgendein Komiker malt einen Rollstuhl an den Baum? Komischen Humor haben die hier…

Als wir den Aufstieg fast geschafft haben, genießen wir kurz den Ausblick – und stellen fest, dass wir scheinbar gerade einmal im großen Bogen um die Raiffeisenbrücke Neuwied drumherum laufen. Jetzt sehen wir sie nämlich praktisch von der Seite.

Von hier aus geht es fast eben nach Rengsdorf rein – und an irgendeiner Stelle übersehen wir doch tatsächlich ein Rheinsteig-Schild und laufen an der falschen Seite am Tennisplatz vorbei. So viel zu meinem Pedantismus, keinen Meter Rheinsteig auszulassen… grummel. Nun gut. Immerhin haben wir nicht abgekürzt. Mit über einer Stunde Luft zum Busfahrplan erreichen wir Rengsdorf. Die Frage nach einem Restaurant wird uns von Locals beschieden mit Chinese oder Döner… Wir entscheiden uns fürs Eiscafé :)

Einen Kaffee und ein Eis später ist es für Markus Zeit, seinen Bus zu erwischen. Ich bringe ihn noch zur Bushaltestelle und dann geht es für mich zurück auf den Rheinsteig. Ich biege falsch ab und erwische somit den falschen Zuweg. Als ich das Rheinsteig-Zeichen sehe, wird mir klar, dass der Weg nicht durch den Ort ging, sondern im großen Bogen drumrum. So abzukürzen ist natürlich alles andere als pedantisch – und so ist schnell klar, dass ich umkehren und zu dem Punkt zurück muss, wo Markus und ich den Rheinsteig verlassen hatten. Gesagt, getan.

Im Bogen geht es um Rengsdorf. Durch ein bisschen Wald, einen Park und dann deutlich bergab. Mir schwant böses. Und natürlich geht der Weg danach wieder bergauf – nur leider auf sehr viel kürzerer Strecke, als er bergab ging. Tja ja… so ist er, der Rheinsteig.

Dann bin ich wieder an der Stelle, an der ich vorhin schon mal stand, als ich versehentlich abgekürzt hatte – und kann den Fehler nun als behoben betrachten. Weiter geht’s durch schönen Wald und erfreulicherweise hat der Rest meines Weges kaum noch nennenswerte Steigungen. Dafür gibt’s am Weg wieder einiges zu entdecken und so läuft es sich kurzweilig, bis ich am Stausee Schwanenteich ankomme.

Am See liegt direkt mein Hotel – ich hatte es telefonisch gebucht und hatte keine Ahnung, was mich erwartet, denn die Webseite gibt überhaupt nix her. Ich sehe aber direkt einen schönen Biergarten am See – was gut ist, denn ansonsten gibt es hier überhaupt nichts und am Eingang steht direkt, dass das Restaurant wegen Corona geschlossen hätte. Ich checke ein und bekomme ein Zimmer. Mit Waschbecken – aber ohne Bad. Das ist auf dem Gang, aber immerhin hab ich eins für mich alleine, denn außer mir scheint nur ein weiterer Gast da zu sein, der das andere Bad bekommt. Ich dusche also erst mal und dann geht’s in den Biergarten, wo es eine Pizza und einen Tee gibt.

Nach dem Essen entschließe ich mich noch zu einem kleinen abendlichen Spaziergang um den See – waren ja schließlich erst 26 Kilometer heute. Nach nicht mal 15 Minuten bin ich auch davon zurück und verkrümle mich ins Bett (die Frottee-Bettwäsche hat eindeutig zu viel fies duftenden Weichspüler abbekommen – ich fühle mich leicht benebelt). Ich schätze, morgen bin ich ausgeschlafen :)

Ach ja – Markus blieb vom Bahn-Chaos verschont und ist gut zu Hause angekommen. Liebe Grüße, hat Spaß gemacht!

Gesamtstrecke: 26.25 km
Gesamtanstieg: 725 m
Gesamtabstieg: -665 m
Gesamtzeit: 08:07:22

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