Rheinsteig Etappe 3: von Unkel nach Bad Hönningen

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Ooooha! Das mit dem Aufstehen finden die Füße ja gar nicht sooo geil :) Nützt ihnen aber nix, da müssen sie durch. Zuerst versuche ich es mal im Guten und mute ihnen nur den Gang zum Frühstück eine Etage tiefer zu. Auf halbem Weg einigen wir uns, dass das eine gute Aussicht ist und man es ja mal probieren kann. Das Frühstück ist lecker und im Frühstücksraum so früh nicht viel los. Außer mir ist nur ein einzelner Herr (offenbar ebenfalls Wanderer) und ein älteres Ehepaar (offenbar keine Wanderer) da. Nach dem Frühstück noch Checkout und jetzt machen wir Ernst – es geht weiter. Ziel für heute: Bad Hönningen.

Zunächst geht es aus Unkel heraus – da es aber grad trocken ist (yeah!), gehe ich nicht auf direktem Weg, sondern schlendere erst noch kurz runter zum Rhein und dann durch den niedlichen kleinen Ort. Kann man sich mal angucken, ist aber schnell erledigt.

Dann geht es aber doch wieder raus aus dem Ort. Nach wenigen Metern auf der Landstraße wartet das erste kleine Highlight: die Kaskade von Unkel. Flugs ein Foto und dann geht es auch direkt den Berg rauf, in den Naturpark Rhein-Westerwald.

Das erste Ziel für heute ist der Erpeler Ley. Der, die, das Ley? Weiß das jemand? Egal. Jedenfalls wandere ich dafür einen Berg rauf. Und hey, ich finde eine weitere Schneckenart – die ist sogar bekleidet!

Als ich grad leicht keuchend in dem winzigen Ort Orsberg ankomme, staune ich nicht schlecht über unverhoffte Trail Magic am Wegesrand. Da hat doch tatsächlich jemand ein Stück seines Gartens für Rheinsteig-Wanderer hergerichtet!

Ich nehme mir eine Cola aus dem Kühlschrank, lasse meinen kleinen Obolus im Briefkasten und freue mich. Das Leben kann richtig, richtig gut sein:)

Weiter geht es in Richtung Erpeler Ley (ha! einfach den Artikel weglassen) den Berg rauf und dann eine Weile nahezu eben (na nu, sowas kann der Rheinsteig auch?). Dann komme ich aus dem Wald raus und stehe auf einer Art Plateau mit Aussichtspunkt über dem Rhein. Genauer, oberhalb der Brücke von Remagen, oder eben dem, was davon noch übrig ist. Eine Runde im Kreis wandern, Ausblick genießen und dann führt der Weg wieder zurück in den Wald und den Berg hinab.

Auf dem Weg den Berg runter lassen sich – ohne fieses Keuchen – noch flugs ein paar kurze Telefonate erledigen und dann geht es auch schon wieder den Berg rauf. Durch ein Viadukt hindurch und an einem kleinen Bach entlang. Ich entscheide mich, vor die Wahl gestellt, für die „alpine Wegführung“, denn zum Glück gab es nur ganz kurzen Nieselregen. Die alpine Version stellt sich aber als „Böschung rauf (ah, über das Viadukt fährt eine Bahn), oben lang, Böschung wieder runter“ raus. Dann eine weitere Lichtung oberhalb einer Rheinschleife und darauf eine Liege mit Blick auf den Rhein. So lasse sich noch die letzten anderthalb Stunden Arbeit in Form eines Calls absolvieren und dann kann endgültig und jetzt auch mental der Urlaub losgehen.

Weiter geht es in stetem Auf und Ab, durch Ockenfels mit der gleichnamigen Burg hoch oben und dann nach Linz. Der Call hat doch Zeit gefressen und so ist es bereits früher Nachmittag. Zum Glück hat Linz Cafés mit lecker Kuchen zu bieten… oje, ich glaub, heute werd ich nie ankommen.

Ab hier beginnt nun die offizielle vierte Etappe, die ich einfach noch dranhänge. Ist ja erst kurz vor vier. *räusper

Der Weg verläuft hier recht zahm auf und ab, zieht sich aber. Es geht eine gefühlte Ewigkeit durch Dattenberg (irgendwann glaube ich, jede Straße des Ortes abgelaufen zu sein), dann im Bogen um und durch Leubsdorf. Wieder rauf auf den Berg und wieder runter nach Ariendorf. Dann wieder rauf zum Schloss Arenfels. Langsam schlaucht es nun doch. Aber immerhin bin ich jetzt oberhalb Bad Hönningen.

Jetzt muss ich mich nur noch auf der Höhe an ganz Bad Hönningen vorbei schieben, um dann quasi auf der Rückseite in den Ort abzusteigen. Schon beim Blick von oben fragt man sich, wie der Ort zu dem „Bad“ kam – man blickt doch auf eine Menge Industrie. Kaum im Ort entpuppt sich mein Weg zu meiner Unterkunft denn auch als einer mitten durchs Industriegebiet. Getoppt wird der fiese Asphaltmarsch nur noch von einer optisch und dufttechnisch höchst zweifelhaften Bahnunterführung… aber dann ist es geschafft.

Nach dem Einchecken (das Zimmer in der Pension Carmen ist nett) schiebe ich das Duschen auf später. Wenn ich mich jetzt hinsetze oder dusche, gehe ich nicht mehr raus – ich hab aber noch Hunger. Ich finde das so ziemlich einzige geöffnete Restaurant (eine Raucherkneipe), zum Glück einen Platz draußen und bestelle einen Rheinischen Sauerbraten. Ein Wagnis – aber eines, was sich lohnt. Der Sauerbraten schmeckt lecker.

Die Kneipe leert sich und alsbald sitzen nur noch zwei einzelne Herren mit draußen. Auch für mich heißt es, Schicht für heute. Beim Aufstehen tun schon wieder die Füße weh, aber der Heimweg ist nicht lang und die Dusche lockt. Ordentliche Etappe geschafft heute :)

Gesamtstrecke: 25.82 km
Gesamtanstieg: 753 m
Gesamtabstieg: -753 m
Gesamtzeit: 10:20:09

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