Was lange währt… oder: Die Enthüllung des Fitz Roy

Der Wecker ist uns heute ungnädig und klingelt, als es eigentlich noch viel zu früh ist. Aber es hilft ja alles nix – der Berg ruft! Also packen wir nach dem Frühstück wieder unsere Siebensachen (Fotoapparate, Regensachen, Wasser, Stöcke, Essen, Essen, Essen) und machen uns auf den Weg zur Laguna Torre. Es sieht bereits morgens recht freundlich aus, aber davon lassen wir uns selbstverständlich nicht täuschen. Und natürlich sehen wir am ersten Mirador trotz blauer Flecken am Himmel statt des grandiosen Blicks auf den Cerro Torre nur das altbekannte Bild von wolkenverhangenen, nicht näher identifzierbaren Bergen.

Das übliche Wolkenbild am Mirador Torre
Das übliche Wolkenbild am Mirador Torre

Trotzdem wandert es sich heute dank des immer wieder auftauchenden Sonnenscheins (und vermutlich auch dank des verhältnismäßig flachen Streckenprofils) regelrecht einfach und wir sind das erste Mal schneller als es die Wegbeschreibung vorgibt. Unterwegs kommen wir diesmal durch einen herrlichen Lenga-Wald. Das ist eine Baumart, die auf offenen, windgepeitschten Flächen gerne mal aussieht wie Buchen im Bonsai-Format und hier überall wächst. Hier im Wald finden wir jedoch richtig große Exemplare vor.

Im Lenga-Wald
Im Lenga-Wald

Nach nicht einmal drei Stunden kommen wir trotz mehrerer Pausen (zum Fotografieren von Blumen, Bergen oder Bäumen oder auch zum Essen) bereits an der Laguna Torre an. In diese Laguna mündet ein großer Gletscher, der so freundlich war, für uns ein paar kleine Eisschollen auf der Laguna zu platzieren. Drumherum soll theoretisch das Bergmassiv des Cerro Torre zu sehen sein – nun, wir kennen das Spiel ja schon.

Die Laguna Torres mit Andeutungen des Cerro Torre Massivs
Die Laguna Torres mit Andeutungen des Cerro Torre Massivs

Wir laufen noch ein Stückchen um die Laguna herum, um einen besseren Blick auf den großen Gletscher zu erhaschen, der sich von links um den Berg herum in die Laguna schiebt. Hier pfeift übrigens mal wieder ein gewaltig kalter Wind den Gletscher hinunter. Dann ist es Zeit, wieder aufzubrechen und den Rückweg anzutreten.

Zurück am Mirador Torre angekommen, hetzen wir selbstverständlich nicht sofort weiter, sondern wollen uns noch einmal die Bestätigung abholen, dass das Panorama noch immer so wolkenverhangen ist, wie wir es kennen. Und siehe da – so ist es. Doch plötzlich taucht – ein Stück außerhalb des eigentlichen Panoramablicks – ein neuer Berg auf: und wir erhaschen einen Blick auf den halben Fitz Roy! Wir freuen uns wie kleine Kinder, dass wir ihn endlich doch noch zu sehen bekommen.

Endlich ist er zumindest halb zu sehen: der Fitz Roy
Endlich ist er zumindest halb zu sehen: der Fitz Roy

Als Erklärung sei hier erwähnt, dass es sich bei dem rechten, zur Hälfte in den Wolken versteckten, ziemlich großen Steinbrocken um den Fitz Roy handelt, während die etwas besser zu sehende Spitze links davon der Poincenot ist.

Zurück in El Chaltén machen wir uns landfein und gehen dann essen. Nein, heute brechen wir mit der Tradition und gehen einmal nicht in die Wafleria, sondern essen eine Pizza – nach den Keksen unterwegs muss jetzt etwas herzhaftes her. Als wir kaum aus der Pizzeria heraus sind, geht unser Blick in Richtung Berge und Fitz Roy (es geht gar nicht anders, wenn man hier ist – der Blick wird sozusagen magisch davon angezogen) – und mein armes Herz droht kurz auszusetzen: der Fitz Roy ist vollkommen klar zu sehen! Ich nehme also meine Beine in die Hand, schleife meinen vollen Pizzabauch hinterher und eile in unsere Unterkunft, um unser „very new car“ zu holen, auf dem Rückweg die Mama wieder einzusammeln und dann schnurstracks auf den Mirador vor der Stadt zu fahren. Und nun genießet…!

Fitz Roy im Ganzen  und Cerro Torre (links) in Zuckerwatte
Fitz Roy im Ganzen und Cerro Torre (links) in Zuckerwatte

Track (einfache Strecke)

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