Tag 8 – Richardson Lake bis Stony Ridge Lake

Heute bin ich mit einem Geburtstagskind unterwegs. Das heißt für mich: als erste raus aus Zelt in die Kälte und Kaffee machen. Der Blick auf den See ist beeindruckend, denn darüber kriecht eine Schicht aus Nebel. Na phantastisch – Wasser holen geht hier wegen des flachen Wassers und des eher schlammigen Untergrundes nicht, ohne bis weit über die Knie im See zu stehen – *bibber*

Dann steigt die Sonne am gegenüberlegenden Ufer langsam über den Berg und scheint buchstäblich die Lebensgeister der Umgebung zu wecken. Der Nebel verdunstet sozusagen zusehends und auch Mr. Krebs kommt in den ersten Sonnenstrahlen wieder aus seinem Nachtlager gekrochen. Unser Zeltplatz sieht vollkommen unberührt aus. Was immer dort also in der Nacht geatmet hat, hat entweder nichts gemacht oder war nur eine Halluzination. Mir soll es sehr recht sein.

Unser Weg führt heute, entsprechend unserem neuen Plan, zunächst ein ganzes Stück auf dem gestrigen Weg zurück. Dabei steigen wir zunächst am Richardson Lake wieder den Berg hinauf und genießen noch einmal den Rückblick auf die grandiose Herbstfärbung.

Herbst

Bald sind wir auch wieder in der Desolation Wilderness und finden den Abzweig, der uns zum Lake Genevieve führen soll. Es sind nur 0,6 Meilen bis dorthin, aber wir ahnen bald, dass diese Strecke ziemlich lang werden wird. Wir befinden uns nicht mehr auf dem PCT und der Weg ist offenbar nicht nur wenig begangen, sondern auch schlecht gepflegt. An vielen Stellen lässt sich kaum erahnen, wo es weitergeht. Riesige Bäume versperren wieder und wieder den Weg, der sowieso reichlich zugewachsen ist. Irgendwann jedoch ist der Weg geschafft und wir treffen auf einen Fluss, der dem Lake Genevieve entspringt. Fließendes Wasser – das heißt Flaschen auffüllen.

Hier befinden wir uns nun wieder in Tagesmarsch-Entfernung von der Zivilisation, was sich bald durch Day Hiker bemerkbar macht. Ein entgegenkommendes Wandergespann aus einem älteren Herrn aus der Gegend und einem jüngeren Mann aus Wales fragen wir, ob sich unser heutiges Ziel, der Stony Ridge Lake zum Zelten eigne (der Name lässt uns leichte Zweifel hegen, aber zum Glück gibt es diverse andere Seen als Alternative). Die Eignung wird uns positiv bescheinigt, aber der ältere Herr scheint heftige Zweifel daran zu hegen, ob wir auch im Besitz eines gültigen Permits seien, denn er weist uns wieder und wieder darauf hin, dass dieses erforderlich sei und es auch überall Ranger gebe, die die Permits kontrollieren. All unsere Beteuerungen scheinen nicht zu helfen, die Zweifel stehen ihm weiter ins Gesicht geschrieben. Nun, im Unterschied zu den Day Hikern haben wir unser Permit auch nicht gut sichtbar außen am Rucksack hängen, sondern zerstörungssicher im Rucksack verstaut. Immerhin erfahren wir noch, dass der Wetterbericht für die nächsten Tage das gleiche grandiose Wetter ankündigt wie wir es die letzten Tage hatten. Was wollen wir mehr?

Nach einer Pause am wunderschönen Lake Genevieve führt uns unser Weg weiter und geht auf die letzten Kilometer noch einmal ordentlich bergauf. Na ja, wir sagen uns einfach, dass das alles Höhenmeter sind, die wir am nächsten Tag nicht mehr zu gehen brauchen. Und irgendwann ist dann auch der Stony Ridge Lake erreicht. Wir finden kurz hinter einem ausgetrockneten Bachlauf den alllerwunderschönsten Platz zum Zelten und der See wird kurzerhand zum schönsten Lagerplatz der ganzen Tour erklärt.

Stony Ridge  Lake

Windstille, Sonne, ein felsiges Ufer… für uns also wieder das Signal zum Wäsche waschen (das Wasser ist so klar, dass wir die Tiefe am Ufer unterschätzen und ein Schuh ungeplant baden geht), zum Lesen und Tagebuch schreiben. Selbstverständlich mit Kaffee und Schoki. Zum Abendessen ist es dann soweit: wir haben die erste Packung Spiritus leer bekommen und müssen nachfüllen. Dafür wird der neue Sprit dann genutzt, um „Chicken Breasts with Mashed Potatoes“ zu zaubern. Die Erwartung auf kleingeheckseltes Fleisch entpuppt sich als grundlegend falsch und wir finden in der Tüte tatsächlich zwei komplette Hühnerbrüste vor. Wir sind wieder einmal platt, was so alles möglich ist – und es schmeckt auch noch! Während unsere gewaschenen Sachen inklusive Schuh heute an der frischen Luft bleiben müssen, weil sie noch nicht trocken sind, genießen wir wieder einmal Landschaft bei Vollmond, bevor wir in die Schlafsäcke kriechen.

(Achtung: der Übergang vom TRT/PCT zum Meeks Creek Trail (Lake Genevieve) ist im Track nur grob geschätzt – nicht zum Routen verwenden! Vor Ort weisen Wegweiser und Steinmännchen den Weg.)

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