Kanufahren im Spreewald

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Kanufahren im Spreewald
Kanufahren im Spreewald

Eigentlich hatten wir meinem Neffen eine Reise ins Ausland geschenkt – mit Kanufahren, Zelten und allem, was für Jungs in seinem Alter eben cool ist. Aber da nun mal Corona ist, fiel die Reise leider aus. Also haben wir uns einen kleinen Ersatz überlegt und ein Überraschungswochenende im Spreewald geplant. Mit Kanufahren, Zelten und allem… ihr wisst schon ;)

Am Vormittag treffen wir uns also im kleinen Spreewald-Örtchen Lübbenau und holen beim Bootsverleih Richter unser gebuchtes Kanu ab. Bevor wir alles verpacken, gibt es im Ort noch ein leckeres Stück Kuchen mit meinen Eltern, die dankenswerterweise das Logistische ermöglichen. Und dann bekommen wir eine Einweisung zum Verhalten beim Kanufahren im Spreewald und eine Karte samt Routenempfehlung zu unserem gebuchten Zeltplatz Zur Erleninsel. Dann packen wir unsere Siebensachen ins Kanu und auf geht’s. Heute ist herrliches Sommerwetter, auch wenn der Wetterbericht perspektivisch wenig Mut macht.

Die ersten Meter auf dem Südumfluter sind ein bisschen wie auf einem Fahrübungsplatz. Lauter Kanu-Frischlinge veruschen, sich nicht gegenseitig zum Kentern zu bringen, bevor so langsam der Übungseffekt und dann auch Können einsetzt.

Darum biegen wir bald auf einen kleinen Nebenarm ab – den Zweiten Freiheitskanal – und sofort beginnt das Gefühl von Urlaub. Eben eine richtig schöne Alltagsflucht. Es ist herrlich ruhig, das Kanu gleitet fast lautlos durchs Wasser, das sich in kleinen Kurven durch die urig waldige Landschaft windet. Dann kommen wir auf die Hauptspree und fahren auf ihr ins kleine Dorf Leipe, wo es eine Ansammlung von Restaurants gibt. Da es zeitlich hervorragend passt, halten wir an, ziehen unser Kanu an Land und essen lecker zu Mittag.

Nach dem Essen geht es für uns weiter auf der Hauptspree, die hier – anders, als der Name vermuten lässt – gar nicht groß ist. Sie führt, ohne allzu sehr zu schlängeln, durch abwechslungsreiche Landschaft. Links und rechts am Ufer wechseln sich Wiesen, Wälder und Sumpfgebiete ab. Ab und an sind vereinzelte Häuser zu sehen.

Am Nachmittag kommen wir dann an unserem Ziel an, dem Zeltplatz Zur Erleninsel. Hier packen wir aus, verstauen unser Kanu und bauen unsere Zelte auf. Mit einem kleinen Geburtstagskuchen und später einem zünftigen gefriergetrockneten Outdoor-Mahl lassen wir den Tag ausklingen.

Am nächsten Morgen ist es gar nicht mehr so sonnig – der Himmel ist wolkenverhangen. Wir frühstücken, packen unsere Zelte zusammen und als wir alles ins Kanu räumen wollen, fallen doch tatsächlich ein paar Tropfen Regen. Zum Glück sind die auch ganz schnell wieder vorbei und so bleiben die Regenjacken erst mal im Gepäck. Wir suchen uns eine schöne Route für den Rückweg aus – wesentliches Entscheidungskriterium unseres Geburtstagskindes scheint eine möglichst direkte Verbindung zu sein. Da hat wohl jemand Muskelkater ;)

Unterwegs kommen wir an einem Häuschen vorbei, wo Spreewaldgurken und Meerrettich direkt am Wasser, sozusagen swim-through, verkauft werden. Nicht mal aussteigen muss man dafür. Also eine Gurke für jeden auf die Hand und weiter geht’s nach dem kleinen Snack.

Heute passieren wir lauter Schleusen, die – anders als gestern – selbst bedient werden wollen. Schnell ist aller Muskelkater vergessen, denn Schleusen zu bedienen hat offenbar hinreichend Coolness-Faktor. Umso besser für uns, die wir bequem im Kanu sitzen bleiben und uns wahlweise rauf oder runter hieven lassen.

Zu Mittag finden wir auch heute wieder ein Restaurant, setzen uns diesmal aber rein, weil es eben nicht mehr so richtig sommerlich warm ist. Immerhin bleibt es bislang trocken. Das Essen gestern war definitiv besser, aber nun sind wir satt und gestärkt und können weiterfahren.

Den ganzen Tag über war es weitgehend angenehm leer auf den Fließen. Das ändert sich erst, als wir kurz vorm Ziel nach Lehde kommen. Wie sie uns beim Bootsverleih schon angekündigt hatten, befinden wir uns plötzlich mitten auf der Haupt-Kahn-Route. Kähne haben im Spreewald immer Vorfahrt, weil sie weniger wendig sind – und wenn sie aus zwei Richtungen aneinander vorbei fahren müssen, gibt’s ganz schnell Stau. Und genau in so einem stehen wir nun. Es geht nur noch im Schneckentempo voran – und natürlich fängt es jetzt endlich an zu regnen. Und zwar so richtig. Binnen Sekunden sind wir nass bis auf die Haut und es ist kein Ende in Sicht. Erst, als wir uns genüsslich durch den gesamten Ort gestaut haben, können wir wieder Fahrt aufnehmen und die Muskeln warm werden lassen. Und natürlich hört jetzt auch der Regen wieder auf und die Sonne kommt raus. Argh! :)

Und dann sind wir auch schon zurück am Bootsverleih. Wir räumen unser Kanu leer, kippen Massen von Regenwasser raus und gehen uns erst mal umziehen. Endlich trocken – und auch die Sonne scheint wieder. So lässt es sich sehr gut aushalten. Eine herrliche Alltagsflucht, die sich wie ein richtiger kleiner Urlaub angefühlt hat.

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