5. Etappe: Haugen – Svukuriset

Wir werden wach und hören nichts als das leichte Plätschern der Wellen. Juhu, denken wir, es ist trocken! Also nichts wie raus und Kaffee gekocht. Derweil wischt Dominik fleißig das Zelt trocken. Dummerweise fängt es anschließend – was sonst – direkt wieder an zu regnen. Also heißt es mal wieder, alles im Zelt zusammenzupacken und das Zelt dann im Regen einzupacken. Grummel. Wir schlöfen alles zurück bis zum Bootsanleger, wo wir uns mal wieder auf der überdachten Bank der kleinen Hütte ausbreiten. Sauber verpacken, das Plumpsklo noch einmal nutzen, am See Zähneputzen und dann losmarschieren. Durch konstanten Regen geht es zunächst durch einen Birken- und Kiefernwald bergauf, bis wir wieder im Fjell sind. Selbstverständlich sind die Wege inzwischen frisch getränkt. Da wir bei jedem Schritt auf dem etwa 20cm breiten Weg auch die Blaubeersträucher links und rechts streifen, sind auch unsere Schuhe bald frisch getränkt. Aus dem feuchten Zustand der letzten Tage wird nun eine platschende Pfütze. Ich entdecke ein neues Feature an meinen Schuhen: wenn ich auftrete, bilden sich an der Schuhoberfläche kleine Wasserbläschen – großartig! Aus Frust bastle ich aus meinem Halbwissen norwegische Sätze zusammen: jeg har vann i skoen min.

Mitten auf der Hochebene des Fjells bekommen wir Hunger, sind uns aber schnell einig, dass der Hunger nicht groß genug ist, um hier oben ohne Strauch und Baum im Regen eine Pause zu machen. Außer uns scheinen sich nur noch ein paar Rentiere hier oben herumzutreiben. Selbst die umliegenden Berge sind vor lauter Wolken nicht mehr zu erkennen und der Stor Svuku hat sich unter einer dicken Wolkenmütze versteckt.

Irgendwann treffen wir auf den direkten Weg aus Røvollen, den wir ja gestern zugunsten Haugen haben links liegen lassen. Wenig später kommen wir wieder in einen lichten Wald. Unter einem dicken Baum wagen wir ein Päuschen. Zwei Panzerplattenkekse und einen Salamistick später setzen wir die Rucksäcke wieder auf. Igitt, alles ist nass und kalt! Inzwischen sind wir uns einig, dass unser heutiger Schlafplatz dringend eine Möglichkeit bieten muss, das ganze Zeug wieder halbwegs trocken zu kriegen. Also ab nach Svukuriset. Und damit meinen wir ganz sicher nicht den Zeltplatz dort. Wenig später taucht die Hütte auch schon vor uns auf.

Svukuriset
Svukuriset

Wir bekommen zwei Betten in einem Viererzimmer zugeteilt. Das Zimmer ist das Erdgeschoss einer lustigen kleinen Hütte. Im Obergeschoss gibt es noch ein weiteres Zimmer.

Unsere Hütte
Unsere Hütte

Als wir in unserem Zimmer einfallen, sind noch alle Betten frei und wir suchen uns eine Seite aus. Dann hängen wir unsere nassen Socken auf die Heizung, stellen die Schuhe darüber aufs Fensterbrett und hängen die Regensachen in den Flur. Wo wir nun schon einmal Luxus spielen, ordern wir dann im Haupthaus auch gleich noch Waffeln und Kaffee und lassen es uns im Wohnzimmer gut gehen.

Waffeln und Kaffee - und das im Trockenen und Warmen!
Waffeln und Kaffee – und das im Trockenen und Warmen!

Um das Glück perfekt zu machen, wechseln wir anschließend noch ein Scheinchen in Münzen, um damit den Dusch-Automaten zu füttern.

Das Sanitär-Gebäude
Das Sanitär-Gebäude

Während Dominik anfängt, bleibe ich noch etwas im „Wohnzimmer“ und komme mit Håkon ins Gespräch. Das gestaltet sich etwas schwierig, denn Håkon ist taub, aber wir kriegen es gut hin und ich komme nicht umhin, ihn für seinen Solotrek zu bewundern. Er hat schon acht Tage in den Knochen und noch zehn Tage vor sich – und schafft dabei täglich fast doppelt so viel wie wir. Querfeldein natürlich, denn echte Norweger brauchen keine Wege. In einem großen Norwegen-Atlas zeigt er mir die Route, die er geht. Ich bin voll des Respekts und komme mir ein bisschen wie ein Weichei vor – aber immerhin ist selbst Håkon heute vom Zelt in die Hütte ausgewichen, um seine Sachen mal trocken zu kriegen.

Dann darf auch ich seit gefühlten drei Wochen mal wieder warmes (!) Wasser genießen. Auf dem Weg zur Dusche stelle ich fest, dass es draußen inzwischen a) nicht mehr regnet und b) die Sonne scheint. Ich bin der festen Überzeugung, dass uns das Wetter gehörig auf den Arm nimmt. Es gibt noch einen netten Plausch mit Johanna aus Schweden und dann fühle ich mich wie neu geboren.

Anschließend heißt es, bis zum Dinner (ja, wir geben uns den vollen Luxus) noch etwas Tagebuch schreiben, um die letzten Tage aufzuarbeiten. In der Zwischenzeit fällt eine ganze Horde Schweden in die Hütte ein. In dem Trockenraum, den wir inzwischen entdeckt haben, finden sich noch letzte freie Zentimeter, in die wir unsere nassen Schuhe quetschen. Ein warmer Raum voller nasser Wanderschuhe, Socken, Zelte, Hosen, Jacken und ähnlichem nimmt einen ganz besonders interessanten Duft an und so verziehen wir uns lieber schnell wieder.

Zum Essen gibt es erst eine Tomatensuppe, dann einen Fleischtopf mit Ebly und frischem Gemüse und als Dessert noch einen Rhabarberkuchen mit Sahne. Auf die 0,5 Liter Dose Bier zum Schnäppchenpreis von zehn Euro verzichten wir dann aber lieber. Nach dem Essen verziehen wir uns langsam in unser Zimmer, wo inzwischen noch ein junger Norweger eingezogen ist. Wir halten noch einen netten Plausch und dann ist Schlafenszeit.

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