Auf dem Piton de la Fournaise

Heute heißt es ganz früh aufstehen, denn wir haben einen Ausflug auf den Piton de la Fournaise vor. Beim Früh(!)stück mit Blick aufs Meer erleben wir heute einen besonderen Anblick, denn es herrscht offenbar gerade Ebbe – die ganzen Korallen liegen frei bis hin zum Riff. Irgendwie ein surrealer Anblick. Anschließend schnappen wir uns unseren Rucksack samt Proviant, verstauen alles in unserem kleinen Mietwagen und machen uns auf den Weg. Zunächst geht es über die Küstenautobahn nach Süden, dann biegen wir ins Inselinnere ab und fahren dem Vulkan entgegen. Auf halbem Weg den Vulkan hinauf halten wir kurz an und machen zu Fuß einen kleinen Abstecher zum Cratère Commerson. Hier bekommen wir einen ersten Einblick in die Tiefen des Vulkans.

Als wir weiterfahren, wird aus der bis hierhin sehr gut asphaltierten und markierten Straße plötzlich eine Sandpiste. Wir haben es hier mit einem noch immer sehr aktiven Vulkan zu tun – der letzte Ausbruch vom Dezember 2010 ist noch nicht allzu lange her. So lohnt es sich vermutlich nicht, die Straße immer wieder neu anzulegen, bevor sie das nächste Mal von Lava zerstört wird. Der Vulkan schert sich eben nicht die Bohne darum, was man ihm auf den Kopf baut.

Anfahrt zum Piton de la Fournaise
Anfahrt zum Piton de la Fournaise

Am Parkplatz angekommen, überlegen wir kurz, entscheiden uns dann aber angesichts der Wolken, die über den Vulkankrater ziehen, die Regensachen doch mitzunehmen. Um es vorweg zu nehmen: die Entscheidung soll sich noch als goldrichtig erweisen. Zunächst beginnen wir den Abstieg vom Parkplatz in eine Art Hochplateau, aus dem sich dann die einzelnen Vulkankegel erheben. Es geht eine recht bequeme Treppe hinab – und dann startet die Wanderung, die von nun an nur noch über Lava führen soll. Als erstes heißt es, die große Hochebene zu überqueren. Dabei kommen wir an dem kleineren Krater Formica Léo vorbei.

Auf dem Weg zum Piton de la Fournaise
Auf dem Weg zum Piton de la Fournaise

Den im Hintergrund sichtbaren Kegel glauben wir, erklimmen zu müssen. Leider zieht es sich, sobald wir den Fuß des Kraters erreicht haben, immer mehr zu und wir verlieren einigermaßen den Überblick. Der Weg ist mit weißen Markierungen auf der Lava zwar auch in den dichten Wolken noch recht einfach zu finden, aber wir werden das Gefühl nicht los, immer weiter nach links abzudriften, statt einfach geradeaus auf den Kegel zu steigen. So zieht sich die Wanderung denn auch wie Kaugummi und wir bekommen erste Zweifel, ob wir vielleicht doch auf einem falschen Pfad gelandet sind. Ein Blick aufs GPS ist in dieser kargen Landschaft nur bedingt hilfreich und die Wanderstrecke ist leider auch nicht in der Karte eingezeichnet. Zu allem Überfluss ist es inzwischen nicht nur wolkig, sondern auch richtig kalt und nass. Wir sind froh über die Regensachen und die mitgenommenen Fleecejacken. Irgendwann treffen wir auf ein entgegenkommendes Paar und fragen in unserem gewohnt gebrochenen Französich, ob denn der Weg noch richtig sei. Sie bejahen unsere Frage und nur wenige Schritte weiter stoßen wir tatsächlich auf einen entsprechenden Wegweiser.

Nach einem letzten Anstieg haben wir es dann geschafft – wir sind dem 2621 Meter hohen Piton de la Fournaise aufs Dach gestiegen.

Der Fournaise in den Wolken
Der Fournaise in den Wolken
Am Krater des Fournaise angekommen
Am Krater des Fournaise angekommen

Jetzt haben wir uns unser mitgenommenes Baguette wirklich verdient – auch wenn das Picknick dank des unfreundlichen Wetters eher kurz und pragmatisch ausfällt. Wir treten den Rückweg an und stellen erfreut fest, dass die ganzen Wolken plötzlich anfangen, sich zu verziehen. Wo wir eben noch durch nichts als weiß und grau gestiefelt sind, tut sich nun eine beeindruckende Lavalandschaft auf. Es ist erstaunlich, welch verschiedene Formen, Farben und Strukturen Lava annehmen kann. Bald entledigen wir uns der Regenjacken – die Fleecejacken bleiben aber an. Wind und Temperaturen lassen nicht daran zweifeln, auf welcher Höhe wir uns befinden.

Kraterlandschaft am Piton de la Fournaise
Kraterlandschaft am Piton de la Fournaise
Kraterlandschaft am Piton de la Fournaise
Kraterlandschaft am Piton de la Fournaise

Letztlich kommen wir wieder auf dem Hochplateau an. Vorbei an den schon bekannten kleineren Kratern wandern wir dem Aufstieg zum Parkplatz wieder entgegen.

Fournaise - Panorama
Fournaise – Panorama

Hier geht es nun den gleichen Weg hinauf, den wir heute Vormittag herabgestiegen sind – nur dass er sich diesmal irgendwie deutlich unbequemer anfühlt. Uns stecken wohl doch schon ein paar Kilometer und einige Höhenmeter in den Knochen…

Fast geschafft
Fast geschafft

Kaum am Parkplatz angekommen, ziehen sich die Wolken wieder zu und es ist so kalt und nass wie bei unserem Aufstieg. Wir sehen uns noch kurz im Informationshäuschen um und fahren dann wieder los. Ich erlebe das erste Mal Sichtweiten, die urplötzlich auf unter 3m absinken, so dass ich vorsichtshalber stehenbleibe, da nicht einmal mehr der Straßenrand zu erkennen ist. Wir kommen aber gut unten an und beginnen nun den Heimweg – diesmal über die andere Seite der Insel. Über Saint-Benoît fahren wir nach Sainte-Suzanne und stellen fest, dass die hiesige Vanille-Schauproduktion bereits geschlossen hat. Quer durch Saint Denis geht es dann weiter und mit Blick auf einen traumhaften Sonnenuntergang wieder zurück ins Hotel.

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