Umzug im Paradies: Überfahrt nach San Cristóbal

Heute ist der Tag, an dem ich also auf die Insel San Cristóbal umziehen werde, wo ich dann einen Monat lang leben und arbeiten werde. Am Morgen räume ich zunächst meine ganzen Sachen zusammen und lasse mir nach dem Frühstück die Rechnung für mein Zimmer, meine Ausflüge und das Ticket für die Überfahrt nach San Cristóbal geben. Mit 140 Doller hält sich das Ganze eigentlich im Rahmen. Ich flitze also mal eben zum Geldautomaten (irgendwelche Steuern sind bei Barzahlung wohl deutlich geringer als bei Kreditkartenzahlung), begleiche meine Rechnung und räume anschließend mein Zimmer. Das Gepäck lasse ich im Hotel unten stehen und mache mich – überraschend in Begleitung von Rick – auf den kurzen Weg zur Charles Darwin Station. Muss man schließlich noch mitnehmen, wenn man schon mal auf Santa Cruz ist. In der Station werden in erster Linie Schildkröten aufgezogen und so kann man diese auch in so ziemlich jedem Lebensabschnitt bewundern. Alle fein säuberlich nummeriert, natürlich farbcodiert nach der Insel, von der sie noch in Ei-Form eingesammelt wurden und wo sie auch wieder ausgesetzt werden, wenn sie die ersten fünf Jahre überstanden haben und für das Leben in der „Wildnis“ gewappnet sind.

Schildkrötenbabies
Schildkrötenbabies

Auch meinen ersten Land-Leguan bekomme ich hier zu sehen, der in herrlichen Gelbtönen leuchtet. Zwar lebt er nur in Gefangenschaft, aber natürlich muss ich trotzdem mit der Kamera draufhalten.

Landleguan in der Darwin Station
Landleguan in der Darwin Station

Nachdem wir uns im Centro de Interpretación noch einiges über Galapagos im Allgemeinen und die Darwin Station im Besonderen angelesen haben, setzen wir uns noch eine Weile an den Hafen und sehen dem bunten Treiben und den faulen Lobos zu.

Mittagsruhe
Mittagsruhe

Und dann ist es auch schon Zeit, noch schnell etwas zu essen, bevor mein Boot nach San Cristóbal ablegt. Das Wort Boot ist an dieser Stelle tatsächlich angebracht, denn mehr als 26 Leute passen nicht drauf (und das schon nur sehr kuschelig). Dafür handelt es sich um ein Speedboot, was die Strecke bis San Cristóbal in zwei Stunden zurücklegen wird. Ich wäge ab, ob ich mich auf dem Boot nach innen oder nach außen setzen soll und beschließe, dass ein leichter Sonnenbrand (es ist voll bedeckt und ich habe LSF 30 drauf) immer noch besser ist, als ins Boot zu reihern. So lasse ich mir also den Wind um die Nase pusten und genieße die Tour tatsächlich, auch wenn das Boot anständig über die Wellen hüpft und später auch leicht anfängt zu schlingern. Aber zugedröhnt mit Tabletten und mit dem Wind um die Nase ist das eigentlich sehr gut auszuhalten. Dummerweise kommt später natürlich doch noch die Sonne raus und ich merke regelrecht, wie ich brate. Nun gut. Irgendwann unterwegs mache ich die Bekanntschaft mit meinem Sitznachbarn, der sich mir als Trozki (kein Scherz!) aus Quito vorstellt und derzeit an den Umbauten am Flughafen Baltra zu tun hat, weil er Architekt ist.

Angekommen in San Cristóbal (niemand spricht hier von den Orten, sondern es wird immer nur die Insel genannt – sehr viel mehr als einen Ort gibt es dort eben jeweils auch nicht), werde ich von Daniela von ProjectsAbroad in Empfang genommen und zunächst zu meiner Gastfamile gebracht. Diese besteht aus Carlos (dem Vater), Ruth (der Mutter) und Angelica (der 15jährigen Nichte). Es gibt auch noch eine Tochter, jedoch studiert diese in Quito. Die Leute machen einen sehr netten Eindruck und es ist gut, dass ich halbwegs spanisch spreche, denn mit Englisch käme ich hier nicht weit. Die Familie wohnt derzeit noch im Haus der Eltern (?) und hat dort zwei sehr kleine Schlafzimmer. In zwei Wochen oder so wolle man aber umziehen in ein Haus, das man gerade neu gebaut hätte. Man stellt mich vor die Wahl, im Doppelstockbett mit Angelica zu schlafen (auf dem Weg zur Toilette müsste ich durch das Elternschlafzimmer) oder derzeit noch alleine im neuen Haus im eigenen Zimmer zu schlafen und zum Essen etc. runter in das alte Haus zu kommen. Sie zeigen mir das neue Haus, das zwar ein Stück weit weg und den Berg hoch ist, aber da hier jede innerstädtische Taxifahrt nur einen Dollar kostet, ist das auch grad egal. Ich entscheide mich also recht schnell fürs Schlafen im neuen Haus. Ich hoffe, der Familie nicht zu nahe zu treten, aber immerhin kam das Angebot von ihnen und so ein ganz klein wenig Privatsphäre ist dann doch ganz nett.

Zum Abendessen gehen wir in ein Restaurant am Malecón… ich nenne es mal die Hafenpromenade oder den Ort, an dem das Leben hier spielt. Danach schlendern wir noch etwas den Malecón entlang (es ist erstaunlicherweise recht kühl inzwischen) und dann bringen sie mich in mein „Schlafhaus“. Dort bin ich mittlerweile so platt, dass ich nur noch tot ins Bett falle.

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