Sa, 25.10.2003

Planmäßig sehr früh (6:00 Uhr) aufgestanden und am Zug nach Paranaguá angestellt. Am Bahnhof Frühstück geholt und beim Anstehen vertilgt. An der Kasse dann herausbekommen, dass der Zug – angeblich wegen Bauarbeiten – nur bis Morretes fährt. Von dort aus mit dem Bus weiter. Na mal sehen. Während der Fahrt beeindruckende Landschaft. Der Zug ist ein reiner Touristenzug und fährt eine landschaftlich äußerst reizvolle Strecke durch den atlantischen Regenwald im Gebirge. Dabei überquert er etliche Brücken und durchfährt unzählige Tunnel.
In Morretes mussten wir uns erstmal zum Rodoviária durchfragen – von Hinweisschildern hält man dort offenbar nicht allzu viel. Natürlich ist der Busfahrplan auch keineswegs auf den Zugfahrplan abgestimmt und so hatten wir erstmal fast zwei Stunden Zeit für ein ausgiebiges Mittagessen. Am Busbahnhof habe ich mich mal wieder fast dafür geschämt, Deutsche zu sein. Meine Güte, gibt es überhebliche deutsche Touristen!! Es gibt doch tatsächlich Leute, die sich solariumgebräunt und mit frischer Fönfrisur hinstellen und für die Survival-Künstler schlechthin halten. Und wenn der Bus nicht gleich fährt, überlegen sie lieber, sich ein Taxi für eine 70 km Fahrt zu nehmen. Sie haben’s ja schließlich. Furchtbar!
Der Bus von Morretes nach Paranaguá war dann auch mächtig überfüllt – zu meinem großen Schrecken mit fast mehr (lautstarken) Deutschen als Brasilianern. Aber nach 50 Minuten Fahrt kamen wir in Paranaguá an und haben dort auch gleich den Hafen gefunden, von wo aus es Boote für die Überfahrt auf die Ilha do Mel gab. Ein solches brachte uns dann auch nach etwa anderthalb Stunden Fahrt wohlbehalten dort ans Ufer. Da wurden wir sogleich von den Besitzern der dortigen Unterkünfte abgefangen. Ein älterer Herr gab sich besondere Mühe, uns seine Pousada ans Herz zu legen. Nach einigem Überlegen und einer Umstrukturierung unseres Ausflugsprogramms erwies sich sein Angebot als gar nicht so schlecht und wir gingen drauf ein.
An diesem Tag machten wir noch einen kleinen Spaziergang zum nahen Leuchtturm und am Abend saßen wir in einer wirklich lustigen Runde mit einem Schweizer und einem Engländer zusammen. Und schon kam mir wieder die Erkenntnis, dass mein Englisch wohl ziemlich unter dem Portugiesisch-Lernen gelitten hat. Irgendwie fing der Friese an, meine englischen Sätze ins Englische zu übersetzen… Bin wohl mitten im Satz – ohne es zu merken – ins Portugiesische abgedriftet. Hmpf. Sehr deprimierend. Anschließend sind wir zum Forró gegangen. Ein netter Einheimischer hatte es sich zur Aufgabe gemacht, den Jungs Forró beizubringen. Gut, dass er es bei René geschafft hat, sonst wäre er an diesem Abend wohl verzweifelt *g*. Der Friese gab es irgendwann auf und widmete sich verzweifelt dem Bierkonsum. Der Kai beschloss irgendwann, lieber nach Hause zu flüchten, nachdem die brasilianischen Damen scheinbar sehr von ihm angetan waren, aber dank des Alkoholpegels alles andere als liebevoll über ihn herfielen. Eine Weile später brachten wir den bedenklich schwankenden Friesen auch nach Hause und ein richtig toller Tag ging zu Ende.

Der Tag aus Renés Sicht:

Wir sind früh (6:00 Uhr) aufgestanden, und haben den Zug nach Paranaguá genommen. Dieser Zug ist einer von zwei Personenzügen in ganz Brasilien. Die Landschaft auf der Fahrt war ziemlich beeindruckend. Leider fuhr der Zug nicht bis Paranaguá, sondern nur bis Morretes. Den Rest der Strecke mussten wir mit dem einem normalen Bus zurücklegen (ca. 50min). In Paranaguá angekommen, setzen wir sogleich auf die Ilha do Mel über. Nach ca. 20min waren wir schließlich in Nova Brasilia angekommen. Nach dem Austeigen wurden wir von einem alten Mann angesprochen, ob wir nicht in seine Pousada kommen wollen. Nach einigen hin und her entschieden wir uns schließlich, darauf einzugehen – eine Entscheidung, die wir nicht bereuen sollten. Da es noch nicht dunkel war, haben wir noch einen kleinen Spaziergang (Brasilianer würden dazu wahrscheinlich Wanderung sagen :-)) zu einem Leuchtturm (Farol das Conchas) gemacht, der sich in der Nähe befand.