Der Dreiklang aus Blende, Zeit und ISO

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Wir halten also fest: für die Belichtung eines Bildes spielen alle drei Parameter zusammen. Sobald die Automatik der Kamera also mit ihrer 18% Grauwert Grundregel danebenliegt oder ich die Belichtung aus anderen Gründen ändern möchte, ist es an der Zeit, mindestens einen der Parameter zu verändern. Welchen ich verändere, kommt dabei immer auf das Bild an. In diesem Kapitel soll das an ein paar praktischen Beispielen verdeutlicht werden.

Sonnenuntergang am Meer

Wenn ich nicht gerade genau in die Sonne fokussiere, möchte die Automatik recht wahrscheinlich etwas zu hell belichten, um auf die 18% Grauwert zu kommen. Da das die schöne Stimmung zerstört, muss ich etwas „unterbelichten“. Meine ISO ist natürlich bereits so niedrig wie möglich, um das Bildrauschen zu minimieren, also bleiben mir Blende und Zeit als Parameter.

Um die einfallende Lichtmenge zu reduzieren und damit also unterzubelichten, könnte ich abblenden (also die Blende vergrößern). Das hätte allerdings direkten Einfluss auf die Schärfentiefe. Möchte ich mein Motiv nicht durchgängig scharf abbilden, fällt diese Option aus. Ansonsten ist sie eine prima Möglichkeit. Gerade bei Sonnenuntergängen finden wir häufig Situationen, in denen das Bild sowieso von vorn bis hinten scharf sein soll oder wo sich das Geschehen eh am Horizont abspielt.

Genauso gut könnte ich auch die Belichtungszeit reduzieren. Hieraus würde sich wahrscheinlich eine Auswirkung auf das Motiv, z.B. Meereswellen im Bild ergeben, die in ihrer Bewegung eher eingefroren würden als zu verwischen. Welche Option die Bessere ist, muss also anhand des konkreten Motivs entschieden werden.

Sonnenuntergang
Sonnenuntergang

Skihang ohne Sonne

Hier haben wir es mit einem Bild zu tun, das von der Automatik typischerweise unterbelichtet wird, weil der viele Schnee natürlich heller ist, als 18% Grauwert – nämlich hoffentlich annähernd weiß. Wenn dann auch noch der Himmel eher bewölkt ist und der Schnee die Kamera mit seinem hellen Gleißen nicht an ihre Belichtungsgrenzen bringt, dann wird er schnell zu einem 18%-Grau. Damit er auf dem Bild trotzdem schön weiß aussieht, muss ich also etwas „überbelichten“.

Dazu kann ich entweder länger belichten oder die Blende weiter öffnen. (Nehmen wir an, dass ich die ISO im Interesse meiner Bildqualität nicht erhöhen möchte.) Allerdings kann eine längere Belichtungszeit auf dem Skihang dazu führen, dass die sich bewegenden Skifahrer im Bild verwischen.

Somit bleibt noch das Öffnen der Blende. Das sollte hier wunderbar funktionieren (sofern es mein Objektiv hergibt), weil die meisten Punkte meines Motivs ohnehin eher weit weg sind von mir und sich kein expliziter Vordergrund ergibt, den ich mit einer offeneren Blende ungewollt freistellen würde. Da die meisten Punkte des Bildes relativ zu mir auch etwa gleich weit weg sind (nämlich ziemlich weit), werden sie auch bei Offenblende sehr wahrscheinlich noch alle scharf abgebildet.

Achtung: wenn nicht der Skihang selbst das Hauptmotiv ist, sondern du z.B. ein Portrait deiner Freunde vor einem Skihang machst, gelten nicht mehr unbedingt die Regeln zum Belichten des Schnees, da du ja vor allem deine Freunde korrekt belichtet haben willst.

Wasserfall im Wald

Ich stehe mitten in einem Wald und möchte einen Wasserfall fotografieren. Es ist wegen des dichten Blätterdachs ziemlich dunkel, aber trotzdem möchte ich die Wassertropfen in ihrer Bewegung möglichst einfrieren. Das heißt, ich kann schon mal nicht die Belichtungszeit erhöhen – mein Wasserfall würde sofort anfangen, zu „fließen“. Die Blende weiter zu öffnen wird ziemlich schnell an die Grenzen meines Objektivs stoßen, denn das gibt eben nur eine maximale Blendenöffnung her.

Das ist der Punkt, an dem ich nun zwangsläufig die ISO hochdrehen muss. Hier muss ich nun entscheiden, wie weit ich mit der ISO an meiner Kamera gehen kann, um ein noch akzeptables Bildrauschen zu bekommen. Im Beispielfoto war ein Kompromiss nötig: die Wassertropfen sind an den meisten Stellen nicht mehr in der Bewegung eingefroren, aber eine höhere ISO hätte zu einem unerträglichen Rauschen an der benutzten Kompaktkamera geführt.

Die Korrelation zwischen den Parametern

Hier haben wir es mit einfacher Mathematik zu tun: das Öffnen der Blende um eine Stufe (guckst du auf die Blendenreihe) verdoppelt die einfallende Lichtmenge. Das Verdoppeln der Belichtungszeit verdoppelt logischerweise auch die einfallende Lichtmenge. Das Erhöhen der ISO um eine Stufe verdoppelt ebenfalls die einfallende Lichtmenge.

Nehmen wir noch einmal die Steintürmchen aus dem Kapitel zur Blende her. Beide Bilder sind gleich hell belichtet. Da beide mit einer unterschiedlichen Blende aufgenommen wurden, muss zwangsläufig mindestens einer der anderen beiden Parameter ISO und Zeit ebenfalls verändert worden sein. Da die ISO bei mir immer so niedrig wie möglich bleibt, habe ich hier also die Belichtungszeit verändert.

Blende: f/7.1 (mittlere Blende und Öffnung) Die hinteren Steine und das Wasser sind relativ unscharf abgebildet.Belichtungszeit: 1/800
Blende: f/7.1
(mittlere Blende und Öffnung)
Die hinteren Steine und das Wasser sind relativ unscharf abgebildet Belichtungszeit: 1/800
Blende: f/14 (große Blende, kleine Öffnung) Die hinteren Steine und das Wasser sind relativ scharf abgebildet. Belichtungszeit: 1/200
Blende: f/14
(große Blende, kleine Öffnung)
Die hinteren Steine und das Wasser sind relativ scharf abgebildet Belichtungszeit: 1/200

Die Veränderung der Blende von f/14 auf f/7.1 bedeutet ein Aufblenden um zwei volle Blendenstufen. Da das Öffnen um eine Blendenstufe eine Verdopplung der Lichtmenge bedeutet, habe ich hier mal eben eine Vervierfachung der einfallenden Lichtmenge erreicht. Mein Bild würde gnadenlos überbelichtet werden.

 

Um das zu kompensieren, musste ich also die Belichtungszeit um den gleichen Faktor, nämlich vier, reduzieren. In diesem Fall von 1/200 im linken Bild auf 1/800 im rechten Bild.

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