Akklimatisierungstag in Manang – und eine schwere Entscheidung

Ich werde morgens wach und habe keine Stimme mehr. Die Nase läuft, ich hab Fieber und ich huste mir die Lunge aus dem Leib. Nie im Leben gehe ich heute irgendeinen Berg rauf. Oder morgen. Die Erkenntnis ist bitter, aber klar wie Kloßbrühe. 🙁

Draußen herrscht eine nicht näher bekannte Anzahl an Minusgraden. Die Luft ist unsäglich trocken und der rauchende Ofen in der Dinnerhall macht es nur bedingt besser. Zumindest habe ich keine wirklichen Kopfschmerzen mehr. Während sich die anderen nach dem Frühstück also zur Akklimatisierungstour aufmachen – es soll den Berg hinauf zum 100 Rupien Mönch gehen – lasse ich mich von der Lodge-Inhaberin zum Arzt bringen. Der hat eine gute und eine schlechte Nachricht. Die gute: ich habe keine Lungenentzündung und auch kein Problem mit der Höhe – meine Sauerstoffwerte sind top. Die schlechte: ich hab ne Bronchitis und werde die nächsten paar Tage außer Gefecht sein. Das war es also mit der Passquerung. Wir passen noch meinen Medikamentencocktail an und dann gibt es nur noch den Papierkram und das Finanzielle zu regeln.

Zurück in der Dinnerhall  (dort sind immerhin ein paar Plusgrade) sitze ich mit einem großen Pott Tee, lausche dem Om mani padme hum auf Endlosschleife aus der Stereoanlage und sinniere darüber nach, wie beschissen das Leben manchmal spielen kann – und wie es jetzt am besten weitergeht. Das sinnvollste wäre, morgen in wärmere Gefilde zu fahren, um meiner Bronchitis einigermaßen Chance auf Genesung zu geben. Ein paar Gespräche später ist zumindest klar, dass man dafür einen Jeep samt Fahrer bis nach Besisahar mieten kann. Für nicht ganz unerhebliches Geld, versteht sich, aber wir sprechen eben auch von einer ganztägigen Tour – 90 km über Stock und Stein. Denn auch wenn sie das Straße nennen, hat es damit nichts zu tun. Und die knapp 4 Stunden Fahrzeit die Google Maps dafür veranschlagt, kann man getrost vergessen. Ich lege mich erst mal wieder schlafen. Im Schlafsack ist es immer noch am wärmsten – wenn man von der kalten Luft absieht, die man atmet. Außerdem bin ich platt.

Mittags kommen die anderen vom 100 Rupien Mönch zurück und wir diskutieren die Lage, während ich mir eine Nudelsuppe reinquäle. Wir vereinbaren, dass Dipak sich mal nach Jeep-Möglichkeiten erkundigt und ich gebe ihm noch den Hinweis, dass ein Holländisches Pärchen ebenfalls überlegt, morgen nach Besisahar zu fahren. Danach gehe ich erst mal wieder schlafen.

Später am Nachmittag gehen wir noch etwas durch Manang spazieren – ich möchte wenigstens noch etwas vom Ort gesehen haben. Nach etwa 300m bin ich allerdings so platt und huste mir die Seele aus dem Leib, dass außer einem Kaffee in einer der Lodges nichts mehr geht.

Als wir uns zum Abendessen einfinden, versucht Dipak noch einmal Alternativen anzubieten (noch ein oder zwei Tage warten und notfalls auf der anderen Seite des Passes ein Stück mit dem Bus fahren). Aber ich fühle mich weder in der Lage, nach zwei weiteren Tagen noch 1.500m höher zu steigen, noch möchte ich unsere Mitwanderer um die Tour bringen. Und ehrlich gesagt möchte man auch keine weiteren Tage in der Kälte von Manang verbringen müssen. Hier wird niemand schnell gesund. Also wird schweren Herzens der Entschluss gefasst, morgen früh den Jeep zu nehmen und von Besisahar aus am nächsten Tag weiter nach Pokhara zu fahren. Dort ist es zumindest warm. Dipak gibt uns unseren Träger Renji mit – der soll sich unterwegs um alles nötige kümmern. Schnell vergewissere ich mich noch, dass das auch keinen Nachteil für ihn bedeutet, aber Dipak versichert, dass das kein Problem für Renji bringt – er ist bereits für die gesamte Strecke bezahlt.

Nach dem Abendessen (ich versuche mich an einer weiteren Nudelsuppe und bestelle direkt noch eine fürs Frühstück) gibt es noch einen Diavortrag des Lodge-Besitzers, einem lokalen Naturfotografen. Beeindruckende Fotos des seltenen und vom Aussterben bedrohten Schneeleoparden.

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