Etappe 3: von Dharapani nach Chame

Die Nacht war bitterkalt und die Fenster in unserem Zimmer fast dicht – und so haben wir nicht nur uns tief in die warmen Schlafsäcke verpackt, sondern auch das Handy (damit der Akku nicht leersaugt) und die Kontaktlinsen (damit sie nicht einfrieren). Kleines Problem: dank Handy im Schlafsack-Fußraum hätten wir fast den Wecker überhört… Aber es ging alles gut und so saßen wir wieder pünktlich und abmarschbereit um sieben am Frühstückstisch. Einen dicken Apfelpfannkuchen später starten wir in Richtung Chame (sprich: Tschameh). Bis dorthin haben wir netto etwa 800 Hm vor uns – laut Dipak immerhin ohne zusätzlich auch noch viel auf und ab zu steigen.

Es geht recht gemächlich los und so lassen wir in der kühlen Morgenluft heute mal alles an Klamotten an. Für eine Idee des Ganzen: kurzes Unterhemd, langes Wanderhemd, Fleece, dünne Jacke. Ist also noch Luft nach oben. 😉 An einem kleinen Häuschen unterwegs kaufen wir ein paar Mandarinen. Für unseren Vitaminhaushalt und für den guten Zweck: für die Ausbildung seiner Kinder, hatte der Verkäufer nämlich auf ein Schild geschrieben. Nach kurzer Zeit erhaschen wir dann bereits den ersten Blick auf den Mount Manaslu (8.172m) und kurze Zeit später auch auf die Annapurna II (7.937m). Beide Berge sollen uns heute den ganzen Tag begleiten.

Blick auf Mt. Manaslu
Blick auf Mt. Manaslu

In einem Dorf betreten wir ein winziges Häuschen, in dem nichts anderes ist als eine riesige Gebetsmühle. Für das Glück auf dem weiteren Wanderweg absolvieren wir unsere drei Runden im Uhrzeigersinn – gar nicht so leicht, das riesige Ding zu bewegen.

Riesen-Gebetsmühle
Riesen-Gebetsmühle
Noch mehr Gebetsmühlen
Noch mehr Gebetsmühlen

Mit all dem guten Karma im Gepäck müssen wir jetzt allerdings erst einmal einen knackigen Anstieg hinter uns bringen. Wir steigen über scheußliche Stufen gute 200 Hm gefühlt senkrecht hinauf. Zeit, die Trekkingstöcke rauszuholen! Unterwegs lassen wir zwei entgegenkommende Herden Wasserbüffel passieren (gute Gelegenheit, durchzuschnaufen!). Ach ja, und wir laufen über zugefrorene Pfützen…

Endlos bergauf
Endlos bergauf
Langsam spitzen die Berge hervor
Langsam spitzen die Berge hervor

Endlich oben angekommen, steht dort ein kleines Dorf mit einigen Restaurants wunderbar in der Sonne. Aber Dipak ist unerbittlich: unsere Teepause wartet erst in 15 min auf uns – nach dem nächsten ordentlichen Anstieg, versteht sich. Er verspricht allerdings auch von dort eine tolle Aussicht. Sogar noch besser… Und er soll Recht behalten. Wir kehren in ein Restaurant ein mit Rooftop Terrasse (witzig, bei maximal zweistöckigen Häusern) und sitzen bei gigantischer Aussicht in der Sonne.

Teepause mit Aussicht
Teepause mit Aussicht

Es gibt ein Glas Tee und eine Coke für jeden (was Warmes und ordentlich Zucker) und wir lassen den lieben Gott (egal welcher Religion) eine Zeitlang einen guten Mann sein.

Ufo-Wölkchen
Ufo-Wölkchen

Viel zu früh müssen wir schon wieder aufbrechen und natürlich geht es wieder bergauf.

Hinterher!
Hinterher!

Aber es lockt die Mittagspause in nur 40 Minuten. Unterwegs bekommen wir noch einen kleinen Sprachkurs in Nepali. Und nach einem weiteren Anstieg und einem kleinen Shoppingerlebnis am Wegesrand gibt es gebratene Nudeln mit Gemüse. Wer es sich fragen sollte… Um Fleisch machen wir mangels ordentlicher Kühlmöglichkeiten bewusst einen Bogen. Man muss es ja nicht herausfordern. Wir entscheiden uns, draußen in der Sonne zu essen, wo es sich mit Jacke perfekt aushalten lässt. Zumindest, bis kurz vor Ende des Mittagessens die Sonne hinter dem nächsten Berg verschwindet – im Schatten ist es urplötzlich so bitterkalt, dass auch das schnell noch druntergezogene Fleece nicht mehr wirklich hilft. Also flink aufgegessen und losmarschiert. Wir haben nur noch knappe zwei Stunden vor uns und laut Dipak ist das ärgste in Sachen Anstieg geschafft. Na ja… Ist natürlich alles relativ, aber tatsächlich sind wir erstaunlich schnell in Chame.

Kurz vorm Ziel
Kurz vorm Ziel
Vor unserer Lodge in Chame
Vor unserer Lodge in Chame

Dort beziehen wir die Shangri-la Lodge und staunen nicht schlecht. Unser Zimmer hat nicht nur Aussicht auf den Mount Manaslu, sondern vor allem auch ein eigenes Klo. So richtig mit Schüssel und Spülung. Whoa!

Luxus-Zimmer mit angeschlossenem Bad...
Luxus-Zimmer mit angeschlossenem Bad…
...und Ausblick auf den Manaslu
…und Ausblick auf den Manaslu

Außerdem gibt es eine Solar- (gratis) und eine Gasdusche (100 NPR), also garantiert heißes Wasser. Wir versuchen es mit der Solardusche und siehe da – echt heißes Wasser, obwohl das Dorf bereits eine Weile im Schatten liegt.

Nach der Dusche suchen wir den Lodge-eigenen Laden auf, in dem wir bereits bei Ankunft großartige Socken gesehen haben. So frieren wie gestern wollen wir nicht noch einmal und so erstehen wir zwei Paar aus Yak- und Schafwolle gestrickte und innen mit Fleece ausgekleidete Socken mit wunderbaren Mustern. Direkt angezogen und damit in die Dinnerhall marschiert. Dort ist es… nun ja… frisch wie erwartet. Es hat knappe 10°C – aber die Socken halten warm! Als nächstes erstehen wir für schlappe 200 NPR noch das WLAN Passwort und dann sind wir gerüstet, uns bei Ingwertee die Zeit bis zum Essen zu vertreiben. Zwischendurch müssen wir immer mal wieder einen Blick auf den Manaslu werfen – inkl. Sonnenuntergang.

Manaslu im Sonnenuntergang
Manaslu im Sonnenuntergang

In der Dinnerhall lassen wir uns von einem südafrikanischen Pärchen schon mal ein paar Tipps für einen potenziellen nächsten Urlaub geben – sie erzählen von ihrer heimischen Tierwelt und was man unbedingt gesehen und erlebt haben muss.

Zum Essen gibt es ein leckeres Gemüsecurry. Und das beste: in der Dinnerhall wird der Ofen angemacht! Das treibt die Raumtemperatur allmählich immerhin auf lauschige 13°C… Sogar dann noch, als der Strom im Dorf wegbricht und wir fortan im Dunkeln mit Notbeleuchtung sitzen. Hihi… Das WLAN ist natürlich auch futsch. 😉

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