Die sieben Rila-Seen: wenn ein Plan fast aufgeht

Heute stehen wir einigermaßen zeitig auf und schmeißen uns in die Trekking-Klamotten, denn heute wollen wir die sieben Seen im Rila-Gebirge erwandern. Nach einem gemütlichen Frühstück fahren wir los – das Navi sagt, wir brauchen knapp zwei Stunden. Kein Problem, denn wir wissen ja, dass es kurz hinter Panichishte einen Sessellift gibt, von dem wir uns gemütlich auf den Berg bringen lassen wollen. Oben können wir dann entspannt die sieben Seen erwandern und uns anschließend vom Sessellift wieder hinunter schaukeln lassen. So zumindest unser Plan.

Die Fahrt zieht sich letztlich etwas länger als gedacht, weil die letzten Kilometer erst von einer Baustelle in Panichishte und dann von Serpentinen ins Gebirge hinauf geprägt sind. Irgendwann stehen wir an einer Weggabelung – aber zum Glück gibt es ja ausreichend Wegweiser:

Alles klar - rechts lang geht's zum Lift
Alles klar – rechts lang geht’s zum Lift

Wir folgen also der Straße weiter bis ans Ende – und landen auf dem Parkplatz direkt neben dem Sessellift. Der Lift steht komischerweise still, aber da es sehr ruhig ist auf dem Parkplatz und auch sonst, sparen sie vielleicht einfach Strom. Immerhin sind aus der Lift-Anlage Stimmen zu hören. Wir packen also unsere Sachen zusammen und gehen dort rüber. Dummerweise ist die Antwort des Lift-Kollegen auf unsere Frage, ob der Lift fahren würde, ein ziemlich unmissverständliches nein. Es ist noch Nebensaison und da fährt der Lift nur Freitags bis Sonntags. Dumm, dass heute Montag ist. Wir fragen, wie lange die Wanderung nach oben dauert und erfahren, dass man so anderthalb Stunden bis zur Bergstation und dann noch so zweieinhalb Stunden für alle Seen einplanen müsse. Die Uhr zeit 13:00 Uhr an. Wir kriegen weiterhin den Hinweis, dass wir uns auch mit einem SUV hochfahren lassen könnten. Aber das verbietet dann irgendwie unser Stolz. Können wir uns ja notfalls für den Rückweg aufheben, falls es zu spät wird. Wir stiefeln also erst einmal los.

 

Wetteraussicht für oben
Wetteraussicht für oben
Finde den Fehler!
Finde den Fehler!

Der Anstieg entpuppt sich als einigermaßen anstrengend, windet er sich doch im Zickzack unter dem Lift entlang den Berg hinauf. Außerdem ist hier unten von den kühlen Temperaturen oben am Berg noch nichts zu spüren. Aber einige Pausen später haben wir bereits die Waldgrenze erreicht und von dort aus können wir auch schon die Schneebedeckten Berggipfel sehen. Nun ist es nicht mehr weit und wir sind oben angekommen. Also… jedenfalls an der Bergstation des Sessellifts.

Geschafft, wir sind an der Bergstation
Geschafft, wir sind an der Bergstation
Der Frühling übernimmt...
Der Frühling übernimmt…

Hier hat der Winter die Gegend noch ziemlich im Griff und die Berge sind noch von dicken Schneefeldern bedeckt. Auch geht hier oben ein recht strammer Wind und die Temperaturen sind deutlich runter gegangen. Aber der Frühling hält unverkennbar Einzug und die ganze Gegend ist von massenhaft lila Krokussen übersäht. Einfach schön.

Wir kehren kurzerhand in die Hütte ein und bekommen es mit Hilfe einer einheimischen Wanderin hin, uns zwei Kaffee und zwei Stück Schoko-Creme-Tortendings (irgendwas zwischen Pudding und Tiramisu) zu bestellen. Dwa kafe i dwa torta. Ist abgespeichert für die nächste Gelegenheit. Beides ist geschmacklich wirklich kein Highlight und so sind wir recht schnell wieder draußen. Wir verschaffen uns an der Infotafel einen schnellen Überblick und dann heißt es auch schon wieder, das nächste Stück Berg zu erklimmen. Falls wir dachten, dass der Anstieg bisher anstrengend war, sollten wir hier eines besseren belehrt werden. Beim nächsten Aufstieg werden glatt Erinnerungen an Patagonien in mir wach, als wir den Aufstieg zur Laguna de los Tres am Fitz Roy gemacht haben.

Erinnerungen an Patagonien
Erinnerungen an Patagonien
Da müssen wir auch noch hoch
Da müssen wir auch noch hoch
Schneemann bau'n und Schneeballschlacht...
Schneemann bau’n und Schneeballschlacht…

Da ist es sehr nützlich, wenn man unterwegs die eine oder andere Ablenkung und viele Gründe für Pausen findet – wie zum Beispiel die Schneefelder am Wegrand, auf denen man auch jetzt im Juni noch prima Schneemänner bauen kann. Bald haben wir dann jedoch schon den Ausblick auf die ersten der sieben Rila-Seen.

Die ersten Rila-Seen
Die ersten Rila-Seen

Wir stiefeln noch den letzten Anstieg hinauf und stehen dann auf einer Art Hochebene. Auch die Sonne kommt ab und zu durch die Wolken durch und wärmt ganz ordentlich. Leider wärmt sie auch die Schneefelder ganz gut an und so ziehen sich über die ganze Wiese immer wieder größere oder kleinere Schmelzwasserbäche. Wir machen Rast auf einem kleinen Felsbrocken und dann wandern wir über einen kleinen Hang zum nächsten der sieben Seen.

Noch fast zugefroren
Noch fast zugefroren
Winterlich
Winterlich
Eisschollen
Eisschollen

Das Panorama ist einfach gigantisch. Wir bewundern eine bulgarische Familie, die sich mit zwei kleinen, etwa siebenjährigen Kindern hier hochgekämpft hat. Die beiden Kleinen stiefeln ganz tapfer hier oben lang. Wir gehen am Seeufer entlang (bzw. durch abwechselnd die Schneefelder, die Schmelzwasserbäche und die Wiese am Seeufer) und Richtung der nächsten Seen. Am Ende des Sees wird deutlich, dass die nächsten beiden Seen noch mal ein gutes Stück weiter oben liegen. Der Weg dorthin ist relativ steil und noch vollständig von Schnee bedeckt.

Da ginge es weiter
Da ginge es weiter

Das ist uns dann mangels Ausrüstung und Zeit doch eine Nummer zu hart und wir beschließen, den Rückweg anzutreten. Da wir nicht den gleichen Weg zurück nehmen wollen, den wir auf dem Hinweg gegangen sind, und außerdem ja noch an den anderen Seen vorbei wollen, bleibt uns nichts anderes übrig, als zumindest das eine oder andere Schneefeld zu queren. Aber die Aussicht auf die Seen und die Berge ist einfach zu verlockend.

Da lang geht's weiter
Da lang geht’s weiter
Traumhaft schön
Traumhaft schön

Auf dem restlichen Weg zurück zur Hütte werden nicht nur die zu querenden Schneefelder immer zahlreicher, sondern auch die Schmelzwasserbäche immer mehr und immer größer. Die Sonneneinstrahlung über den Tag macht sich klar bemerkbar und so hüpfen wir immer häufiger über Steine durch das Wasser und stapfen durch den Schnee.

Da hindurch
Da hindurch
Jepp, da geht der Weg durch
Jepp, da geht der Weg durch
Zum Glück gibt's das Mäuerchen
Zum Glück gibt’s das Mäuerchen
Auf dem Rückweg
Auf dem Rückweg

Noch eine letzte Rast in Sonne und Windschatten und dann sind wir wieder zurück an der Bergstation des Sessellifts. Es ist bereits 18:00 Uhr durch und so steht auch kein SUV mehr hier oben herum. Also beginnen wir den Abstieg zu Fuß. Auch hier haben sich über den Tag Bäche gebildet, die auf dem Hinweg noch nicht da waren. Irgendwann ist es aber geschafft und wir stehen wieder am Parkplatz. Und prompt ist auch die Hitze zurück. Jetzt geht noch zurück nach Sofia und dort in eine Pizzeria auf der Fußgängerzone – unweit vom Hotel, versteht sich, denn ich mache heute keinen Schritt mehr weiter 😉

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