12. Etappe: Femundtunet – Canoe Camp Sorken

Halleluja, wir wachen ohne Regen auf! Und auch wenn es kaum zu glauben ist: der See liegt spiegelglatt vor uns und darüber lugt sogar die Sonne durch ein kleines Wolkenloch! War irgendwie auch klar, dass die Sonne endlich wieder rauskommt, wenn wir auf der letzten Etappe sind und nur noch wenige Kilometer vor uns haben, bis wir die Kanus wieder im Femund Canoe Camp Sorken abgeben müssen. Wir stehen vor dem Zelt, kochen unseren Kaffee und genießen einfach eine Weile diesen Blick. Der Femund breitet sich friedlich vor uns aus und die Wolken sind in ständiger Bewegung. Dass sie dabei immer mehr aufreißen und immer mehr Sonne durchlassen, macht unser Glück perfekt. Glauben wir jetzt jedenfalls noch…

So hätte es jeden Morgen sein dürfen
So hätte es jeden Morgen sein dürfen

Als wir mit Frühstück, Morgentoilette und dem gröbsten Packen fertig sind, hat sich das Bild leider schon etwas gewandelt. Der eben noch so herrlich glatte Femund schlägt selbst hier in unserer Bucht schon wieder kleine, aber beständige Wellen. Na großartig. Also machen wir uns erst einmal daran, unser vom nächtlichen Regen immer noch nasses Zelt einigermaßen zu trocknen und dann abzubauen.

 

Zelt nass, Femund auch.
Zelt nass, Femund auch.

Anschließend noch schnell alles ins Kanu verfrachten und die losen Sachen festbinden. Dann sind wir startklar – und freuen uns, dass wir zwar Wellen vor uns haben, aber zumindest jetzt auch die Sonne dabei!

Kann losgehen!
Kann losgehen!

Zunächst paddeln wir auch ganz gemütlich los. Zwar schwappt die eine oder andere Welle immer mal lustig an unser Kanu, aber im Großen und Ganzen ist alles ok – da haben wir echt schon schlimmeres erlebt. Außerdem scheint die Sonne!

Tja… bis wir unsere etwas geschützte Bucht verlassen und aus dem Windschatten einer kleinen Landzunge kommen. Jetzt ist der Femund der Meinung, er müsste uns auf unserer letzten Etappe noch einmal zeigen, was er kann. Der Wind nimmt schlagartig zu und die Wellen steigen mal wieder auf einen halben Meter an. Mehr als einmal werde ich vorne im Kanu patschnass, weil sich eine Welle am Kanu bricht und einfach vorne reinschwappt. Dooferweise kommt der Wind heute auch noch leicht schräg von vorne, so dass wir von nun an permanent dagegen ankämpfen, zu weit vom Ufer weg gedrückt zu werden.

Ich weiß nicht mehr genau, wie wir die nächsten zwei Stunden geschafft haben. Jeder Paddelschlag war pures Krafttraining. Selbst winzige Pausen zum Erholen der Muskeln waren nicht drin, weil wir sofort quer zu den Wellen gestanden hätten. Dominik kämpfte damit, das Kanu auf Spur zu halten, und wir beide damit, es überhaupt vorwärts zu bewegen. Es kann einem Tränen der Wut in die Augen treiben, wenn man sich am Rand seiner Kräfte bewegt und am Ufer sieht, dass man so gut wie überhaupt nicht vorwärts kommt. Zwischendurch anlanden, um eine Pause zu machen? Undenkbar. Wir wären weder heil ans Ufer noch heil wieder davon weg gekommen. Aber inzwischen sind wir trainiert und außerdem lassen wir uns doch von diesem See nicht einschüchtern! Und so kommen wir nach zwei Stunden Dauer-Krafttraining endlich um die erlösende Landzunge, die auf dem Hinweg schon dafür gesorgt hat, dass uns die Einmündung zum Femund einen ungefährlichen See vorgaukelt. Fast schlagartig lassen wir die Paddel sinken bleiben regungslos sitzen. Als ich wieder klar denken kann, will ich ein Foto machen und greife nach der Kamera. Sie hochzuheben zerreißt mir fast die Muskeln, so schmerzen meine Arme. Aber wie sagt man… wer ein schönes Foto haben will, muss leiden. Oder so ähnlich… und es hat sich nunmal gelohnt!

Fast angekommen
Fast angekommen

Danach wird alles ganz leicht. Wir dümpeln das kleine Flüsslein entlang durch Wald und Wiesen. Das Wasser ist so still, dass wir kaum paddeln brauchen und trotzdem regelrecht vorwärts schießen. Alles fühlt sich einfach richtig an. Ach ja… und wir fahren wesentlich besser geradeaus als noch auf dem Hinweg 😉

Welch Erholung!
Welch Erholung!
Frieden für unsere Muskeln
Frieden für unsere Muskeln

Am Kanu Camp angekommen, suchen wir zunächst Bengt auf und melden uns zurück. Dann heißt es wie bei einem guten Reiter: erst Kanu reinigen, dann den Kanufahrer. Den Nachmittag verbringen wir in Bengts Aufenthaltsraum (mit Abstecher unter die waaaaarme Dusche!!) beim Tour rekapitulieren, ausspannen, quatschen, träumen, bloggen… Unser Quartier für morgen Abend ist auch organisiert – wir kommen nochmal für eine Nacht bei Rannveig und Johan unter, wo wir uns zu Beginn der Reise schon sehr wohl gefühlt haben. Draußen hat sich das Thema Sonne übrigens schon längst wieder erledigt. Dicke Wolken hängen über dem Camp, ab und zu regnet es und so vermiest uns das Wetter das Sitzen auf der Terrasse.

Auch die zwei Jungs, die wir hier vor einer Woche schon einmal getroffen haben, sind wieder hier. Sie hatten sich letzte Nacht in einer der Hütten eingemietet, weil sie ihre Klamotten nicht mehr trocken bekommen hatten. Heute wollen sie aber wieder im Zelt pennen und haben sich dafür unser Plätzchen vom letzten Mal ausgeguckt. (So viel zu unserem Plan, wieder neben der Barbecue Hütte zu schlafen.) Wir stehen dort eine Weile zusammen und quatschen, als der Regen immer heftiger wird und schließlich in Hagel umschlägt. Warum auch nicht – hat uns schließlich noch gefehlt auf der Liste der Urlaubswetter, die man unbedingt braucht 😉

In der Barbecue Hütte
In der Barbecue Hütte
Regen, nichts als Regen...
Regen, nichts als Regen…

Die beiden sind am Diskutieren, was sie als nächstes machen wollen. Zwei Meinungen prallen aufeinander und so kommen sie so recht zu keiner Entscheidung. Wandern durchs Fjell? Nur Tagesausflüge? Sie sind unschlüssig. Außerdem haben sie keine Karte von der nördlichen Hälfte des Femund. Hach, was hab ich ein großes Herz… wir brauchen unsere Karte ja nicht mehr zwingend und so biete ich sie den beiden Jungs an. Ein Zettelchen mit meiner Telefonnummer dazu gibt ihnen die Chance, die Karte anschließend wieder loszuwerden (soviel sei an dieser Stelle verraten: das passiert natürlich nicht).

Als der Regen endlich etwas nachlässt, suchen wir uns einen Platz für unser Zelt und werden auf der anderen Seite einer kleinen Brücke fündig. Dort gibt es einen Platz, der noch nicht vom Regen durchweicht ist und unter Wasser steht. Nebendran ist auch noch eine kleine offene Hütte, wo wir zumindest im Trockenen essen können. Während wir essen, schauen wir zu, wie eine kleine Familie hinter dem nächsten Hügel es offenbar trotz des Regens hinbekommen hat, ein Feuer zu machen. Oder zumindest so etwas ähnliches, denn sie räuchern die komplette Femundsmarka aus 😉

Es ist wieder bitterkalt geworden und so verkriechen wir uns – heute recht spät – in unser Zelt. Das letzte Mal in diesem Urlaub. Morgen geht es (übrigens bei praller Sonne) nach Oslo und übermorgen (übrigens bei noch prallerer Sonne) mit der Fähre zurück nach Kiel und von dort aus nach Potsdam.

Kurzer Nachtrag: nein, wir sind mit dem Kanu nicht bergauf gefahren. Keine Ahnung, was das GPS da aufgenommen hat 😉 Ach ja, und auf dem Rückweg haben wir noch kurz einen Abstecher zum Isterfossen am Isteren gemacht. Wie soll ich sagen… der vermeintliche Wasserfall entpuppte sich als sehr flache, breite Stromschnelle, an der das Wasser über viele kleine Steine fließt. Viel Wasser-, aber kein -fall 😉

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