11. Etappe: Isteren-Eingang – Femundtunet

Was für eine Nacht. Immer wieder hat der Regen aufs Zeltdach getrommelt. Und wenn der gerade mal nicht zu hören war, dann war da ja noch die Hummel. Immerhin saß sie diesmal nicht direkt unter unserem Außenzelt, sondern summte nur ständig ums Zelt herum. Wie wir am Morgen nach dem Aufstehen feststellen, hatte sie offenbar direkt in dem Baum neben dem Zelt ihr Nest. Auf jeden Fall war sie ziemlich nachtaktiv.

Als wir aufwachen, regnet es selbstverständlich. Wir warten eine Weile ab, bis der Regen nachlässt und kochen erst einmal Kaffee. Nach dem Frühstück kramen wir unser Zeug zusammen und verkriechen uns dann schnell wieder im Zelt – richtig: den nächsten Regen abwarten. Anschließend bauen wir das Zelt ab und verkriechen uns dann unter dem dichten Blätterwerk des Baumes (ja, der Baum, in dem die Hummel wohnt) – richtig: mal wieder Regen abwarten. Die nächste Regenpause ist dann allerdings unsere und wir starten die heutige Touretappe. Der Himmel sieht genauso aus wie gestern, aber immerhin ist der See bei dem ganzen Regen recht ruhig.

Nix als Wolken
Nix als Wolken

Wir haben uns dagegen entschieden, noch einmal quer über den See zum Isterfossen zu fahren und paddeln stattdessen auf fast direktem Weg zur Ausstiegsstelle am südöstlichen Ende des Sees. Zuvor machen wir noch einen kleinen Schlenker über die Einmündung der Gløta und finden bestätig, was wir auf dem Hinweg bereits anhand des Geräuschpegels vermutet hatten: hier möchte man tatsächlich nicht paddeln.

Einmündung der Gløta
Einmündung der Gløta

Wir drehen also bei und sind kurz darauf schon wieder bei der „Hexe“ angelangt. Da wir aus der Erfahrung auf dem Hinweg gelernt haben, hieven wir unser Kanu im Eiltempo aus dem Wasser und auf das Wägelchen, und dann geht es hurtigen Schrittes hinauf zur Straße. Ha! Die Hexe hat uns diesmal nicht erwischt!

Kurz bevor wir die Straße wieder verlassen, legen wir eine kleine Pause ein. Ich gehe kurz den Cache an der Gløta suchen und finden und dann sind wir auch schon wieder am Wasser angelangt. Wir setzen unser Kanu ein und paddeln hinaus auf den Gløten. Mitten auf dem See erwischt uns – wie sollte es anders sein – ein Platzregen, der seinesgleichen sucht. Triefend paddeln wir vom Gløten hinaus auf den Femund und schaffen es diesmal trotz der Gegenströmung, ohne auf einen Stein aufzusetzen. Kaum auf dem Femund angekommen, weht der Wind wieder um einiges kräftiger – und natürlich kommt er von Süden, denn das ist schließlich die Richtung, in die wir fahren müssen. Wir kämpfen uns durch Gegenwind und Regen voran, bis zumindest der Wind irgendwann etwas nachlässt und der Regen zu einem normalen Landregen abflaut.

Wir entscheiden uns, nicht wieder an dem gleichen Strand anzulegen wie auf der Hintour, denn wenn wir morgen am Ostufer des Femund entlang nach Norden wollen, sollten wir heute auch möglichst weit nach Osten rüberkommen, um morgen einfach geradeaus fahren zu können. Das Wetter von heute kennen wir – wer weiß, was morgen auf uns wartet. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wird der Wind morgen jedenfalls nicht aus Süden kommen.

Wir paddeln also bis zu dem Strand, den wir auf der Hinfahrt als erstes angesteuert hatten. Hier warten hunderte Meter Sandstrand nur darauf, dass wir unser Zelt aufbauen und uns wohlfühlen. Wir wählen einen Platz ganz in der Nähe des Rastplatzes von der Straße, die oberhalb des Strandes verläuft. Das klingt jetzt vielleicht etwas unromantisch, ist es aber nicht. Die Straße sieht man nicht und ein Auto kommt alle halbe Stunde mal vorbei – jedenfalls tagsüber. Der Rastplatz wiederum ist nur durch zwei Holztischgruppen und ein komfortables Plumpsklo erkennbar. Die Tische wären super, wenn sie nicht vom Regen total nass wären und das Klo… nun ja, sehr praktische Angelegenheit 🙂

Unser Zeltplatz
Unser Zeltplatz

Unser Zelt bauen wir im immer noch leichten Regen auf und verkriechen uns sodann darin, um zumindest erst einmal zu trocknen und etwas aufzuwärmen. Als der Regen aufhört, starten wir noch einen kleinen Strandspaziergang. Am gegenüberliegenden Ende der Bucht liegt der Zeltplatz Femundtunet, an dem es auch ein Restaurant gibt. Wir überlegen, ob wir uns hier vielleicht zum Abschluss der Tour nochmal etwas gönnen sollten und steuern daher das Zeltplatzgelände an. Unterwegs zeigt sich „unser“ Strand von seiner allerromantischsten Seite.

"Unser" Strand
„Unser“ Strand
Wenn es nur 20 Grad mehr wären...
Wenn es nur 20 Grad mehr wären…
Der "Pub" von Femundtunet
Der „Pub“ von Femundtunet

Hier in Femundtunet war vor einigen Jahren mal der südlichste Anlegepunkt des Fährschiffs Fæmund II, aber seit der See bis hoch nach Elgå per Straße an den Rest des Landes angebunden ist, fährt das Schiff nur noch ab Elgå. Leider scheint auch der Pub am Schiffsanleger schon seit einiger Zeit nicht mehr betrieben zu sein und so bleibt es für uns heute Abend wohl mal wieder bei Tee. Wir biegen ab auf den Zeltplatz und schlendern durch die dortige Ansammlung von Ferienhütten, die die hier so typischen grasbewachsenen Dächer haben.

Femundtunet
Femundtunet

Als wir gerade das Restaurant ausfindig gemacht haben und nach einer Karte suchen, schaut eine Dame aus der Tür und fragt uns, wie sie uns helfen könne. Nach der Karte des Restaurants befragt, muss sie uns allerdings jeglicher Illusionen ob eines nicht gefriergetrockneten Abendessens berauben: es ist schon lange Nebensaison und das Restaurant hat längst nicht mehr geöffnet. So so… wir haben den 24. August. Gut, draußen herrschen knappe 10°C, Regen und Wind. Also eigentlich doch bestes norwegisches Sommerwetter?! Wir lassen also den Zeltplatz wieder hinter uns, spazieren zurück und dann am Zelt vorbei noch ein paar hundert Meter in die andere Richtung des Sandstrandes, bis uns endlich wieder einsetzender Regen zurück zum Zelt treibt.

Ob die Entenfamilie zwei Seen weitergezogen ist?
Ob die Entenfamilie zwei Seen weitergezogen ist?
Ganz langsam wird es herbstlich
Ganz langsam wird es herbstlich
Hier wohnen wir heute
Hier wohnen wir heute

Nach dem Regen ist es Zeit, unser Abendessen zu machen. Für den letzten Abend auf Tour haben wir uns noch ein besonderes Lerckerli aufgehoben: heute gibt es Beef Stroganoff. Ok, gefriergetrocknet und aus der Tüte, aber hey, das Zeug schmeckt geil! Dafür ist es inzwischen so schweinekalt, dass wir dick eingepackt in Daunenjacken mit Kapuze und Handschuhen essen. So lässt es sich aber gut aushalten und so sitzen wir mit einem warmen Tee in der Hand noch eine ganze Weile draußen, schauen über den Femund, der sich ganz ruhig vor uns ausbreitet, beobachten den Sonnenuntergang und freuen uns einfach, hier sein zu dürfen.

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