10. Etappe: Isteren Nordost-Arm – Isteren-Eingang

Nachdem es gestern einen schönen Tag mit langem Blogeintrag und vielen Fotos gab, haben wir heute wieder einen… nennen wir ihn… nicht so schönen Tag. Immerhin ist es noch trocken, als wir aufstehen, aber wir frühstücken bereits bei mächtig Wolken am Himmel. Auch der Isteren liegt alles andere als glatt vor uns. Aber es hilft ja alles nix und so bauen wir unser Zelt ab und starten wieder. Kaum sind wir aus der kleinen Bucht unserer Halbinsel heraus, zeigt der fiese Wind aus West, was er kann. Zur Erinnerung: wir paddeln natürlich – genau – nach Westen.Inzwischen sind wir ja einiges gewöhnt und so kommen wir auch noch guter Dinge aus unserem Seitenarm heraus und stellen uns dem eigentlichen Isteren. Da wir nun nicht mehr nach Westen fahren, sondern nach Süden abbiegen, dreht selbstverständlich auch der Wind. Er kommt jetzt – was sonst – aus Süd. Wir kämpfen eisern gegen Wind und Wellen. Und es kommt, wie es kommen muss: natürlich setzt der Regen ein. Die ganze Plackerei ändert nichts daran, dass es schweinekalt wird. Irgendwann packt uns der Hunger, aber anhalten ist einfach keine Option. Wind und Wellen würden uns sofort vollkommen abtreiben lassen und sobald wir quer zu den Wellen stehen… na ja, den Gedanken brauchen wir wohl nicht zu Ende denken. Trotz des äußerst zweifelhaften Wetters stellen wir fest, dass heute ziemlich viel los ist auf dem See. Neben etlichen Paddlern, sind auch viele Leute mit Motorbötchen unterwegs – und einige haben sogar einen kleinen Außenborder an ihrem Kanu. Wir rechnen kurz nach und wissen, wieso: es ist Wochenende. Offenbar sind die Norweger so wetterfest, wie es die Klischees behaupten. Allerdings nehmen sie so nach und nach auch etliche Lagerplätze in Beschlag und so beschließen wir wieder einmal, nicht zu lange damit zu warten, uns ein Plätzchen für die Nacht zu suchen.

Unser Ziel heute also ist der Lagerplatz, den wir am ersten Tag auf dem Isteren bereits gesehen hatten, auf dem aber bereits zwei Kanuten ihr Zelt aufgeschlagen hatten. Da wir wegen des Wetters eh keine Pause machen können, ignorieren wir die schmerzenden Muskeln nach Kräften und kommen am frühen Nachmittag – immerhin bei nachlassendem Regen – endlich an dem Lagerplatz an. Er ist noch frei! Innerlich jubelnd, äußerlich völlig im Ar*** landen wir an dem breiten Sandstrand an und freuen uns, dass hier in der kleinen Bucht der Wind nicht so stark ist und damit auch die Wellen weniger – und vor allem, dass der Regen aufhört. Wenn es gerade nicht regnet, ist es richtig schön hier:

Unser heutiger Lagerplatz
Unser heutiger Lagerplatz
Ausruhen vom Paddeln
Ausruhen vom Paddeln
Insel vor der Haustür
Insel vor der Haustür

Wir bauen flink unser Zelt auf (gut, dass wir darin inzwischen so geübt sind) und natürlich fängt es zeitgleich auch schon wieder an zu regnen. Wir warten den Regen bei einem Nickerchen ab und erholen uns von der heute doch recht anstrengenden Paddelei. Danach gibt es endlich eine Kaffeepause und anschließend erklimmen wir den Berg, an dessen Fuß unser Zelt steht. Na zumindest ein Stückchen weit – solange man noch gehen kann, ohne die Füße völlig nass zu kriegen und wir trotzdem eine klasse Aussicht über den See haben.

Aussicht
Aussicht

Wie wir da so stehen und schauen, überlegen wir uns, dass wir morgen eigentlich auch den See noch einmal queren könnten, um an dem auf der Karte unter dem Namen „Isterfossen“ eingezeichneten Wasserfall vorbeizuschauen. Natürlich nur, wenn das Wetter sich bis morgen einigermaßen einkriegt. Aber davon lassen wir uns ja täglich aufs Neue überraschen.

Selbstverständlich fängt es auch direkt wieder an zu regnen und so steigen wir wieder ab und verkriechen uns im Zelt. Gesellschaft leistet uns eine Hummel, die sich dummerweise zwischen unserem Außen- und Innenzelt verirrt hat und den Ausgang nicht mehr findet. Das Gesummsel treibt uns langsam aber sicher in den Wahnsinn und so helfen wir ihr trotz Regens nach draußen. Gut gemeint ist leider oft nicht gut gemacht – und so ist die Hummel wenige Minuten später wieder unter unserem Außenzelt. Offenbar hat die Hummel auch keinen Bock auf Regen.

Als der Regen irgendwann wieder nachlässt (fast droht er, aufzuhören, aber dann kriegt er doch noch die Kurve und es nieselt zumindest weiter), machen wir Abendessen und nutzen die Zeit, die das Wasser zum Kochen braucht, um ein paar Fotos der örtlichen Flora zu machen.

Weiße Blümchen
Weiße Blümchen
Gelbe Blümchen
Gelbe Blümchen
Rosa Blümchen
Rosa Blümchen
Lila Blümchen
Lila Blümchen
Die schwarzen Beeren sollte man nicht essen, glaub ich
Die schwarzen Beeren sollte man nicht essen, glaub ich

Ja, ich weiß… die Botaniker unter Euch werden mich bewundern für soviel Pflanzenkunde… aber hey, pass auf – jetzt kommt einer, den ich kann:

Mini-Kiefer
Mini-Kiefer

Das Essen ist fertig, doch zum Essen kommen wir leider schon nicht mehr und so flüchten wir vor dem erneut einsetzenden Regen ins Zelt und essen dort. Auch die heutige Abendroutine wird eine recht feuchte Angelegenheit, aber es reicht, um festzustellen, dass die Norweger jetzt anscheinend satt sind und genug haben vom Wetter – sie reisen alle wieder ab. Will heißen: sie schmeißen die Außenborder an und verschwinden ratzfatz. Pah! Weicheier, norwegische!

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