6. Etappe: Svukuriset – Elgå – Sorken

Kurz vor unserem Weckerklingeln raschelt es ein wenig in der Hütte, weil unser norwegischer Mitbewohner sich anzieht und das Zimmer verlässt. Wir beschließen gerade, ebenfalls aufzustehen, als die Tür wieder aufgeht, der Norweger zurück kommt und sich mit dem Kommentar „It’s raining again“ wieder ins Bett legt. Wir diskutieren kurz die Stärke des Regens und bleiben dann doch noch eine Runde im Bett. Aber schließlich hilft alles Warten nix – wir müssen ja heute noch weiter. Unseren Plan von gestern, das Frühstück aber nicht mehr in der Hütte zu bezahlen sondern lieber unser Müsli zu futtern, werfen wir aber kurzerhand über den Haufen. Die Aussicht auf richtigen Kaffee und ein Marmeladenbrot ist bei dem Regen draußen einfach zu verlockend.Es regnet einfach ununterbrochen und so genießen wir das Frühstück also umso ausgiebiger. Da wir heute nur noch ein paar Kilometer bis nach Elgå vor uns haben, machen wir uns auch keine Gedanken darum, erst recht spät und fast als letzte die Hütte zu verlassen. Nach uns gehen nur noch Johanna aus Schweden und ihre Mitwanderer los, die sich bei dem Sonnenschein gestern für den Zeltplatz entschieden hatten und heute Morgen dann doch wieder im Regen wach wurden.

Von der Hütte aus geht es zunächst durch den Wald. Der Weg ist einigermaßen angenehm (von der bereits gewohnten Nässe natürlich abgesehen, aber die kann uns ja nicht mehr wirklich schockieren). Wenig später kommen wir an den See, den ich als Alternative für die Übernachtung rausgesucht hatte. Es wird ziemlich schnell klar, dass wir mit der Hütte gut bedient waren, denn einen guten Zeltplatz gibt es hier nicht wirklich. Dafür fressen uns die Mücken auf, so dass wir schnell das Autan rausholen.

Kein Zeltplatz
Kein Zeltplatz
Es geht durch den Birkenwald
Es geht durch den Birkenwald

Kurz darauf kommen wir auch schon wieder raus aufs Fjell. Wir stiefeln eine Anhöhe hinauf und als wir oben ankommen, fängt – wie sollte es anders sein – auch der Regen direkt wieder an. Schnell ein paar Fotos machen und dann die Kamera wieder im Rucksack verstecken.

Blick zurück nach Svukuriset
Blick zurück nach Svukuriset
Da ist schon der Femund zu sehen
Da ist schon der Femund zu sehen
Blick übers Fjell
Blick übers Fjell

Nach der Anhöhe geht es praktisch nur noch bergab, immer auf den Femund zu. Bald tauchen wir wieder in den Wald ein. Rentiere gibt es diesmal nicht, aber dafür hört der Regen auf und es kommt sogar die Sonne ein wenig raus! Man merkt, dass wir uns wieder in zivilisierteren Gegenden befinden, denn die Wege sind ausgetretener und obwohl immer noch genug Stellen bleiben, wo man sich mächtig nasse Schuhe holt, gibt es teilweise nicht nur Bohlen und Baumstämme auf den Wegen, sondern sogar richtige Brücken.

Luxus: eine richtige Brücke
Luxus: eine richtige Brücke
Da geht's lang
Da geht’s lang

Es dauert nicht lange, bis wir auf erste Anzeichen echter Zivilisation und schließlich auch auf eine Straße stoßen. Und dann ist es auch nicht mehr weit, bis wir wieder in Elgå sind.

Wir kommen direkt hinter der Femund Fjellstue heraus und bringen erst einmal die Rucksäcke zum Auto. In größter Vorfreude auf eine große Tasse Kaffe (von diesem hier wissen wir ja, dass er schmeckt) gehen wir zum Eingang der Hütte. An der Tür finden wir jedoch ein Schild vor: vi er stengt i dag. Heute geschlossen. So ein Mist. Kein Kaffee. Kein Kuchen. Wir gehen noch ein wenig spazieren und beschließen dann, das Geld für den Parkplatz einfach im Briefkasten zu hinterlegen. Natürlich fängt es auch direkt wieder an zu regnen. Also machen wir uns mit dem Auto auf den Weg nach Süden.

Ein Stückchen weiter im Ort geben wir noch etwas Geld im „Supermarkt“ aus und gönnen uns ein paar Maryland Cookies (in guter alter Erinnerung an frühere Schweden-Urlaube) und eine neue Flasche Spiritus für unseren Kocher. Dann geht es weiter, selbstverständlich im strömenden Regen. Bald wird die Straße wieder zur Schotterpiste und die schon bekannten Rentiere lassen ebenfalls nicht lange auf sich warten. Nach etwa 30 km sind wir in Sorken und damit am Femund Canoe Camp angekommen. Mit dem Besitzer hatte ich bereits vor zwei Jahren Kontakt aufgenommen, als wir das erste Mal vorhatten, hier Urlaub zu machen. Wir warten im Auto noch den aktuellen fiesen Regenschauer ab und essen unsere Maryland Cookies. Dann flitzen wir in die Hütte und klingeln nach dem Besitzer.

Wir sagen, dass wir gerne ein Kanu mieten wollen und Bengt (so heißt der etwa 60jährige Besitzer) erklärt, dass er gerade heute 13 Kanus vermietet hat und erst einmal schauen müsse, ob er noch welche hätte. Nach einem Blick aus dem Fenster ist diese Frage geklärt und er nimmt die Personalien auf. Als ich ihm meinen Namen sage, stutzt er und fragt, ob wir nicht eine Reservierung hätten. Ich bin beeindruckt – wir hatten zwar keine Reservierung, aber zumindest der Name war ihm doch irgendwie noch ein Begriff. Nach über zwei Jahren. Respekt.

Nach den Formalitäten kocht Bengt uns erstmal einen Kaffee (lecker!) und wir nutzen sein WLAN, um mal wieder Kontakt zur Zivilisation aufzunehmen. Dann kommt das nächste Highlight: die Duschen hier sind nicht nur warm, sie funktionieren auch ohne Münzen! Das bedeutet Warmduschen ohne Zeitdruck – herrlich!

So frisch geduscht gehen wir dann daran, das Gelände zu erkunden, um uns einen netten Platz für unser Zelt zu suchen. Wir werden fündig neben der Barbecue-Hütte. Das Camp ist eh ausgestorben und die BBQ-Hütte bietet den Vorteil, viele überdachte Tische und Bänke zu haben. Da es immer mal wieder regnet, bauen wir rasch unser Zelt auf. Gerade noch rechtzeitig vor dem nächsten großen Regen. Dieser entpuppt sich leider als alles andere als ein Schauer und so machen wir unser Abendessen in der BBQ-Hütte und schauen dem strömenden Regen zu. Bloß gut, dass es so heftig in den letzten Tagen nicht war. Irgendwann steht der Weg zurück zum Haupthaus vollkommen unter Wasser und wir können nur noch zurück waten – was soll’s, die Schuhe waren eh noch nicht wieder trocken. Beim Zähneputzen treffen wir dann tatsächlich noch auf andere Gäste: zwei Jungs aus Deutschland sind gerade mit dem Bus angekommen und wollen morgen ebenfalls mit dem Kanu los.

Um unser Zelt herum steht mittlerweile alles unter Wasser. Im Zelt drücken langsam die ersten Wassertropfen durch. Verdammt. In der Hoffnung, dass wir nicht absaufen, legen wir uns gerade schlafen, als der Regen zumindest ein kleines bisschen schwächer wird.

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