4. Etappe: Røvollen – Haugen

Das Augenaufschlagen wird heute begleitet vom gleichmäßigen Trommeln des Regens auf unser Zeltdach. Auch nach einer halben Stunde ist keine Besserung in Sicht und so gibt es nochmal eine Extrarunde Ratzen. Irgendwann scheint der Regen nachzulassen und ich beschließe, zumindest mal einen Kaffee zu kochen. Noch im Vorzelt heißt es also, die Regenklamotten überwerfen, bevor es raus geht. Draußen zeigt sich, dass der größte Teil des Trommelns auf unser Zelt tatsächlich gar nicht mehr vom Regen, sondern nur noch vom Nachtropfen der umstehenden Bäume herrührt. Also in Windeseile den Kocher mobilisiert, Wasser aus dem nahen Bachlauf geholt und Kaffee gekocht. Bereits beim Müsliessen setzte der Regen wieder ein. Es ist irgendwie deprimierend. Der Morgen verläuft in stetem Wechsel aus Aktionismus und Abwarten, bis irgendwann alles eingepackt und geschultert ist und unsere neue Etappe beginnt. Der Weg führt zunächst eine Weile durch den Wald und wir freuen uns, dass sich der Regen einigermaßen in Grenzen zu halten scheint. Später kommen wir dann wieder etwas in die Höhe und damit raus aufs Fjell. Um uns herum ist von den Bergen kaum noch etwas zu sehen – dicke Wolken wabern über das Fjell. Es ist ein bisschen windig, aber zumindest bleibt es fast trocken.

Nach nicht allzu langer Zeit kommen wir an eine Weggabelung. Hier müssen wir uns entscheiden: gehen wir weiter übers Fjell, direkt nach Svukurist – oder nehmen wir den Weg über den Femund, vermeiden das Gebirge und legen dafür eine Nacht mehr ein? Ein Blick auf den wolkenverhangenen Stor Svuku vor uns macht uns die Entscheidung leicht – wir biegen ab in Richtung Haugen.

Kaum dass wir die Richtung gewechselt haben, scheint das Wetter prompt besser zu werden. Zumindest haben wir wieder etwas Sicht und können noch ein paar Ausblicke genießen.

Wir lassen den Stor Svuku links liegen
Wir lassen den Stor Svuku links liegen

Bald lassen wir das Fjell hinter uns und erreichen wieder bewaldetere Gegenden. Und prompt nehmen auch die Rentiere wieder zu. So sehr, dass wir sie heute glatt zum Motto des Tages erklären könnten.

Zähle die Rentiere!
Zähle die Rentiere!
Rentiere kurz vor Haugen
Rentiere kurz vor Haugen

In der Ferne ist bereits der Femund zu sehen und wir beginnen den Abstieg. Durch Wald geht es hinab – und natürlich werden die Wege auch endlich wieder nasser. Hurra. Dafür bleiben uns auch die Rentiere treu. Und als wir auf ein Junges treffen, das links vom Weg steht, während seine Mama rechts vom Weg steht, machen wir brav eine Pause, um die zwei nicht zu trennen. So richtig scheinen sie ihre Chance aber nicht zu verstehen und so kriegt Mama dann doch kurz einen Schreck, als wir langsam weitergehen und ihr Kleines immernoch auf der anderen Seite steht. Irgendwann begreift es dann doch noch, dass Weglaufen eine gute Idee wäre – dummerweise läuft es nicht direkt zu Mama, sondern erst einmal vor uns her. Der Intelligenzquotient von Rentieren scheint nicht das zu sein, was man als ausgesprochen hoch bezeichnen würde…

Mama wartet auf das Kleine
Mama wartet auf das Kleine

Kurz vor dem Femund laufen wir über das Gelände der Haugen Gard, einer Wanderhütte. Hier sieht es so ausgestorben aus, dass wir unsere Hoffnung auf einen Kaffee begraben (vielleicht besser so, wenn er so geschmeckt hätte wie der vorgestern 😉 ). Wir laufen hinunter zum Femund und landen am Fähranleger. Hier steht eine kleine Sitzgruppe, auf der wir beschließen, es uns erst einmal gemütlich zu machen, bevor wir nach einem Zeltplatz suchen. Wir packen den Kocher aus, holen Wasser vom See und – nein, wir kochen keinen Kaffee. Wir ziehen erst einmal um unter das Vordach der kleinen Holzhütte nebenan, denn natürlich fängt es direkt wieder an zu regnen. Die kleine Hütte hat unter ihrem Vordach sogar noch ein kleines Bänkchen, so dass wir es trotz Regen und der kühlen Temperaturen mit unserem Kaffee noch recht gemütlich haben.

Dann lässt der Regen irgendwann nach und es ist Zeit, einmal zu schauen, wo wir einen Platz für unser Zelt finden könnten. Denn hier ist es zwar sehr schön und auch ein Plumpsklo steht ein paar Schritte weiter, doch im Umkreis von 150m um Behausungen ist das Zelten verboten, wie man a) weiß und wie uns b) ein Schild am Fähranleger erklärt. Ein Stück in südliche Richtung am Wasser entlang zeigt bald, dass hier so schnell kein geeigneter Platz zu erwarten ist. Es wird immer feuchter. Ich sammle Dominik also wieder ein und wir marschieren testweise in nördliche Richtung. Es dauert nicht lange, bis wir einen Platz finden, der wie für uns gemacht zu sein scheint. Wir gehen zurück und holen unsere Rucksäcke, die wir erst einmal vor der Hütte gelassen hatten. Dann bauen wir – noch recht früh am Tag – unser Zelt auf und kochen uns noch einen Tee.

Wie für uns gemacht
Wie für uns gemacht
Zeltplatz am Femund
Zeltplatz am Femund
Sogar fließend Wasser gibt es
Sogar fließend Wasser gibt es

Wir sitzen eine Weile vor dem Zelt und beobachten das Wetter – der Wind pustet dicke Wolken über den Femund. Zumindest aber bleibt es hier bei uns eine ganze Weile trocken, auch wenn wir rundherum am Horizont immer wieder beobachen können, wie der Regen in Strippen vom Himmel kommt.

Mit Blick auf den See machen wir unser Abendessen. Kaum dass wir aufgegessen haben, fängt natürlich schon wieder der Regen an. Zähneputzen findet also in Regenklamotten statt. Im nächsten Moment bricht dann zu allem Überfluss auch noch urplötzlich ein heftiger Sturm los, so dass wir erst einmal um unser Zelt flitzen und dicke Steine auf die Heringe packen, damit es diese nicht direkt wieder aus dem feinen Sand zieht. Dann steht unser Zelt aber gescheit und der Sturm – was sonst – verschwindet so plötzlich, wie er gekommen war. Uns reicht’s… wir verkrümeln uns in unsere Schlafsäcke.

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