2. Etappe: Nicht ganz Svartvika – Ljøsnavollen – Nedre Muggsjøn

Mitten in der Nacht werden wir wach, weil der Kollege, der uns am Nachmittag mit seinem Quad überholt hatte, nun offenbar auf dem Rückweg war und drei Meter hinter unserem Zelt lang fuhr. Von dieser Unterbrechung abgesehen verlief die Nacht ruhig und regenfrei. Auch am Morgen ist es zwar bedeckt, aber trocken. Nach dem Frühstück marschieren wir los und kommen nach kurzer Zeit an einen See, an dem wohl zu Museumszwecken ein Floß liegt, wie es die Bergleute aus Røros früher genutzt haben.

Floß der Bergleute
Floß der Bergleute

Nach etwa einer Stunde kommen wir an eine Hütte samt Brücke über ein Flüsschen und wähnen uns in Svartvika, unserem eigentlichen Ziel der gestrigen Etappe.

Leider nicht Svartvika
Leider nicht Svartvika

Weiter geht’s – inzwischen bei Sonnenschein – über den völlig versumpften Weg. Immer wieder haben wir die Wahl zwischen dem Bach von Weg (das Wasser steht darauf auch gerne mal einen halben Meter und tiefer) und dem Umweg durch das Hochmoor. Hier sinkt man bei geschickter Wegwahl oft nur etwa zehn Zentimeter ein. Leider ist das mit der geschickten Wegwahl oft Glückssache, denn so mancher Grasbuckel, der eben noch so schön trocken aussah, sinkt beim Drauftreten zusammen wie ein Schwamm und man steht bis zum Knöchel im Wasser. Dafür begegnet uns auf einer Lichtung ein erster tierischer Weggefährte.

Aber hallo...!
Aber hallo…!

Nach einer weiteren Stunde stehen wir vor einer sehr ansehnlichen Hütte und wundern uns, wie schnell wir schon in Ljøsnavollen angekommen sind – da erblicken wir ein Schild am Haus, auf dem das kleine Wort „Svartvika“ all unsere Illusionen zerstört. Schöner Mist, dann liegen wohl doch noch vier bis fünf Kilometer vor uns, bis wir an der Hütte sind. Wir stiefeln eisern weiter – auch wenn es jetzt plötzlich nur noch bergauf geht und ein äußerst steiniger Pfad (selbstverständlich mit regelmäßigen Wasser-Sumpf-Löchern) sich durch den Wald windet. Dafür wachsen auf Schritt und Tritt Blaubeeren, die man praktisch on-the-go pflücken und essen kann.

Blaubeeren on-the-go
Blaubeeren on-the-go

Als wir endlich in Ljøsnavollen ankommen, ist es bereits halb drei – und damit beste Zeit für einen Kaffee. Selbigen bestellen wir auch in der Hütte und bekommen ihn  von einer alten Dame mit sehr süßer roter Schürze serviert. Ein kleiner Schnack fördert die Info zutage, dass das Haus bereits 145 Jahre alt ist.

Ljøsnavollen
Ljøsnavollen

Wir sitzen gemütlich in der kleinen Stube und nippen an dem Kaffee, der leider wie Knüppel aufn Kopp schmeckt 😉

Kaffeestube
Kaffeestube

Anschließend setzen wir die Rucksäcke wieder auf (wer hat da eigentlich inzwischen mindestens zehn Kilo mehr reingepackt??), machen vor der Hütte noch ein paar Fotos von den hübschen alten Spielzeugen, die hier „herumstehen“ und dann geht es weiter unserem heutigen Ziel entgegen.

Pferdchen
Pferdchen
Wägelchen
Wägelchen

Nach ein paar Metern schieben wir dem Kaffee ein paar Panzerplattenkekse, Salamisticks und ein paar Blaubeeren hinterher und weiter geht’s. Irgendwann lassen wir den Wald hinter uns und betreten zum ersten Mal das offene Fjell. Die 360° Aussicht über die endlose Weite und die dahinter liegenden Berge ist einfach atemberaubend. Egal, was die nächsten Tage bringen – dieser Anblick war und ist jede Strapaze wert.

Im Fjell
Im Fjell
Im Fjell
Im Fjell
Päuschen
Päuschen
See im Fjell
See im Fjell

Gegen 18:00 Uhr kommen wir an einen See, von dem wir zunächst annehmen, es handle sich um den Nedre Muggsjøn. In einem anderen Reisebericht hatte ich gelesen, dass jemand hier seinen schönsten Zeltplatz der ganzen Tour durch die Femundsmarka gefunden hatte. Umso größer mein Entsetzen, als es entlang des ganzen Sees keine einzige Stelle gibt, an die ich freiwillig mein Zelt stellen würde. Der Untergrund ist entweder völlig sumpfig nass oder übersät mit Steinbrocken. Mit Blick auf die Uhr einerseits und die Karte andererseits – der nächste See und damit die nächste Wasserquelle liegen noch Kilometer entfernt – wird mir langsam mulmig. Wir schauen noch einmal genauer und einigen uns darauf, dass dies noch nicht der Nedre Muggsjøn sein kann. Er ist mit deutlich unter einem Kilometer einfach nicht breit genug dafür. Wir wandern wieder etwas hoffnungsvoller weiter und erhaschen bald darauf den Blick auf den  tatsächlichen Nedre Muggsjøn. Leider scheint dieser noch eine halbe Ewigkeit weit weg zu sein, aber mit dem neuen Ziel vor Augen stiefeln wir los und sind tatsächlich nach einer halben Stunde bereits da.

An einer Stelle, die zum Zelten einigermaßen geeignet scheinen könnte, biege ich ein paar Meter vom Weg ab, drehe mich um – und traue meinen Augen kaum: vor mir liegt ein gut hundert Meter langer weißer Sandstrand! Mitten im Fjell!

Sandstrand am Nedre Muggsjøn
Sandstrand am Nedre Muggsjøn

Neben mir ist ein schöner Rastplatz mit Feuerstelle und Baumstamm zum Sitzen. Mir fallen ungefähr drei Tonnen Steine vom Herzen. Wir bauen das Zelt auf und sitzen um halb acht am Strand, einen heißen Tee in der Hand und Essen im Magen. Es wird Zeit, die Daunenjacken aus dem Rucksack zu holen, denn mit der leichten Brise wird es arg kalt. Wir schicken dem Kollegen mit seinem Reisebericht ein kleines Stoßgebet und danken ihm mental für diesen Tipp – schöner kann man wirklich nicht lagern.

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