Kungsleden im Winter: der Klang von Schnee

Gestern Nacht dachten wir noch, der Sturm draußen würde unsere Hütte umreißen. Heute Morgen werden wir zum Glück wach und hören nichts als Stille. Ein Blick aus dem Fenster offenbart zuerst völlig still stehende Bäume und gleich darauf den blauen Himmel dahinter. Auf den paar Schritten zum Frühstück im Haupthaus genießen wir dann den Blick auf die umliegenden Berge im Sonnenschein. Wie schon gestern Morgen garniert von ein paar Zuckerwattewölkchen. Es sieht so aus, als stünde unserem Plan, heute den Kungsleden (zumindest ein Stück weit) entlang zu wandern, nichts im Wege.

Sonne auf dem Weg zum Frühstück
Sonne auf dem Weg zum Frühstück
Zuckerwattewölkchen
Zuckerwattewölkchen

Nach dem Frühstück beschließen wir nach Anraten der Hostel-Besitzer, auf die Schneeschuhe zu verzichten und unsere Wanderung nur mit Stiefeln anzutreten. Unser Plan ist, zumindest ein paar Schritte auf Schwedens berühmtesten Wanderweg, dem Kungsleden zurückzulegen. Dazu gehen wir erst noch einmal die Strecke, die wir aus unserer Nordlicht-Nacht bereits kennen. Unterwegs genießen wir das sonnige Wetter und die überraschend milden Temperaturen.

Abisko Östra in der Sonne
Abisko Östra in der Sonne
Torneträsk in der Sonne
Torneträsk in der Sonne
Schönwetterspaziergang
Schönwetterspaziergang

Bald kommen wir am Eingang zum Kungsleden vorbei, gehen aber erst noch ein paar Schritte weiter und bestaunen den Canyon, den der Fluss hier eingegraben hat.

Canyon
Canyon
Eingang zum Kungsleden
Eingang zum Kungsleden

Danach biegen wir ein auf den Kungsleden. Der Weg ist wie im Hostel vermutet gut begehbar und so kommen wir auch ohne Schneeschuhe gut klar. Innerhalb weniger Minuten erinnert nichts mehr an Zivilisation. Wir gehen am Fluss entlang, der natürlich um diese Jahreszeit nur aus Eis und Schnee besteht. Na zumindest fast, denn als die Neugier zupackt, hören wir unter dem Eis das Wasser glucksen.

Auf der Eiskante
Auf der Eiskante

Wir wandern weiter und genießen die unendliche Stille in dieser, wie es scheint, menschenverlassenen Gegend, die nur unterbrochen wird vom „knirsch knirsch“ unserer Stiefel auf dem Schnee. Dieses Geräusch wird bald darauf jedoch von einem weiteren Klang begleitet, nämlich dem „wuusch-knirsch wuusch-knirsch“ der Skier eines uns entgegenkommenden Skiwanderers. Seinem Rucksack nach zu urteilen dürfte er bereits seit einigen Tagen auf dem Kungsleden unterwegs und damit nahezu am Ziel sein.

Den Kungsleden auf Skiern
Den Kungsleden auf Skiern

Nach einiger Zeit führt der Kungsleden aus dem Wald hinaus auf eine freie Fläche. Umgehend ändert sich der Klang unserer Stiefel auf dem Schnee in ein eher hohl klingendes „knorrrsch knorrrsch“.

Auf dem Kungsleden
Auf dem Kungsleden

Der auditive Verdacht wird bestätigt, als es kurz darauf „flopp-knirrrrrrsch“ macht und wir bis über die Knie im Schnee versinken. Dafür ist der Blick auf die Weite Lapplands und die verschneiten Berge einfach gigantisch. Da ist es wieder, das demütig machende und doch irgendwie beruhigende Gefühl, vollkommen klein und unbedeutend für diese Welt zu sein.

Abisko Nationalpark Panorama
Abisko Nationalpark Panorama
Verschneites Lappland
Verschneites Lappland
Abisko Nationalpark
Abisko Nationalpark

Ein wenig später wird der Schnee mit Stiefeln immer unbegehbarer und wir biegen ab auf einen Weg, der uns zurück nach Abisko Östra bringen soll. Weg definiert sich dabei zunächst durch die Spur eines Schneemobils. Wo das lang gekommen ist, sollten wir zu Fuß wohl auch keine Probleme bekommen. Beunruhigenderweise ist der Klang des Schnees selbst auf dieser Spur eher von der hohl klingenden „knorrrsch knorrrsch“-Sorte. Der Klang wird besser, als wir kurz darauf quer über einen See laufen. Was ein Schneemobil trägt, wird uns wohl auch tragen, denken wir, und unsere Stiefel machen auch tatsächlich wieder ihr friedliches „knirsch knirsch“.

Eine Teepause später und ein paar Kilometer weiter sind wir dann zurück oberhalb Abisko Östra und schauen kurz in unserer Hütte vorbei, bevor wir wieder aufbrechen. Uns gelüstet nach etwas Kaffee und Kuchen und so suchen wir das Restaurant von gestern wieder auf. Dort lagen Muffins und ähnliches in einer Vitrine und die Auswahl lässt sowieso keine Alternativen. Nach dieser Stärkung beschließen wir, einmal hinunter zum Torneträsk zu gehen. Auf dem Weg dorthin treffen wir auf ein paar Jungs, die es irgendwie geschafft haben, ihren Pickup neben die Straße zu setzen, was dazu geführt hat, dass er nun komplett im Schnee aufliegt und die Räder der einen Seite in der Luft hängen. Wir bieten unsere Hilfe an, aber sie meinen, ohne einen Traktor wird das wohl nix mehr. Den haben wir nicht dabei und so setzen wir unseren Weg an den See fort.

Am Torneträsk
Am Torneträsk

Mehrere Spaziergänger und vor allem diverse Schneemobile beweisen, dass es kein Problem ist, selbst auf dem wirklich riesigen Torneträsk herumzulaufen. Glücklicherweise gibt es eine festgefahrene Schneespur, auf der wir über den ansonsten völlig blank gefegten und damit spiegelglatten See laufen können. Auf dem See beobachten wir dann auch den Sonnenuntergang – ein schönes Erlebnis.

 

Eis-Meditation
Eis-Meditation
Nachmittag auf dem Torneträsk
Nachmittag auf dem Torneträsk

Was allerdings der Oberkracher ist, ist ein Pickup mit einem Schneemobil auf der Ladefläche (vermutlich als Gewicht), das den zugefrorenen See für ein bisschen Fahrtraing nutzt.

Auf dem Rückweg sehen wir dann, dass die Jungs offenbar einen Traktor haben ausfindig machen können, denn das Auto wird gerade aus dem Schneegraben gezogen. Sie kommen uns breit grinsend und mit hochgereckten Daumen entgegen. Abendessen gibt es heute in unserem Hostel: eine Art Bulette aus Elchfleisch mit Kartoffelpüree, Erbsen und Preiselbeeren. Sehr lecker. Und jetzt sitzen wir in unserem Hüttchen und warten darauf, ob sich in unserer letzten Nacht in Lappland nochmal ein Nordlicht zeigt. Aber selbst wenn nicht – es war ein kleiner, aber irgendwie doch ein ganz großer Urlaub.

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