Busfahren auf La Réunion

Heute Morgen haben wir eigentlich alle Zeit der Welt. Aber es ist nunmal eine Gite und das heißt, Frühstück ist für alle um halb acht. Kein Problem, daran sind wir schließlich gewöhnt. Einige Kaffee später holen wir unsere mittlerweile fast trockenen Sachen von der Leine hinterm Haus und packen das ganze ziemlich streng riechende Zeug mit spitzen Fingern in die Rucksäcke.

Gite Roche Merveilleuse
Gite Roche Merveilleuse

Dann gehen wir noch einmal nach Cilaos Downtown, statten der Touristeninfo sowie den örtlichen Souvenirläden einen Besuch ab und setzen uns dann mit einem leckeren Teilchen vom Bäcker an den See. Dort halten wir unsere Nasen in die Sonne, bis es Zeit wird, zur Bushaltestelle zu gehen.

Eindrücke aus Cilaos
Eindrücke aus Cilaos

Unsere Planung sieht vor, mit dem ersten Bus bis St. Louis zu fahren und dort in den Bus nach St. Gilles umzusteigen. Der Bus ist recht leer und für rund 4 Euro pro Person stehen uns nun anderthalb Stunden Busfahrt durch den Cirque de Cilaos an die Küste bevor. Ich habe vorsichtshalber eine Tablette gegen Reiseübelkeit eingeworfen – ich kenne mich ja. Und dann geht es auch schon los.

Blick über Cilaos in Richtung Meer
Blick über Cilaos in Richtung Meer

Die Strecke besteht bis hinunter an die Küste eigentlich nur aus Kurven. Durch eine Serpentine nach der anderen schrauben wir uns eine Bergflanke hinab, nur um auf der anderen Seite wieder eine andere zu erklimmen. Nach einer Viertelstunde werfe ich eine zweite Tablette hinterher, um das aufkommende Unwohlsein in der Magengegend zu betäuben. Leider wird davon auch alles andere betäubt und als wir in St. Louis ankommen, kann ich die Augen kaum noch offen halten. Am Busbahnhof studieren wir die Pläne von Car Jaune und stellen fest, dass wir eine halbe Stunde warten müssen. Dann jedoch fährt sogar ein Schnellbus, der nicht an jeder Milchkanne anhält. Als es soweit ist, stellen wir uns brav in die Schlange am Einstieg und erleben eine Überraschung: als wir zahlen wollen, schaut der Busfahrer erst einmal, ob denn noch zwei Sitzplätze frei wären. Was wir nicht wussten: ohne Sitzplatz darf niemand mitfahren. Wir haben Glück und bekommen tatsächlich die letzten beiden Plätze. Dummerweise ist am Bus wohl das Gepäckabteil unten kaputt (oder der Fahrer hat keine Lust, es aufzumachen?), so dass wir unsere Wanderrucksäcke irgendwie mit auf den Schoß hieven müssen. Wir bedauern unsere jeweiligen Sitznachbarn, schließlich schwitzen wir mit Rucksack auf Schoß nicht gerade weniger – aber die Dame neben mir hält es sogar noch aus, mir ein kleines Gespräch aufzudrängen und lässt sich auch nicht von meinem grottenschlechten Französisch abschrecken.

Nun denn… nach einer guten halben Stunde ist es vollbracht. Ich konnte mich lange genug wach halten und rechtzeitig zweimal in die Hände klatschen, um auszusteigen und so stehen wir nun an der Bushaltestelle, einen kleinen Wandermarsch von unserem Hotel entfernt (direkt vor dem Hotel hält der Schnellbus nicht). Es ist brutal warm – wir schätzen auf etwa 15°C mehr als im Hochland. Wir spazieren (ich schleife mich eher, so müde bin ich) zu dem Bäcker, den wir bereits von vor unserer Wandertour kennen und holen uns dort erst einmal eine Kleinigkeit zu essen und vor allem einen Kaffee.

Im Café
Im Café

Dann spazieren wir den Weg zu unserem Hotel. Am Eingangstor widerfährt uns, was die beiden Schweizer bereits beim ersten Einchecken mit Rucksäcken erlebt haben: wir werden erst einmal skeptisch beäugt und intensiv nach Namen etc. befragt, bevor sie uns glauben, dass wir wirklich einchecken wollen. Ich gebe zu, wir sehen gerade nicht allzu solvent aus. An der Rezeption erkennt man uns aber sofort wieder und wir bekommen auch wieder unseren Welcome-Drink samt nassen Tüchern. Eine Hotelführung bräuchten sie uns diesmal wohl nicht anbieten, meint die nette Dame noch, als sie uns zu unserem Zimmer führt – und verschwindet dann eilig wieder aus unserer Nähe. Wir sehen ein, dass es dringend Zeit ist für eine Dusche und neue Klamotten 😉

Den Rest des Tages verbringen wir ziemlich faul und genießen das süße Leben eines Luxushotels…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.