Réunion Trekking Etappe 6: Cilaos – Piton des Neiges

Der Morgen beginnt wie immer mit einem Frühstück, das auch hier „in der Stadt“ genauso aussieht wie wir es bereits aus den letzten Tagen kennen. Danach packen wir unsere Sachen zusammen und füllen unsere Vorräte diesmal mit extra viel Wasser auf. Die Reservierungsbestätigung der Gite dort oben weist extra darauf hin, dass das Wasser knapp ist und so planen wir vorsichtshalber für notfalls zwei Tage. Der Einstieg zum weiteren Verlauf des GR-R2 findet sich unweit unserer Gite und so geht es zunächst ein kürzeres Stückchen bis La Roche Merveilleuse. Der Weg geht recht entspannt mal auf und mal ab und bald sind wir am ersten Zwischenziel. Weiter geht es von hier aus bis Le Bloc, einer Art Picknickplatz und eigentlichem Startpunkt zum Piton des Neiges.Von Cilaos aus hätte man bis hierhin auch bequem mit dem Bus fahren können. Selbiges gilt natürlich auch für den Rückweg. Von Le Bloc aus beginnt nun der eigentliche Aufstieg. Es geht einfach konsequent bergauf und wir sind bald in einer Art Automatismus, der uns einfach weiterlaufen lässt. Immer wieder können wir in den Cirque de Cilaos hinabblicken und uns ansehen, wieviel Aufstieg wir bereits geschafft haben.

Blick zurück auf Cilaos
Blick zurück auf Cilaos

Einige hundert Höhenmeter weiter verdichten sich langsam die Wolken um uns herum und der Blick nach unten wird uns verwehrt.

Aufstieg zum Piton des Neiges
Aufstieg zum Piton des Neiges

Dafür treffen wir mehrfach ein holländisches Pärchen, das uns während einer Pause auf ein Tierchen aufmerksam macht. Es handelt sich wohl um einen Tenrek, eine igelähnliche Art aus der Gegend.

Tenrek
Tenrek

Irgendwann werden die Wolken nicht nur dichter, sondern auch feuchter und es wird windiger. Sobald wir eine Pause einlegen, fangen wir an zu frieren. Auf die Art schafft man es natürlich auch, die angegebenen Wegzeiten einzuhalten. Alles in allem hält sich die Anstrengung aber in gut erträglichen Grenzen und bald lichten sich die knorrigen Bäume. Zeitgleich toben die Wolken nun regelrecht um uns herum und wir holen freiwillig die Fleecejacken aus dem Rucksack. Von hier aus sind es aber nur noch ein paar Schritte, bis wir über einen Grat kommen und bereits unsere Gite erblicken. Insgesamt haben wir knapp 1400 Höhenmeter hinter (unter?) uns gebracht und fühlen uns dafür erstaunlich gut.

Gite am Piton des Neiges
Gite am Piton des Neiges

Vom Gipfel des Piton des Neiges ist wegen der vielen Wolken nichts zu sehen. Genausowenig von der sonstigen Umgebung in Richtung Tal. Es ist kalt und feucht und wir sind froh, im Aufenthaltsraum der Gite anzukommen. Hier ist es zwar ebenfalls kalt, aber es gibt große Bols voll heißen Tees und Kaffees für erträgliche zwei Euro. Wir checken ein und beziehen unseren Bungalow. In der Gite gibt es mehrere Schlafräume (mit je 5 Betten à 3 Etagen) und einige sogenannte Bungalows. Diese sind günstiger und haben nur 4 Betten à 2 Etagen. Die Frage, warum diese günstiger sind, beantwortet sich beim Betreten – es sind eigentlich eher stabile Zelte und es braucht kein Fenster, um zu wissen, ob draußen gerade Wind und Regen toben. Wir stellen uns trotz der zwei dicken Wolldecken auf eine kalte Nacht ein.

Bungalow Caverne Dufour
Bungalow Caverne Dufour

Den Rest des Nachmittags verbringen wir im Aufenthaltsraum mit Tee trinken und Spielen. Je mehr Leute ankommen, umso angenehmer wird die Temperatur im Aufenthaltsraum – eine Menge Menschen haben eben doch eine gewisse Heizkraft. Irgendwann tauchen auch alte Bekannte wieder auf: unser französischer Mitbewohner aus Roche Plate und auch Nikki und Robert aus Trier kommen wohlbehalten aus Hell Bourg an. Sie berichten, dass die Strecke dort entlang doch recht anstrengend war.

Das Abendessen gibt es hier oben bereits um 18:30 Uhr. Niemand hat etwas dagegen, denn erstens kann man hier oben, zumindest bei dem Wetter und bei der inzwischen eingetretenen Dunkelheit, eh nichts anderes machen, und zweitens wollen morgen alle sehr früh starten. Es gibt ausnahmsweise mal keine Vorspeise, sondern geht direkt mit Rougail Saucisses los, was mittlerweile zu meinem Lieblingsessen geworden ist. Zum Dessert gibt es eine Art Apfelmus und sogar hier oben flaschenweise Rhum Arrangé.

Nach dem Essen ist praktisch umgehend Schlafen angesagt. Auf dem Weg vom Essensraum zu den Klos stellen wir fest, dass es nicht nur abartig kalt ist (viel über null Grad kann es eigentlich nicht mehr sein), sondern die Wolken um uns herum jetzt auch noch Regen absondern. Es ist pitschnass und wir sehen zu, dass wir in unseren Zelt-Bungalow kommen. Gut, dass wir eine Taschenlampe für die paar Meter Weg dabei haben – man sieht die Hand vor Augen kaum. Im Bungalow einigen wir uns mit unseren Mitbewohnern – unser französischer Freund ist witzgerweise auch wieder darunter – auf eine Weckzeit. Der Aufstieg ist mit 1:50 Stunde angegeben und Sonnenaufgang ist um 6:13 Uhr. Wir beschließen, dass der Wecker um 4:00 Uhr klingeln wird. Viel mehr als Anziehen und losgehen bleibt ja eh nicht zu tun. Dann kriechen wir in unsere Schlafsackinletts und unter die dicken Wolldecken – und staunen, wie angenehm warm es ist. Frieren werden wir heute Nacht jedenfalls garantiert nicht.

 

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