Früher oder später kriegen wir euch… oder: Warum es gut ist, zwei halbe Tage Calafate gegen einen Tag Chaltén zu tauschen

Der Tag beginnt mit dem Aushecken eines perfiden Plans, während wir beim Frühstück drei Kerzen unseres Pocket Advents anzünden. Anschließend fahren wir zunächst zum Mirador vor der Stadt und checken die Großwetterlage. Ergebnis: der Cerro Torre präsentiert sich frisch mit Puderzucker-Schnee bestäubt in der strahlenden Sonne.

Der Cerro Torre strahlt in der Sonne
Der Cerro Torre strahlt in der Sonne

Der Fitz Roy, das Objekt unserer eigentlichen Begierde, ist hingegen nicht zu sehen. Was also tun? Und hier greift nun unser perfider Plan: wir starten, nachdem wir uns in einer Panaderia mit einem großen Sandwich als Wegzehrung eingedeckt haben, in Richtung der Laguna Torre (siehe gestrige Wanderung). Der Vorteil liegt klar auf der Hand: sollten wir auf dem Mirador feststellen, dass der Fitz Roy (von uns liebevoll Fitzefatz genannt) nicht hinter seiner dicken Wolke hervorkommt, laufen wir weiter zur Laguna Torre und können zumindest den tollen Anblick des Cerro Torre Massivs genießen. Sollte der Fitzefatz sich jedoch zeigen, können wir nach etwa zwei Drittel des Weges abbiegen und an zwei weiteren Lagunen vorbei ins Nachbartal wandern, wo wir wieder auf dem Weg zur Laguna de los Tres landen.

Gesagt, getan – unser Plan wird in die Tat umgesetzt. Unser „very new car“ stellen wir wieder vor der Haustüre ab und starten – heute erst gegen zehn, also eine Stunde später als üblich – den Berg hinauf zum Mirador Torre. Der Anstieg ist genauso anstrengend wie gestern, aber nach einigen Metern macht sich die heutige Sonne bemerkbar und ich entledige mich hinter einem Busch meiner langen Unterhosen (nur, um mal einen Eindruck von den hiesigen Temperaturen zu vermitteln). Am Mirador angekommen, stellen wir fest, dass sich der Cerro Torre langsam wieder hinter einer Wolkendecke versteckt. Dieses Bild kennen wir bereits von gestern, so dass die Laguna Torre heute kein sinnvolles Ziel darstellt. Bleibt uns noch, an den beiden Lagunen Madre e Hija vorbei zur Laguna de los Tres zu wandern. Der Fitzefatz ist noch immer nicht wirklich zu sehen, aber zumindest linst eine kleine Ecke von ihm schon einmal unter seiner Wolke hervor. Wir beschließen also, es mit der Laguna de los Tres zu versuchen – zumindest haben wir dann die beiden uns noch unbekannten Lagunen gesehen.

Natürlich beginnt der Abzweig mit einem Aufstieg. Läuft man von einem Tal ins Nachbartal, ist es irgendwie auch naheliegend, dass dabei ein Berg überquert werden muss. Aber wir sind ja mittlerweile gut im Training und so absolvieren wir den erneuten Aufstieg quasi mit links (rechts schlöfen wir so hinterher). Belohnt werden wir dafür mit einem Anblick der beiden Lagunen vor den Bergen, wie er im Bilderbuche steht.

Madre e Hija (Mutter und Tochter) vor den Bergen
Madre e Hija (Mutter und Tochter) vor den Bergen

An der ersten Lagune machen wir erst einmal eine kleine Mittagspause und schlachten unser Sandwich. Als wir dann an den beiden Lagunen entlanglaufen, trauen wir unseren Augen kaum, als hinter dem Berg plötzlich der Fitzefatz hervorlugt!

Fitzefatz lugt um die Ecke - und ganz ohne Wolken!
Fitzefatz lugt um die Ecke – und ganz ohne Wolken!

Von diesem Anblick beflügelt, fliegen wir sozusagen die Lagune entlang bis zum Campamento Poincenot, hinter dem dann der schon bekannte (fiese, dreckige, steile, nicht enden wollende) letzte Anstieg zur Laguna de los Tres beginnt. Interessanterweise haben wir unterwegs immer wieder Gelegenheit, die Zipfelmützen von Poincenot oder Fitzefatz zu begutachten – beim letzten Mal ahnten wir noch nicht einmal, dass es hier etwas zu sehen geben sollte. Noch vor halb vier haben wir es dann geschafft – wir sind an der Laguna angekommen. Der Anblick ist atemberaubend – anders kann man es einfach nicht sagen.

Ist das nicht einfach sagenhaft schön?!
Ist das nicht einfach sagenhaft schön?!

Unser Plan ist voll und ganz aufgegangen – und das in doppelter Hinsicht, denn ohne unsere Umplanung wären wir heute bereits nach Calafate zurückgefahren. Dank des herrlichen Wetters lässt es sich heute sogar ganz prima eine Weile dort oben an der Laguna aushalten (mit dicker Fleecejacke, versteht sich).

Den Rückweg nehmen wir über den „normalen“ Weg, d.h. über den Mirador Fitz Roy (auch von hier ist der gute alte Fitzefatz noch immer ein Prachtstück) und zurück nach El Chaltén. Ein Abschiedsbild vom Ort machen wir bei der Gelegenheit auch gleich noch – liegt er doch heute so wunderschön in der Sonne.

El Chaltén im Sonnenschein
El Chaltén im Sonnenschein

Da uns mittlerweile doch einige Knochen weh tun und der Magen knurrt, ist es sehr naheliegend, in ein Restaurant zu gehen, das möglichst nah am Ende des Wanderweges und unserer Unterkunft liegt. Führt man eine grobe Optimierungsberechnung durch, landet man – wo sonst – in der Wafleria. Hier gibt es nun also das letzte Mal leckere Waffeln und heiße Schokolade für uns – und da wir so nette Stammkunden waren, bekommen wir zum Abschied noch jeder ein Bild einer „antiken“ Karte von El Chaltén geschenkt. Ein schöner Abschluss.

Track (Gesamtstrecke)

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