Wer rastet, der rostet – also auf zur Laguna de los Tres

Heute morgen stehen wir vor der schweren Entscheidung, ob wir die Wanderung zur Laguna de los Tres (=ziemlich bergauf) oder zur Laguna Torre (=eher flach) machen wollen. Das Wetter sieht nicht gar so schlecht aus (es stürmt und regnet nicht, der Himmel ist aber recht wolkenverhangen), also entscheiden wir uns für die schwierigere Tour. Nach dem Frühstück starten wir zu unserer üblichen Loswanderzeit um neun und es beginnt mit einem ganz ordentlichen Anstieg aus dem Ort heraus den Berg hinauf. Nach einer guten Stunde ist der erste Aufstieg auf gut 700m geschafft und wir stehen am Mirador del Fitz Roy. Von hier aus, so besagen Gerüchte, soll bei gutem Wetter der Fitz Roy zu sehen sein. Nun, wir sehen… Wolken.

Mirador del Fitz Roy - ohne Fitz Roy
Mirador del Fitz Roy – ohne Fitz Roy

Ach ja – und wir können sehen, wo uns der Weg später entlang führen wird:

Dort geht's hinauf!
Dort geht’s hinauf!

Wir stellen uns also darauf ein, dass wir an der Laguna de los Tres ebenjene Tres (die drei Berge) nicht sehen werden und machen uns weiter auf den Weg. Dieser geht nun erst einmal relativ eben und entspannt dahin. Wir treffen unterwegs auf ein paar Freiwillige, die hier Wege anlegen und ausbessern und um nicht-monetäre Spenden bitten. Ich kann nicht anders und wir sortieren aus unserem Proviant solange Leckereien aus, bis wir fürchten müssen, den heutigen Tag nicht mehr unbeschadet zu überstehen. Die Freude auf Seiten der Freiwilligen ist riesig – wer Baumstämme und Steine schleppt, kann ein paar Schoko- und Müsliriegel gut gebrauchen. Mit dem guten Gefühl, wieder einmal etwas Gutes getan zu haben, setzen wir unseren Weg fort. Gegen Mittag legen wir zuerst die Regensachen an (jepp, es hat inzwischen ordentlich angefangen zu regnen – aber wir denken uns, es soll sich mal schön ausregnen, dann lösen sich hinterher vielleicht die Wolken auf) und dann kommen wir am Campamento Poincenot an, wo wir eine kleine Mittagspause machen.

Mal wieder eine Brücke - mal wieder Regen
Mal wieder eine Brücke – mal wieder Regen

Kurz dahinter beginnt dann auch schon der letzte knackige Aufstieg auf 1.150m – dank Anstrengung und Regen bleibt die Kamera diesmal gut verpackt im Rucksack.

Als wir kurz vor der Laguna sind, hört es allerdings auf zu regnen und tatsächlich lichten sich ein paar der besonders tiefhängenden Wolken. Und dann stehen wir plötzlich auf dem Bergkamm und sehen hinab auf die Laguna – und was wir sehen übertrifft alle Erwartungen, die wir hieran hatten:

Der erste Blick auf die Laguna de los Tres - atemberaubend
Der erste Blick auf die Laguna de los Tres – atemberaubend

Die Laguna ist zum größten Teil noch zugefroren und schimmert in den herrlichsten Blautönen vor dem beeindruckenden Bergmassiv.

Zugefrorene Laguna de los Tres
Zugefrorene Laguna de los Tres

Nach einer Weile lichten sich immer mehr Wolken und irgendwann lassen sich tatsächlich Teile von „Los Tres“ erkennen.

Die Berge zeigen sich - wenn auch schüchtern
Die Berge zeigen sich – wenn auch schüchtern

Wir können uns kaum satt sehen, aber nach einer Weile bemerken wir, dass viele Mitwanderer links an der Lagune vorbeiwandern und nach einer Weile wieder zurückkommen – uns überkommt die Neugier und wir beschließen, auch mal gucken zu gehen. Unterwegs sagen uns alle, die uns entgegen kommen, wie schön es wäre. Und als wir um die Ecke biegen, rutscht uns beiden ebenfalls ein erstauntes „Oh“ heraus – vor uns liegt eine weitere Lagune, diesmal ganz in grün, in die ein Gletscher mündet.

Ganz in Grün: die Laguna Sucia
Ganz in Grün: die Laguna Sucia

Nachdem wir noch eine ganze Weile gestaunt haben und natürlich auch mal das Wasser der Laguna de los Tres probieren mussten, ist es bereits nach vier Uhr und somit höchste Zeit, den Rückweg anzutreten. Kaum starten wir, ziehen auch schon wieder dicke Woken auf und einige Schritte weiter fängt es wieder an zu regnen. Zur Belohnung sehen wir in einem Waldstück plötzlich ein Pärchen von wunderschönen endemischen Magellanspechten, die gerade das Abendessen für ihre Jungen besorgen.

Magellanspecht Männchen Magellanspecht Weibchen

Magellanspechte: Das Männchen (links) hat einen leuchtend roten Kopf, das Weibchen (rechts) ist ganz schwarz.

Als wir wieder am Mirador del Fitz Roy ankommen, ist von den Bergen nichts mehr zu sehen. Dafür haben wir endlich die Entscheidung getroffen, morgen doch das viele Geld auszugeben und am Ice-Trekking über den Gletscher teilzunehmen. Man lebt schließlich nur einmal. Dafür müssen wir nun die Beine in die Hand nehmen, um noch vor Ladenschluss ein Ticket erstehen zu können. Gesagt, getan und viertel vor acht sind wir unser Geld los und um zwei Tickets reicher.

Anschließend tut uns alles weh und wir merken die große Wanderung in allen Knochen – das beste Zeichen dafür, dass wir uns eine große Waffel und heiße Schokolade verdient haben! Also nichts wie in die Wafleria und die Bestellung fürs Abendessen aufgegeben: Heiße Schokolade mit Sahne, Pfirsichsaft und Waffeln mit frischen Früchten – leeeeecker!!

Track (einfache Strecke)

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