Wir machen voll auf Pauschaltouris – und sind einfach überwältigt von der Bootstour durch die Gletscher

Heute heißt es früh aufstehen – denn um halb neun müssen wir bereits mit gekauften Nationalpark-Eintrittskarten (nein, es gibt keine Mehrtageskarten) am Bootsanleger stehen. Als wir in Punta Bandera ankommen, folgen wir einfach den Reisebussen und finden so den richtigen Anleger. Wir stellen uns also in die Schlange von gefühlten tausend Pauschaltouristen, drücken den Altersdurchschnitt um etwa 40 Jahre und steigern dafür den Fitnessgrad um 40% – immerhin kommen wir selbständig und ohne Rollator aufs Boot. Dafür sind wir nicht ganz so gut im Drängeln, was dazu führt, dass wir leider keinen Fensterplatz mehr bekommen. Sei’s drum – wir sind dick eingepackt und wollen zum Fotografieren eh lieber nach draußen.

Das Boot fährt als erstes zum Upsala Gletscher. Wir bleiben noch eine Weile brav auf unseren Plätzen sitzen – doch dann taucht plötzlich eine riesige Eisscholle auf und uns hält nichts mehr drinnen. Draußen stellen wir schnell fest, dass man gar nicht dick genug eingepackt sein kann, denn mit dem Fahrtwind ist es eisig kalt.

Unsere erste Eisscholle
Unsere erste Eisscholle

Wir sind schwer begeistert, begeben uns danach aber schnell wieder nach drinnen – es ist einfach saukalt da draußen. Dort drinnen hält es uns für ein paar Minuten – bis plötzlich ein richtiger Eisberg auftaucht – und zwar direkt vor uns.

Unser erster Eisberg
Unser erster Eisberg

Der Kapitän tut uns den Gefallen, eine Weile vor dem Eisberg auszuharren, damit auch jeder sein Foto bekommt (oder in unserem Fall, wir unsere 200 Fotos bekommen). Von nun an geht es Schlag auf Schlag und wir fühlen uns ob der Menge der Eisberge und -schollen in die Antarktis versetzt. Die anfängliche Ansage lautete, dass der Kapitän sehen würde, ob wir heute zum Upsala-Gletscher durchkommen oder ob Eisberge die Durchfahrt unmöglich machen. Bei diesem Anblick zweifeln wir, ob wir den Gletscher heute zu sehen bekommen werden:

Da hindurch geht's zum Gletscher!
Da hindurch geht’s zum Gletscher!

Doch der Kapitän macht es irgendwie möglich und findet einen Weg durch dieses Meer aus Eisbergen und -schollen. Für uns die Gelegenheit, weitere 500 Fotos zu schießen. Dann fahren wir auf den Gletscher zu und plötzlich weht uns von vorne ein heftiger, eisiger Wind entgegen – der scheint direkt vom Gletscher zu kommen. Zum Glück stellt der Kapitän bald den Motor ab, so dass zumindest der Fahrtwind weg bleibt.

Der Upsala-Gletscher
Der Upsala-Gletscher

Anschließend geht es wieder zurück und wir finden eine weitere Kuriosität aus der Welt der Eisberge: einen vollkommen kristallklaren Eisberg. Hierzu gab es eine Erklärung über Lautsprecher, die aber leider aufgrund des Fahrtwindes nicht unsere gut verpackten Ohren erreicht hat. Unglaublich schön sah er aber auch ohne Erklärung aus.

Kristallgletscher
Kristallgletscher

Danach ging es in einen weiteren Arm des Lago Argentino, zum Gletscher Spegazzini (auch als Spackofatzo bekannt). Wir nutzen die Gelegenheit, um uns nach über einer Stunde in der Kälte jetzt wieder aufzuwärmen. Wir erstehen dazu einen Tee und setzen uns ins Boot – wo mir die ältere (ok, alte) Dame neben mir ein Kotelett an die Backe labert. Aber ich bin ja ein netter Mensch und so höre ich brav zu und werfe ab und zu ein gut platziertes „Sí“ ein. Die Dame freut’s.

Der Spegazzini selbst glänzt insbesondere durch seine schier unglaubliche Höhe von 130m über der Wasseroberfläche.

Der Spegazzini Gletscher
Der Spegazzini Gletscher

Als letztes kündigt die Ansage die Fahrt zum Perito Moreno an. Das ist natürlich das Highlight, auf das alle Passagiere warten, aber dafür müssen sie sich noch knapp zwei Stunden gedulden. So lange soll nämlich die Fahrt in den entsprechenden Seitenarm des Lago Argentino dauern. Wir nutzen die Zeit wiederum zum Aufwärmen und schlafen binnen Sekunden ein. Als ich irgendwann aufgrund der Ansage, dass wir uns dem Gletscher nähern, wieder aufwache, freut sich die Dame – endlich wieder ein Zuhörer. Wir begeben uns also wieder in die Kälte, die nach dem Schlafen noch viel kälter ist als vorher schon, und bestaunen noch einmal den Perito Moreno – diesmal ganz aus der Nähe, denn wir fahren bis auf rund 300m an den Gletscher heran (was sich anfühlt, als könne man die Hand ausstrecken und ihn anfassen). Trotz Ankündigung in drei Sprachen erbarmt sich der Gletscher heute jedoch nicht, ein nennenswertes Stück abzuwerfen. Schön sieht er trotzdem aus.

Der Perito Moreno vom Boot aus
Der Perito Moreno vom Boot aus

Die Rückfahrt in den Hafen dauert nur noch eine halbe Stunde und nachdem alle Passagiere heil das Boot verlassen haben, machen wir uns auf den Weg zurück nach El Calafate. Dort versuchen wir zunächst noch einmal, den Bankautomaten zu plündern. Die Feuerland-Bank hat leider schon kein Geld mehr. Wir versuchen es bei der Nationalbank und können dort unser frisch erlangtes Wissen (Wie bediene ich einen argentinischen Geldautomaten?) an ein paar Touristen weitergeben, die genauso dankbar sind, wie wir es gestern Morgen noch waren. Leider sagt mir der Geldautomat nach den ersten tausend Pesos, dass mein Kontostand null sei und er mir kein Geld mehr geben könne. Ich bin leicht verwirrt, aber zumindest sind wir erstmal wieder zahlungsfähig (eine spätere Kontrolle ergibt, dass der Kontostand keineswegs null ist – vermutlich war einfach ein Tageslimit an Abhebungen erreicht). Danach fahren wir ins Hotel zurück und arbeiten noch ein wenig am Blog – bis wir uns zum Abendessen in ein Restaurant ganz in der Nähe setzen… und natürlich Rinderfilet essen. Lecker!

PS: Fotoausbeute des heutigen Tages: 1.106 Bilder

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.