Von Punta Arenas in den Nationalpark Torres del Paine

Nach einer (selbstverschuldet) sehr kurzen Nacht stehen wir früh auf, duschen (wer weiß, wann es die nächste warme Dusche gibt) und packen die letzten Sachen zusammen. Nach dem Frühstück erwartet uns unser Fahrer bereits, um uns zum Büro unserer Busgesellschaft Fernández und somit zum Abfahrtsort unseres Busses nach Puerto Natales zu bringen. Nach nur fünf Minuten dort angekommen, bleibt uns noch genug Zeit, um in der Umgebung nach etwas Essbarem zu suchen. Während Mama auf das Gepäck aufpasst, flitze ich daher kurz die Straße hinauf und erstehe in einem Eckladen zwei Sandwiches (Schinken und Käse, welch Überraschung in Südamerika) und eine Packung Kekse. Der Bus ist sehr bequem und die patagonische Landschaft atemberaubend. Zunächst fahren wir ein Stück entlang der Magellanstraße und später durchqueren wir typisch patagonische, endlose Weiten. Hier und da finden sich kleinere oder auch größere Schafherden (süß, da es gerade viele kleine Lämmer gibt – die hier übrigens keine Osterlämmer sind), andernorts grasen Pferde oder Kühe (lecker, unsere Steaks!) und auch ein paar Nandus bekommen wir zu sehen.

Guanacos
Guanacos

In Puerto Natales angekommen, holt uns eine nette Dame am Bus ab und bringt uns mit dem Auto zur Busgesellschaft Gómez (gefühlt zwei Querstraßen weiter), die uns von hier aus in den Nationalpark bringen soll. Bis dahin sind jedoch noch gute zwei Stunden Zeit, so dass wir beschließen, einen kleinen Stadtbummel zu machen und uns ein Restaurant zu suchen. Gesagt, getan.

Puerto Natales
Puerto Natales

Zunächst bummeln wir etwas durch den überschaubar großen Ort, allerdings scheinen viele Restaurants noch geschlossen zu haben. An einem Hostal fragen wir daher, wo wir etwas zu essen finden könnten und bekommen zwei Alternativen genannt. Mama entscheidet sich für Pizza und so sitzen wir kurz darauf in einer urgemütlichen kleinen Pizzeria und teilen uns eine Pizza. Anschließend bummeln wir weiter durch die Straßen und gehen in einen der unzähligen Outdoor-Läden, die es hier gibt. Und weil es gerade so gut passt, erstehe ich noch eine Hose, die mir für den W-Trek besser geeignet scheint als die, die ich dabei habe.

Der Bus in den Nationalpark ist dann noch bequemer als der erste Bus, so dass es schwer fällt, nicht direkt einzuschlafen. Aber die Landschaft und insbesondere die Berge, die nun am Horizont auftauchen, verbieten das natürlich. Und nach einiger Zeit haben wir ihn dann: den ersten Blick auf die Torres!

Der erste  Blick auf die Torres
Der erste Blick auf die Torres

Wir fotografieren, was das Zeug hält, denn wer weiß, ob wir sie noch einmal so klar sehen werden. Als wir in den Nationalpark kommen, quert direkt vor unserem Bus eine Herde Steaks die Straße – leider hat sie aber einen Aufpasser dabei.

Eine  Herde Steaks
Eine Herde Steaks

Der Bus fährt uns bis zur Nationalparkverwaltung an der Laguna Amarga. Hier werden wir alle aus dem Bus gekippt und dürfen unseren Obolus für die Erhaltung des Parks entrichten. Anschließend werden wir in einen Raum geführt und bekommen ein Video zu sehen, in dem die Sicherheits- und Verhaltensrichtlinien für den Park erläutert werden. Als wir wieder in unseren Bus einsteigen wollen, stellt sich heraus, dass hier für uns Endstation ist und so holen wir in aller Eile unser Gepäck aus dem Bus. Wir verfrachten es in einen kleinen Shuttle, der uns nun wiederum zum Hostal Las Torres bringen soll, wo wir unsere erste Nacht verbringen werden. Dort angekommen, stellen wir zunächst fest, dass bei der eiligen Gepäck-Umsiedlung leider mein GPS auf der Strecke geblieben ist. Wiederholte Nachforschungen im Laufe des Abends werden ergeben, dass es niemand gesehen haben will. Wir registrieren uns also erst einmal im Hostal und bekommen unsere Essensmarken. Eine fürs Abendessen, eine fürs Frühstück und eine fürs Lunchpaket. Dann stellen wir unseren zweiten großen Rucksack und unseren zweiten Tagesrucksack (beides in eine große Hülle verpackt) im Hostal unter und erhalten die Info, dass die Aufbewahrung eintausend Pesos pro Tag kostet. Ah ja. Nun denn – das Zeug mitzuschleppen ist keine Option.

Anschließend laufen wir rüber auf den Zeltplatz – eine schöne Wiese mit einzelnen Bäumen und sogar diversen Picknick-Tischen direkt zu Füßen der Torres. Was könnte es schöneres geben. Wir suchen uns ein möglichst windgeschütztes Plätzchen – noch ist zwar phantastisches Wetter mit viel Sonne und so gut wie gar keinem Wind, aber wer weiß, wie es sich über Nacht entwickelt. Viele unserer Mit-Zelter sparen sich sogar die Sturm-Abspannung an ihren Zelten, aber dafür bin ich doch nicht risiko-affin genug. Wir spannen also alles ab, was geht. Inklusive Instruktionen, Isomatten aufblasen und Einrichten des Zeltes brauchen wir eine dreiviertel Stunde. Nicht schlecht fürs erste Mal, aber auch nicht gerade rekordverdächtig.

Unser Zelt im Campamento Las  Torres
Unser Zelt im Campamento Las Torres

Die Zeit, die uns noch bis zum Abendessen bleibt, nutzen wir für eine kleine Fotopirsch um den Zeltplatz. Das Essen nehmen wir dann im Hostal zu uns, wo wir an großen Tischen zuerst eine sehr leckere Gemüsesuppe bekommen, danach Lamm mit Kartoffelpüree und als Dessert sogar noch ein Erdbeer-Dings (hatte bestimmt einen Namen, war für uns aber nicht weiter identifizierbar). Insgesamt deutlich mehr und deutlich besseres Essen, als wir es hier erwartet hätten. Nach dem Essen machen wir uns bettfertig und schreiben dann noch etwas Tagebuch im Zelt, bevor uns die Müdigkeit endgültig übermannt und wir in unsere erste Nacht im Torres del Paine starten.

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