Schnorcheln mit Haien und Muro de las Lágrimas

Heute klingelt der Wecker eine Viertelstunde früher als sonst – und das ist auch gut so, denn schließlich geht es heute auf die Insel Isabela. Nach dem Frühstück treffe ich mich mit Rick und wir marschieren die fünf Minuten zum Flughafen. Hier herrscht noch gähnende Leere (wie vermutlich 80% des Tages), aber wir waren schließlich angewiesen worden, um sieben Uhr dort zu sein. Im Büro der kleinen Fluggesellschaft, die nur zwischen den Inseln operiert, können wir dann auch direkt einchecken und unser Gepäck aufgeben. Durch das Fenster sehen wir auf dem Rollfeld eine kleine und eine sehr kleine Maschine stehen – wir schließen eine lockere Wette ab, die ich gewinne: wir steigen selbstverständlich in die sehr kleine Maschine ein 😉

Da alle sechs Fluggäste (womit das Flugzeug denn auch voll ist) sehr pünktlich sind, startet der Flieger einfach schon um halb acht und nicht wie geplant erst um acht. Nun ja, das mit dem Flugverkehr hält sich hier eben doch sehr in Grenzen, so dass eine Abstimmung mit dem weiteren Flugplan eigentlich entfällt. Während der Pilot noch mal ums Eck geht (oder so), dürfen wir uns auf seinem portablen DVD-Player noch eben das (sehr home-made anmutende) Video mit den Sicherheitsinformationen ansehen.

Sicherheitsvideo
Sicherheitsvideo

Damit muss der Sicherheit denn aber auch Genüge getan sein – wir fliegen los. Co-Piloten sind völlig überbewertet, dem Piloten wird schon nichts passieren. Die Wolkendecke über Galapagos ist wie üblich einigermaßen dicht, so dass wir während des Fluges nur gelegentliche Blicke auf Teile der anderen Inseln erhaschen. Im Landeanflug auf Isabella zeigt sich schnell, dass wir uns hier auf der zweitjüngsten Insel vulkanischen Ursprungs befinden: wir meinen, auf dem Mond zu landen. Die ganze Insel scheint nur aus Lavagestein zu bestehen. (An dieser Stelle sei angemerkt, dass der letzte größere Vulkanausbruch hier 2006 war und es immer noch genügend aktive Vulkane auf der Insel gibt.)

Anflug auf  Isabela Anflug auf Isabela

Kaum gelandet, hält ein Aufpasser am Flughafen auch schon die Hand auf und kassiert die Flughafennutzungsgebühr. Für einheimische zwei Dollar, für Festland-Ecuadorianer drei Dollar, für Touristen zehn Dollar. Gern geschehen. Dafür werden wir am Flughafen von unserem Hostal-Besitzer abgeholt und fahren mit ihm zusammen mit einem Taxi das kurze Stück in die „Stadt“ und zu seinem Hostal Posada del Caminante. Einer großen Rede, dass er keine leeren Versprechungen im Internet machen würde und wir hier demzufolge alles finden, was er anpreist, folgt die Einschränkung, dass das Internet aber leider nur im anderen Gebäude, 200m weiter, vorhanden wäre (aber wir können es jederzeit dort benutzen!). Nun gut. Wir sagen ihm, dass wir heute gerne noch etwas machen würden und er telefoniert kurzerhand, um zu erfragen, ob es für die Tintoreras-Tour um neun Uhr noch Plätze gäbe. Die gibt es (wie sich später heraus stellt, sind wir die beiden einzigen) und so ziehen wir uns nur kurz um und stehen dann in den Startlöchern. Kurz darauf (wir sprechen hier von einem „kurz“ nach ecuadorianischen Maßstäben) werden wir an die Pier gefahren und warten dort dann wiederum „kurz“ auf unser Boot. Währenddessen vertreiben wir uns die Zeit mit den Lobos und den Marine Iguanas auf dem Bootssteg und den Lobos und Rochen im Wasser unter uns. Dann steigen wir in unser Boot und fahren zunächst ein wenig die Bucht ab. Die Bucht wird eingeschlossen von kleinen (winzigen) vorgelagerten Inselchen, auf denen sich unzählige Iguanas tummeln. Auf einer bekommen wir sogar eine Handvoll Pinguine zu sehen.

Pinguine
Pinguine

An einer größeren Insel halten wir an und gehen an Land. Es folgt ein Spaziergang über die Insel, wobei wir bei jedem Schritt aufpassen müssen, nicht auf einen der Iguanas zu treten – sie sind einfach verdammt gut getarnt auf dem schwarzen Lavastein und sitzen wirklich überall. So durchstreifen wir das Brutgebiet der Iguanas und anschließend ihren Kindergarten.

Marine Iguana
Marine Iguana
Marine Iguanas
Marine Iguanas
Marine Iguana
Marine Iguana

Zwischendurch kommen wir an einem kleinen natürlichen Kanal vorbei, in dem ein paar Weißspitzenhaie schlummern.

Weißspitzenhaie
Weißspitzenhaie

Nach dem Spaziergang auf der Insel besteigen wir wieder unser Boot, fahren ein paar Meter weiter und nun ist Schnorcheln angesagt. Diesmal gibt es sogar Flossen dazu, also auf geht’s. Als erstes hüpft der Guide ins Wasser und schwimmt schon mal los. Ich folge ihm und springe – direkt auf einen Weißspitzenhai. Na prima, hab ich diese Attraktion also auch direkt mit abgehakt. Ich schwimme ihm noch einen Moment hinterher und drehe dann ab, weil der Guide leider in die andere Richtung losgeschwommen ist. Als ich zu ihm aufgeschlossen habe, schwimmen wir weiter und beobachten eine riesige Schildkröte beim Fressen am Fels. Bilde ich mir das ein oder sind die wirklich jedes Mal größer, wenn ich eine sehe? Oder sind sie einfach nur immer wieder so beeindruckend? Wie dem auch sei… der Schildkröte folgen Fischschwärme von kleinen bunten Fischen bis hin zu richtig großen.

Nach dem Schnorcheln geht es mit dem Boot zurück. Da ich pitschnass bin, verkrieche ich mich in eine windgeschützte Ecke des Boots und lasse es mir dort gut gehen. Mittlerweile fordern das frühe Aufstehen, die Tablette gegen Reiseübelkeit, die Sonne und das Schnorcheln ihren Tribut und ich ratze direkt auf dem Boot weg. Nach gefühlten zehn Sekunden sind wir jedoch schon angekommen und ich muss mich wieder aufraffen. Wir spazieren in die Stadt zurück und in unser Hostal, wo ich mich erstmal unter die Dusche stelle – äh, sollte die nicht laut Internet eigentlich warm sein?? Bibber.

Anschließend suchen wir uns ein Restaurant aus (der Ort ist klein genug, als dass die Auswahl überschaubar ist) und essen erstmal zu Mittag. Nach dem Essen ruhen wir uns ein wenig aus und dann starten wir zur Muro de las Lágrimas (Wall of Tears). Laut Hostal-Besitzer soll der Weg fünf Kilometer lang sein und per Handzeichen gibt er grob die Richtung an. Wir ziehen noch ein paar Informationsquellen (Broschüren etc.) mehr zu Rate und glauben dann, einen recht wahrscheinlichen Weg gefunden zu haben. Am ersten Hostal am Wege fragen wir einen Einheimischen, ob der Weg korrekt sei – und er schickt uns ein paar Meter zurück, damit wir stattdessen am Strand entlang gehen. Auch gut. Gesagt, getan und nach etwa drei Kilometern kommen wir an eine Art kleine Lichtung, an der endlich eine Hinweistafel steht – und das unvermeidliche Registrier-Häuschen. Wir registrieren uns also und starten auf dem ab hier noch fünf Kilometer langen Weg in Richtung Muro. Wir legen ein ganz ordentliches Marschtempo vor, aber der Weg zieht sich in der Schwüle wie Kaugummi. Irgendwann kommen uns zwei Einheimische entgegen und machen uns mit den Worten „ya mismo!“ Mut, dass wir es sozusagen fast geschafft haben. Na ja, das „fast“ zieht noch gute zehn Minuten Marsch nach sich (während derer wir an zwei Schildkröten vorbeikommen, von denen uns eine böse anfaucht), aber dann steht sie vor uns, die Mauer. Einst von Strafgefangenen erbaut, um sie beschäftigt zu halten (und vermutlich einfach zu quälen), hat sie eine recht beeindruckende Dicke von schätzungsweise sechs Metern (am Boden), eine Höhe von vielleicht zehn Metern und eine Länge von etwa hundert Metern (alles Schätzwerte – die Angaben hierüber variieren massiv).

Wir ruhen kurz aus und machen uns dann auf den Rückweg (die Schildkröte ist mittlerweile auf die andere Seite des Weges gewechselt, faucht uns aber wieder böse an). Dann gönnen wir uns noch ein wenig Pause, bevor wir zum Abendessen wieder vor der Qual der Restaurantwahl stehen. Wir treffen auf ein paar uns schon von San Cristóbal bekannte amerikanische Studenten und stürmen kurzerhand gemeinsam ein Restaurant. So wird es noch ein lustiger Abend, bevor wir uns halbwegs zeitig ins Bett begeben, da es morgen früh raus geht – wir wollen rauf zu den Vulkanen.

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