Neue Woche, neues Chaos

Heute geht es nach dem Frühstück wie üblich in die Schule. Als erstes stelle ich fest, dass die Kids unsere halbfertigen Hüpfspiele (die Nummern bzw. Buchstaben fehlen ja noch) schon jetzt lieben. Mit Nina und Natasja habe ich ausgemacht, dass wir uns heute Abend noch einmal treffen, um die kleinen Kunstwerke zu vollenden. Als der „Unterricht“ beginnt, zeigt sich, dass die Kids übers Wochenende offenbar wieder alles verlernt haben, was wir ihnen in der vergangenen Woche mühsam versucht haben, einzutrichtern. Sie grüßen nicht mehr, sie rennen wieder wie wild durch die Klasse, sie schreien die ganze Zeit herum, sind unkonzentriert, hören nicht zu und und und. Wir bringen einen anstrengenden Tag mit Geschichten erzählen, malen und etwas Englischunterricht herum. Eine neue Art der Abwechslung bringt das wöchentliche (na nu? Letzte Woche muss es wohl ausgefallen sein?) Hymne-Singen. Dabei stellen sich die Kids in Reihen auf, packen sich mit der rechten Hand an die Stelle ihres Oberkörpers, wo sie ihr Herz vermuten und singen dann inbrünstig die ecuadorianische Nationalhymne, während zwei Kinder die Ehre erfahren, die Fahnen (von Ecuador und von Galapagos) hissen zu dürfen. Im Anschluss wird noch abgefragt, was die Fahne an Farben und Symbolen beinhaltet und dann schwören die Kinder bei ihrem Leben, die Fahne für ihr Land zu verteidigen. Äh… ja nee is klar. Macht bei Fünfjährigen sicherlich Sinn.

Fahnenappell
Fahnenappell

Zum Mittagessen geht es wie immer in meine Gastfamilie und anschließend mache ich mich direkt auf den Weg ins ProjectsAbroad-Büro. Hier gehe ich mit Daniela den zweiten Fragebogen zu meinem Wohlbefinden, meiner Gastfamilie und meiner Arbeit durch und verabrede mich dann mit Natasja und Nina für fünf Uhr zum Malen. Die Zeit bis dahin verbringe ich (wie sollte es anders sein) bei Kaffee im Mockingbird. Das Internet ist nach nunmehr drei Tagen endlich wieder verfügbar – irgendwer hat gerüchtehalber ein Stück Kabel geklaut, was dazu geführt hat, dass es den größten Internetprovider Ecuadors lahmgelegt hat und das Land dementsprechend einigermaßen offline war.

Um fünf Uhr machen Natasja, Nina und ich uns mit Farben und Pinseln bewaffnet auf zur Schule. Hier findet um diese Zeit gerade eine Elternversammlung meiner Klasse statt. Kinder wie Eltern wurden mehrfach darauf hingewiesen, dass keine Kinder mitzubringen sind (um permanente Störungen der Versammlung zu vermeiden) – und natürlich laufen wir direkt hinter dem Eingang erst einmal in eine Horde von knapp zehn Kindern. Das heißt also, dass wir wieder ein sehr wachsames Auge auf unsere Kunstwerke haben müssen, weil wir sie nicht absperren können (abgesehen davon, dass das die Kids vermutlich auch nicht wirklich abhalten würde). Wir beginnen mit unserer Vokal-Raupe und versehen sie mit Buchstaben. Anschließend verteilen wir die Zahlen von eins bis zehn auf unserer Rakete.

Schulhof bemalen
Schulhof bemalen
Schulhof bemalen
Schulhof bemalen

Nach gut einer Stunde sind wir mit unserem Werk zufrieden, baden unsere Hände in Spiritus, um die Farbe herunter zu bekommen, schärfen den Kids noch einmal ein, dass die Farben noch nicht getrocknet sind und sie deshalb heute auf gar keinen Fall auf die Bilder treten dürfen und machen uns dann auf den Heimweg.

Nach dem Abendessen beschließe ich, endlich einmal zu Fuß in das neue Haus zu gehen – ich muss es ja zumindest mal ausprobieren. Ich mache mich also auf den Weg und höre nach der Hälfte des Weges plötzlich englische Stimmen – ich stehe vor dem Haus der englischen Familie. Na, da muss ich natürlich noch kurz vorbeischauen und wir quatschen noch eine Runde bei einem Bierchen. Dann ziehe ich weiter und stelle fest, dass der Weg insgesamt nur etwa eine halbe Stunde dauert (ich hatte mit einer dreiviertel Stunde gerechnet) – da er vollständig bergauf geht, beschließe ich, dass das ab jetzt mein tägliches Pensum Training wird.

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