Sonntagsausflug auf San Cristóbal (oder: wie man sich anständig die Haut verbrennt)

Heute Morgen werde ich kurz nach fünf von einem fiesen Geräusch wach. Irgendwo plätschert Wasser. Viel Wasser, sehr nah. In meinem Zimmer? Nein, nach kurzer Orientierung finde ich heraus, dass gerade Wasser in das Reservoir fürs Haus eingelassen wird, das sich leider direkt vor meinem Fenster befindet. Da Wände und Fenster hier nicht denselben Zweck wie zu Hause erfüllen, halten sie eigentlich nichts ab, insbesondere keine Geräusche. Warum zum Henker geht das jetzt an?? Und vor allem: geht das von alleine wieder aus, bevor das Reservoir überläuft? Draußen ist es noch stockfinster, so dass ich nichts sehen kann. Ich beschließe also erstmal, aufs Klo zu gehen. Kaum komme ich von dort zurück, ist von dem plätschernden Wasser nichts mehr zu hören. Meiner kurzzeitigen Erleichterung folgt die Erkenntnis, dass das nur daran liegt, dass das Wasser nun von der Pumpe übertönt wird, die wohl das Wasser aus dem Spülkasten vom Klo ersetzt. Und richtig: die ist natürlich ebenfalls direkt vor meinem Fenster. Irgendwann, an Schlafen ist nicht wirklich zu denken, dämmert es draußen. Ich kann nun ausmachen, wo das Wasser herkommt (ein Rohr, das aus der Erde kommt) und dass an das Rohr eine Art Schwimmer gekoppelt ist. Ich habe also Hoffnung, dass dieser Schwimmer das Wasser irgendwann abstellt, wenn er hoch genug steht. Mit dieser Hoffnung bastle ich mir ein paar Tempo-Oropax und versuche, noch etwas Schlaf zu finden. Das gelingt mir so einigermaßen, als das Wasser höher steigt und damit der Plätscherpegel marginal nachlässt.

Irgendwann stehe ich auf, dusche und bereite mich seelisch und moralisch auf die Herausforderung vor, per Telefon ein Taxi herbeizurufen. Ich kann damit bis gegen halb zehn warten, denn meine Gastfamilie ist morgens erstmal bei der Messe. Das Thema Kirche hatten wir am Abend zuvor noch geklärt und ich war somit von sämtlichen religiösen Aktivitäten freigestellt. Ebenfalls hatte ich am Abend vorher noch Instruktionen erhalten, was ich dem Taxifahrer als Ziel angeben solle (nicht etwa eine Adresse, sondern den Namen meines Gastvaters! – von Straßennamen halten sie hier nicht viel). Was ich nicht so richtig wusste, war die Adresse, zu der ich das Taxi überhaupt erstmal bestellen sollte. Wie ich mir gerade einen Plan zurechtlege, wie ich das Ganze beschreiben könnte (ich wusste, dass das Wohngebiet neu erbaut wurde und zwar speziell für die Lehrer der Insel und vor meinem Haus ist ein Spielplatz, der als Anhaltspunkt dienen könnte, wenn ich mein Wörterbuch noch nach dem Wort für Spielplatz befrage) – klingelt das Telefon. Da die Familie noch nicht hier wohnt, hoffe ich einfach darauf, dass es meine Gastfamilie selbst ist und gehe ran. Und siehe da: Carlos ruft an, weil er mir ja gar nicht die Adresse gesagt hatte, wo das Taxi mich abholen soll. Tja, und so fügt sich eines zum anderen. Die Dame von der Taxi-Firma versteht mich erfreulicherweise gleich beim ersten Versuch und keine 3 Minuten später steht das Taxi vor der Türe. Der Taxifahrer erklärt mir, er hieße Fabricio (glaub ich jedenfalls) und stünde mir jederzeit zu Diensten. Ich komme mir ein klein wenig königlich vor.

Bei meiner Familie angekommen, gibt es Frühstück (eine Art Croissant mit einer Art Wurst, etwas Joghurt, Tee und frisch gepressten, richtig leckeren O-Saft). Anschließend beschließen wir, ein wenig durch die Gegend zu laufen und z.B. mal zu sehen, wo die Schule ist, in der ich arbeiten soll. Ich habe in meinem Rucksack natürlich alles Wichtige dabei: Sonnencreme und auch ein langärmeliges Shirt. Da wir aber nur ein paar Querstraßen gehen wollen und es draußen heftig schwülwarm und bewölkt ist, verzichte ich auf das lange Shirt und schmiere mich nur kräftig mit LSF 30 ein.

Carlos, Angelica und ich tappeln also los durch die Stadt (nennen wir es der Einfachheit halber Stadt, auch wenn Ort angemessener wäre), schauen uns den Malecón noch mal bei Tageslicht an, bestaunen die ganzen Seelöwen, die auf den Bänken und überall herumlümmeln und gehen auch an der Schule vorbei. Da die Schule aus zwei Gebäuden besteht und ich noch nicht weiß, in welchem ich arbeiten werde, gehen wir noch weiter zum zweiten Gebäude. Und dann, weil wir schon mal in der Nähe sind, weiter zum Playa Mann, dem wohl beliebtesten Strand der Stadt. Auch hier tümmeln sich jetzt am Vormittag noch wesentlich mehr Seelöwen als Badegäste.

Playa Mann
Playa Mann

Ein Stück weiter soll es einen Aussichtspunkt geben, den ich natürlich auch noch sehen muss, also spazieren wir dorthin weiter.

Gastfamilie bei Darwin
Gastfamilie bei Darwin

So geschieht es noch mit einer Handvoll Aussichtspunkten mehr und dann ist da dieses Hinweisschild auf den Wanderweg zum Playa Baquerizo Moreno. Der Pfad soll 2km lang sein und anderthalb Stunden beanspruchen (wir beschließen, für Hin- und Rückweg). Und da auch meine Gastfamilie diesen Strand noch nicht kennt und es grad so schön ist, wandern wir also weiter. Nach der Hälfte des Weges passiert, was passieren musste: die Sonne lugt hinter den Wolken hervor. Na klasse. Wenigstens bin ich ordentlich eingecremt, aber ich schwitze auch wie ein Elch, denn das Klima ist nahezu tödlich. Nach einiger Zeit Gekraxel über Lavasteinbrocken kommen wir an einen kleinen Strand (nein, noch nicht unser Ziel) und es kommt uns eine Gruppe Ecuadorianer entgegen. Wir tauschen die üblichen Grußformeln aus, als einer aus der Gruppe plötzlich sagt: „Sandra?!“ – und ich plötzlich wieder Trozki gegenüberstehe. Na, das gab vielleicht ein Hallo und so weiter – meine Gastfamilie hat auch nicht schlecht gestaunt, dass ich hier schon „Freunde“ habe.

Jedenfalls kraxeln wir noch ein gutes Stück weiter, bis wir irgendwann tatsächlich am Playa Baquerizo Moreno ankommen. Ein Traum von einem Strand, das muss man ihm schon lassen!

Playa Baquerizo Moreno
Playa Baquerizo Moreno

Ich schau mir noch ein bisschen die Seelöwen und die Meeresleguane am Strand an und dann treten wir den Rückweg an, während mir langsam klar wird, dass es mit meinen Schultern und meinem Hals heute kein gutes Ende nehmen wird. Als wir den Aufstieg über den Berg fast geschafft haben, bekommt Angelica noch einen kleinen Schwächeanfall (ok, wir hätten vielleicht Wasser mitnehmen sollen), aber ein paar argentinische Touris, die uns entgegen kommen, haben Wasser dabei und zeigen sich spendabel. Kurz vor der Stadt geht es dann noch kurz ins örtliche Interpretationszentrum (Schatten!!!) und dann über Playa Mann (wo ich erstmal Wasser kaufe) wieder zurück nach Hause.

Dort gibt es zunächst Mittagessen, das aus einer Suppe (irgendwas mit Reis und Yucca und einer Art geschmacksneutraler Kochbanane, alles mit Koriander versehen) und anschließend einer Portion Reis (logisch), Kartoffeln, Spiegelei und einer Art Würstchen besteht. Dazu gibt es noch einen kleinen Tomatensalat – natürlich mit Koriander.

Für den Nachmittag schlage ich alle Freiluftangebote und insb. den Strand aus (es gibt wenig an meiner Haut, was nicht schmerzt) und bleibe im Haus. Dort stelle ich fest, dass es hier sogar ein WLAN gibt, so dass noch ein bisschen Kommunikation mit zu Hause möglich ist. Zwischendurch bekomme ich von Angelica einen selbstgebastelten Ring geschenkt, den ich jetzt natürlich voller Stolz trage 😉

Nach dem Abendessen geht es für mich wieder hinauf ins neue Haus und nach etwas Lesen und einer Dusche (kalt, für den Sonnenbrand) ab in die Falle. Autsch. Hinlegen schmerzt.

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