Tag zwei im Paradies: Schwimmen mit Schildkröten

Heute Morgen soll es also auf Bay Cruise gehen. Vorher frühstücke ich und sitze mit einem Norweger am Tisch, der gerade drei Monate in Quito verbracht hat. Bei den Leuten die man so trifft, kommt man sich mit den eigenen Reiseplänen gelegentlich richtig armselig vor 😉

Als ich vor die Tür trete, dann der große Schock: es regnet! Ey, ich bin hier im Paradies! Wie kann das da regnen? Okay… es ist ein recht grünes Paradies und im Hochland sind wir auf der Anreise durch eine Art Nebelurwald gefahren. Aber ausgerechnet heute? Na, bestimmt hört es bald wieder auf zu regnen. Sozusagen als gutes Omen packe ich mir erstmal ordentlich Sonnencreme auf die Haut.

Die Bay Cruise stellt sich zu meiner großen Freude nicht als reine Bootstour heraus. Das wird spätestens klar, als mir der Hotelchef sagt, dass ich richtige Schuhe und Badesachen mitnehmen soll, die Schnorchelmaske würde ich gestellt bekommen. Ich bin auf der Tour die einzige Ausländerin und werde somit von der illustren ecuadorianischen Reisegruppe sofort zur Kuriosität erhoben und nach den ersten vorsichtigen Annäherungsversuchen als beliebtestes Fotomotiv auserkoren. Jetzt weiß ich ungefähr, wie sich Tiere im Zoo fühlen müssen. Sprachlich komme ich einigermaßen klar, den Guide verstehe ich gut und den Rest der Truppe so halbwegs. Eine Ausnahme stellt eine Dame dar, deren Aussprache irgendwie alles andere als klar und deutlich ist. Als sie merkt, dass ich sie nicht allzu gut verstehe, fängt sie zu allem Überfluss an, in gebrochenem Spanisch mit mir zu sprechen, so dass ihre Sätze überhaupt keinen Sinn mehr zu ergeben scheinen und ich völlig verloren bin.

Zuerst besteigen wir ein kleines Boot und fahren entlang der Felsenküste, wo wir neben unzähligen roten Krabben auch ein paar Blaufußtölpel zu sehen bekommen. Mama, dieser hier ist nur für Dich:

Blaufußtölpel
Blaufußtölpel

Kurz darauf legen wir an der sogenannten Finch Bay an und starten unsere kleine Wanderung zu Las Grietas. Zunächst kommen wir am Playa Punta Estrada vorbei, der wohl von den Einheimischen auch als Playa de los Alemanes bezeichnet wird, weil da wohl 1926 irgendwelche Deutschen ankamen. Ich heiße also die ganze Truppe an „meinem“ Strand willkommen und damit ist das Eis endgültig gebrochen. Weiter geht es, vorbei an einigen Salaren, also Stellen, an denen Salz aus Meerwasser gewonnen wird.

Wanderung durch Salinas
Wanderung durch Salinas

Und dann gelangen wir zu Las Grietas. Hierbei handelt es sich, wie der Name vermuten lässt, um eine große Felsspalte, die durch das Auseinanderbrechen von Lavagestein entstanden ist. Diese Spalte ist etwa acht Meter tief mit absolut kristallklarem Wasser gefüllt und wir dürfen das erste Mal schnorcheln gehen. Das Wasser ist angenehm temperiert (interessanterweise soll es laut dem Guide bei Regen deutlich wärmer sein als bei Sonne) und der Anblick der Felsspalte unter Wasser sowie der großen blau gestreiften Fische, die darin umherschwimmen, ist einfach atemberaubend. Nach etwa der Hälfte der Strecke überkommt mich eine neue Erkenntnis: man kann auch unter Wasser Höhenangst bekommen. Zumindest, wenn man über einem acht bis zehn Meter tiefen Abgrund schwebt, bei dem man problemlos bis auf den Grund schauen kann. Trotzdem ist es faszinierend.

Las Grietas
Las Grietas

Anschließend wandern wir zurück zu unserem Boot und fahren wieder ein Stück weiter, bis wir erneut anlegen und diesmal die Schlafstätte der örtlichen Haie und Rochen besuchen gehen. Ein faszinierender Anblick – wir zählen vier riesige Rochen und gut zwanzig Haie, die friedlich auf dem Boden einer kleinen Lagune liegen und ihr Schläfchen halten. Es handelt sich um die weltweit einzigen Haie, die sich „schlafen“ legen, was daran liegt, dass sie in dieser Lagune von jeglicher Strömung abgeschlossen sind und sich einfach nicht bewegen müssen. Am Ufer, das in erster Linie aus Lavasteinbrocken besteht, tummeln sich Unmengen der roten Krabben und auch einen Iguana Marina sehen wir.

Hai-Schlafplatz
Hai-Schlafplatz
Iguana Marina und Krabben
Iguana Marina und Krabben

Nach dem kurzen Landausflug besteigen wir wieder unser kleines Boot und fahren ein Stück in die Bucht hinaus, wo wir wieder die Schnorchelmasken anlegen und uns ins Meer werfen. Tief ist es hier nicht – vielleicht drei bis sechs Meter – aber dafür leben auf den Felsen unter Wasser lustige Seeigel (einen hab ich mal in der Hand gehalten, ein witziges Gefühl), es schwimmen viele kleine und größere Fische dazwischen herum und als Highlight konnte ich ein ganzes Stück mit einer großen Meeresschildkröte schwimmen. Ein sehr beeindruckendes Erlebnis! Zum Abschluss der Tour fahren wir mit dem Boot noch zur Loberia, einer Art Tummelplatz für Seelöwen. Aufgrund der starken Strömung verzichten wir hier auf das Schnorcheln und sehen den Seelöwen vom Boot aus beim im-Wasser-tummeln zu. Und dann geht es wieder zurück nach Puerto Ayora. Auch hier werden wir wieder von Seelöwen begrüßt.

Seelöwen
Seelöwen

Im Hotel wieder angekommen, stelle ich zuerst fest, dass ich mir das Gesicht verbrannt habe. Na toll, es war den ganzen Tag völlig bedeckt, hat immer wieder geregnet und ich hatte Sonnencreme drauf. Wie so was geht, ist mir ein Rätsel. Dann drehe ich aus Spaß einfach mal den Kalt- statt den Warmwasserhahn der Dusche auf (frei nach dem Motto: kälter kann’s ja nicht mehr werden) und stelle nach einer halben entsprechend kalten Minute fest, dass das Wasser urplötzlich sehr heiß ist. Huch… nun ja… denn nur wo „cold“ dran steht, ist auch „hot“ drin!

Kaum geduscht, klopft es an der Tür und der Hotelmanager steht davor, um mir zu sagen, dass gerade zwei andere Freiwillige angekommen sind, die heute Nachmittag eine Tour ins Hochland machen. Ob ich nicht mit wolle. Tja, Kontakte sind immer gut und so werfe ich meinen Plan, heute noch in die Darwin-Station zu gehen, kurzerhand über den Haufen und starte stattdessen mit Alberto (Italien) und Rick (England) ins Hochland.

Als erstes fahren wir zu den „Gemelos“, zwei großen Löchern mitten im Hochland. Hierbei handelt es sich um ehemalige (ca. 3 Mio. Jahre alte) unterirdische vulkanische Kammern, die irgendwann zusammengebrochen sind. Inzwischen sind sie mit einer Art Nebelurwald überwachsen und Heimat für verschiedene Vögel.

Los Gemelos
Los Gemelos

Anschließend geht es auf eine Ranch (wir reden hierbei von mehreren Hektar Land), auf der wilde Schildkröten leben und während einer kleinen Rundwanderung in ihrer natürlichen Umgebung beobachtet werden können. Einfach beeindruckend, wie riesig die Schildkröten sind. Ein Meter Panzerdurchmesser ist überhaupt keine Seltenheit.

Schildkröten
Schildkröten

Als letztes fahren wir zu einem Lavatunnel. Hierbei handelt es sich um einen Tunnel im Fels, den abfließende Lava hinterlassen hat und durch den man nun ca. 400 Meter lang laufen kann. Gemeinerweise kommt kurz vor dem Ende die Decke „etwas“ tiefer, so dass man quasi auf dem Bauch darunter durchkriechen muss. Dafür sehen wir am Ausgang des Tunnels noch einen schlafenden Uhu.

Zum Abschluss des Tages gehen wir ins Restaurant Galapagos Grill, wo es exzellentes Essen zum fairen Preis gibt.

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