Ankunft in Galapagos: die ersten Eindrücke auf Santa Cruz

Heute Morgen bin ich mal wieder vor dem Wecker wach. Diesmal liegt es allerdings nicht am Jetlag, sondern daran, dass die Hotelwände sehr hellhörig sind und ich plötzlich senkrecht im Bett sitze, als ich denke, da würde jemand in meinem Zimmer randalieren. War dann aber doch nur die Putzmannschaft auf dem Flur. Letzten Endes stellt es sich aber als glückliche Fügung heraus, denn der Checkout-Prozess im Hotel übertrifft alles bisher dagewesene: ich bin Nummer vier in der Schlange – nach knapp 15 Minuten ist der erste in der Schlange fast abgefertigt. Ich sehe meinen Flug, bis zu dem ich eigentlich noch mehr als genug Zeit hatte, schon ohne mich abfliegen. Aber irgendwann wird ein zweiter Mitarbeiter eingesetzt und nun nimm die Sache richtig Fahrt auf. Nach nur 35 Minuten bin ich aus dem Hotel ausgecheckt und sitze im Shuttle, das mich ratzfatz zum Flughafen bringt. Dieser ist übrigens wirklich hübsch gestaltet.

Guayaquil Airport
Guayaquil Airport

Drinnen gerate ich mit einem Ecuadorianer ins Gespräch, so dass das Warten in der Schlange angenehm schnell vorbeigeht. Ich hole mir zunächst die Galapagos Immigration Card ab, die einem für zehn Dollar die Einreise nach Galapagos genehmigt. Anschließend stelle ich mich in eine neue Schlange, damit mein Gepäck kontrolliert werden kann. Damit nimmt man es hier sehr genau, denn schließlich sollen möglichst keine Dinge auf die Inseln eingeschleppt werden, die das empfindliche Ökosystem stören könnten. Daher wird das Gepäck nach der Kontrolle auch erst mal mit einem stabilen Kabelbinder versiegelt. Sobald das erfolgt ist, kann das Gepäck aufgegeben werden. Dafür – genau – stellt man sich wieder in eine neue Schlange. Die Effizienz wurde definitiv nicht hier erfunden 😉

Nun ist es aber endlich Zeit für ein Frühstück und da ich noch über eine Stunde Zeit habe, gönne ich mir ein „richtiges“ Frühstück In einem Café bekomme ich einen riesigen Obstteller mit zwei halben Äpfeln, einer halben Birne, einem halben Pfund Erdbeeren, einer halben Melone und einer halben Ananas. Alles in mundgerechten Happen und ein wenig Müsli mit Joghurt gibt es auch noch dazu. Lecker.

Und dann sitze ich auch schon im Flieger nach Galapagos. Ich habe einen Fensterplatz ergattert, aber außer Wolken ist leider nicht viel zu sehen. Dafür wird kurz vor dem Landeanflug ein Insektenspray in alle Gepäckfächer gesprüht – vermutlich, um eventuell vorhandene Viecher zu killen, bevor sie eingeschleppt werden. Muss in dem Fall ein fieses Zeug sein, aber eine Durchsage versichert uns, dass es keine negativen Auswirkungen auf unsere Gesundheit hätte. Nun denn. Wir gehen in den Landeanflug, durchbrechen die Wolkendecke und ich erhasche den ersten Blick auf Galapagos. Santa Cruz liegt vor uns, die vorgelagerte „Flughafeninsel“ Baltra ebenfalls und dann noch ein paar Felsbrocken, die einfach so im Meer liegen. Die Landebahn wird von Bäumen und erstaunlich vielen Kakteen gesäumt. Irgendwie habe ich hier keine Kakteen erwartet und bin überrascht.

Beim Aussteigen zeigt sich schnell, dass das Klima ähnlich ist wie in Guayaquil. Es ist warm und die Luftfeuchtigkeit sprengt jede Hygrometer-Skala. Ich stelle mich in die Einreiseschlange, wo ich für einhundert Dollar meine Nationalpark-Erlaubnis bekomme. Auf unser Gepäck warten wir hier nicht an einem Band (wozu ein Band, wenn es nur ein Gate gibt und das Flugzeug direkt daneben steht?), sondern das Gepäck wird einfach ins Gebäude gefahren und dort aufgereiht. Ich suche mir also meinen Rucksack aus dem Gepäckberg heraus und begebe mich zum Bus, der direkt vor dem Flughafen wartet. (Das Wort Flughafen kann in diesem Fall getrost durch Lagerhalle ersetzt werden, dann hat man eine ganz gute Vorstellung.) Im Bus lerne ich eine Australierin kennen, als ich auf dem Sitz neben ihr lande und wir verbringen den Rest der Fahrt nach Puerto Ayora gemeinsam. Der Bus fährt uns in wenigen Minuten an die Küste, wo uns eine Fähre das kurze Stück hinüber nach Santa Cruz bringen soll. Das Gepäck wird auf dem Dach der Fähre gelagert – damit es dort hinkommt, wirft man es einfach dem netten Herrn zu, der dort schon steht und das Gepäck auffängt. Da stehe ich nun mit meinem fetten Rucksack und hole mühsam sehr viel Schwung… und zum Glück landet er in den Händen des Fährmanns und dann auf dem Dach der Fähre und nicht im Wasser davor.

Die Fähre fährt los und da sich auf der Boje vor der Küste gerade ein Seelöwe sonnt und die Touristen zu Jubelrufen animiert, macht der Fährmann kurzerhand eine kleine Sightseeing-Tour aus der Überfahrt und dreht noch mal eine langsame Runde um die Boje, bis jeder seine Fotos gemacht hat. Und das alles zum Preis von 0,75 Dollar. Keine zehn Minuten später sind wir auch schon auf der anderen Seite des Kanals und steigen um in einen Bus. (Vorher müssen wir uns allerdings noch diverser Taxifahrer erwehren, die uns viel lieber für den zehnfachen Preis mit dem Taxi mitnehmen wollen – aber das Geld geben wir lieber für andere Dinge aus.) Der Bus fährt uns für schlanke 1,80 Dollar in rund 45 Minuten nach Puerto Ayora, der einzigen nennenswerten Stadt auf Santa Cruz. An der Endhaltestelle steigen wir uns und müssen uns direkt gegen die nächsten Leute erwehren – diesmal wollen sie ihre Zimmer vermieten. Da ich bereits ein Hotel reserviert habe, muss ich nur noch herausfinden, wie ich dort hinkomme. Auf der Visitenkarte des Hotels ist anstelle einer Adresse angegeben, dass es sich beim Sportladen befände. Ich schüttle noch den Kopf darüber, als ich feststelle, dass wir nicht einmal herausfinden, wo wir eigentlich gerade sind, weil nirgends Straßennamen dranstehen. Abhilfe schafft ein tschechisches Pärchen, die uns kurzerhand einnorden. Ich frage mich durch zum Hotel, das niemand kennt, aber der Hinweis auf das Sportgeschäft wirkt tatsächlich Wunder. Scheint ein mächtig bekannter Laden zu sein. Entgegen der Empfehlung einer Frau, ein Taxi zu nehmen, weil es soooo weit sei, beschließe ich, doch lieber zu Fuß zu gehen. Zehn Minuten später (und noch zweimal Fragen mehr) stehe ich vor dem Hotel Galapagos Dreams. Ein süßes kleines Ding und auf dem Zimmer werde ich von zwei Handtuch-Schwänen begrüßt. Wie niedlich. WLan gibt es auch und das Hotel liegt sogar einigermaßen ruhig, was man von einigen der teureren Hotels, die ich unterwegs gesehen habe, nicht gerade behaupten kann.

Nach der Registrierung und einem Schwatz mit dem Hoteleigner über die Möglichkeiten, seine Freizeit auf Santa Cruz zu verbringen, gönne ich mir als allererstes eine (kalte, weil warm gibt’s nicht) Dusche und suche mir dann etwas zu essen. Ein paar Querstraßen weiter finde ich ein kleines Straßenrestaurant, wo ich für unter zehn Dollar sehr leckeren Fisch in Kokos-Mangosauce esse und eine einheimische Himbeerbrause (oder so was ähnliches) dazu trinke. Anschließend mache ich mich auf den Weg zur Tortuga Bay, meinem erklärten ersten Ausflugsziel auf Galapagos. Als ich viertel vor fünf am Anfang des ausgewiesenen Weges ankomme und mich registrieren lasse, erfahre ich, dass der Weg um sechs zugesperrt wird und mir also nur noch eine gute Stunde bleibt. Der Weg hat angeblich 2,5km in eine Richtung – das sollte also gehen, wenn man etwas zügig geht. Da ich am Strand ja auch noch ein paar Minuten Zeit haben will zum Gucken, nehme ich die Beine in die Hand und gönne mir ein seichtes Fitnessprogramm. Hatte ich schon erwähnt, dass es warm und schwül ist? Der Weg ist sehr hübsch angelegt und gesäumt von Opuntien, einer endemischen Kaktusfeigenart, die wächst wie ein Baum und einfach auf dem schwarzen Lavagestein gedeiht. Die Pflanzen sehen unten aus wie Bäume, weil sie einen ganz normalen Baumstamm haben, und oben wie Kakteen.

Opuntia
Opuntia

Knapp 25 Minuten später höre ich schon das Wellenrauschen und kurz darauf bin ich plötzlich am Strand. Ein unglaublich schöner Anblick. Und dann geht Galapagos los: neben verschiedenen kleinen Vögeln, die über den Strand laufen, sonnt sich ein Iguana Marina – ein Meeresleguan – auf einem Stein und unzählige Krabben liegen auf den schwarzen Lavasteinen im Wasser. Auf einem Schild erfahre ich, warum der Strand Tortuga Bay heißt (denn von Schildkröten ist weit und breit nichts zu sehen): in den Mangroven, die sich an den Strand anschließen, nisten die grünen Meeresschildkröten.

Tortuga Bay
Tortuga Bay
Iguana Marina
Iguana Marina
Krabbe
Krabbe

Auf dem Rückweg lasse ich mir ein wenig mehr Zeit und trage mich zwei Minuten vor sechs wieder aus dem Register aus. Anschließend erkunde ich noch den Hafen von Punta Ayora, der nach Sonnenuntergang ganz nett beleuchtet ist. Ein schöner Tag, der Lust auf mehr macht. Darum geht es morgen auch erstmal auf Bay-Cruise.

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