Tag 7 – Middle Velma Lake bis Richardson Lake

Heute Nacht war es mal wieder richtig kalt und so musste im Schlafsack zusätzlich noch eine Fleecejacke her. Dafür finden sich zum Frühstück ein paar sonnige Flecken und das Müsli wird wieder mit Schokolade aufgepeppt. Beim Zusammenbauen des Zeltes gibt es dann sogar noch eine Überraschung in Form von Gitarrenmusik unserer Nachbarn.

Direkt nach dem Start kommen wir mit einem Wanderer ins Gespräch, der seinen Proviant bärensicher an einen Baum gehängt hatte. Er berichtet uns, dass er knapp nördlich von Richardson Lake wohnt (unser heutiges Tagesziel) und dass die Bären in der letzten Woche dreimal die Mülltonnen seines Nachbarn überfallen haben. Damit sind jetzt auch unsere letzten Zweifel ob der Notwendigkeit unserer Bärenkanister ausgeräumt.

Unser Weg führt heute zunächst vornehmlich durch Wald. Das hat den Vorteil, dass die Sonne nicht so auf uns herunter brennt und der Weg endlich mal nicht nur über Felsen führt, sondern sich regelrecht angenehm läuft. Der Nachteil ist, dass die Gegend vergleichsweise unspektakulär wirkt. Nach der Hälfte der Strecke lichtet sich der Wald jedoch und es bieten sich wieder die gewohnten und geliebten Ausblicke auf die Berge und Seen. Unterwegs treffen wir noch drei ältere Wanderer (Respekt, zwei Damen und ein Herr, ebenfalls mit Zelt und Rucksack unterwegs). Wir tauschen wieder einmal Erfahrungen zum Weg aus und diesmal sind die anderen es, die unsere Zeitangabe für sich verdoppeln. Offenbar sehen wir inzwischen verwildert genug aus, als dass man uns für erfahrene und schnelle Backbacker hält. Ein gutes Stück vor Richardson Lake verlassen wir dann plötzlich die Desolation Wilderness. Nun, die Landschaft ändert sich am Hinweisschild zum Glück nicht.

Erstaunlich zeitig treffen wir dann bereits auf unser Etappenziel, den Richardson Lake. Wir sind heute aufgrund des angenehmen Weges und der verhältnismäßig wenigen Sonne wohl doch besser vorangekommen als erwartet.

Richardson Lake

Am See angekommen umrunden wir diesen zur Hälfte und suchen uns am hintersten Eckchen unseren Zeltplatz. Ein Stück zuvor ist zwar bereits ein größerer Lagerplatz mit Feuerstelle und allem drum und dran, allerdings liegt dieser direkt an der vorbeiführenden Forststraße, so dass wir hoffen, noch etwas zu finden, das weniger Störungspotenzial birgt. Einige Meter weiter werden wir auch schon fündig und bauen unser Zelt das erste Mal auf richtiger flacher Wiese und noch dazu so richtig in der Sonne auf.

Es ist windstill, die Sonne bescheint unseren kompletten Zeltplatz und Umgebung und das Wasser des Sees ist verhältnismäßig warm. Gibt es eine bessere Gelegenheit, als endlich mal richtig baden zu gehen? Nein. Und deswegen tummeln wir uns bestimmt auch ganze 4 Minuten im Wasser – sooo warm ist es! Gesellschaft leistet uns ein äußerst interessantes Flusskrebs-(?)-Pärchen. Zumindest haben wir sie zum Pärchen erklärt und beschlossen, dass sie wie Flusskrebse aussehen. Witzigerweise bewegen sie sich sowohl laufend als auch schwimmend in beide Richtungen. Will sagen, vorwärts und rückwärts. Und wenn sie sich von unseren Füßen bedroht fühlen (ja ok, die stecken halt seit Tagen in Wanderschuhen), werden sie auf einmal pfeilschnell und treten den Rückzug an. Jedenfalls macht es Spaß, sie zu beobachten. Und wenn jemand genauer spezifizieren kann, was für eine Art es ist, möge er sich melden 😉

Flusskrebs?

Der Spätnachmittag ist einfach herrlich. Wir flüchten uns aus der Sonne in den Halbschatten und verbringen noch eine ganze Weile mit Lesen. Kaffee und Schokolade gibt es selbstverständlich auch dazu. Natürlich nutzen wir die Gelegenheit noch zum Wäsche waschen und selbst Mr. Krebs guckt dabei neugierig hinter einem Stein vor. Zum Abendessen gibt es leckere Noodles mit Chicken und auch hier ist der Abend dank Fast-Vollmond und vieler Sterne wieder richtig toll. Dann hören wir allerdings, wie an der größeren Lagerstelle tatsächlich noch ein Auto auftaucht und Leute aussteigen. Da es schon stockfinster ist, wundern wir uns etwas, was die hier noch wollen. Aber kurz darauf ist schon wieder Ruhe, die Leute sind offenbar verschwunden und wir haben Richardson Lake wieder für uns allein.

Mitten in der Nacht werden wir wach und hören, wie etwas an unserem Zelt vorbei… nun ja… atmet. War es wirklich ein Atmen? Wenn ja, muss es aus etwas Großem gekommen sein. Wir halten die Luft an, mein Herz erinnert an einen Presslufthammer und obwohl mir eben noch kalt war, schwitze ich ganz plötzlich in meinem Schlafsack. Aber so angestrengt wir auch lauschen, will sich das Geräusch einfach nicht wiederholen. Ich bin zwar nicht sicher, ob mich das wirklich beruhigen sollte, aber irgendwann schlafe ich vor Anstrengung wieder ein. Wir sollen nie erfahren, was da war. Wenn da etwas war.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.