Tag 1 – Big Meadow Trailhead bis Dardanelles Lake

Hier stehen wir nun also: die doch erstaunlich schweren Rucksäcke auf dem Rücken, die Sonne am Himmel und den Tahoe Rim Trail (TRT) vor der Nase – der natürlich mit einem Anstieg beginnt, wie sollte es anders sein.

Hergebracht hat uns ein sehr netter und beredter Taxifahrer, der von seinen eigenen Hiking-Abenteuern in der Gegend berichtete (auf die Frage nach der Bärengefahr: „well, we actually cheated a bit and had our base camp in our car, so we did not really sleep out there“). Wir sollen auf Big Meadow an seine Worte denken: wie gerne würde er dort einmal ein großes Rockkonzert veranstalten, weil es eine so große offene Fläche ist (das geht aber nicht, weil abseits des Weges Schlangen lauern – wir sollen uns also unbedingt auf dem Weg halten).

Vor uns liegen 10 Tage Wandern mit Zelt und Rucksack und der Wetterbericht für die Zeit könnte besser kaum sein. Außer eines für den 4. Tag angekündigten „Thunderstorms“ sind nichts als Sonne, blauer Himmel und tägliche Höchstwerte von gut 20 Grad angesagt. Okay, nachts soll es auf nur knapp über 0 Grad abkühlen, aber da liegen wir ja in unseren warmen Schlafsäcken.

Nun sollte es also losgehen. Noch schnell ein Foto am Trailhead und dann geht’s den Berg hinauf. Bereits nach wenigen Metern werden wir von Day-Hikern (natürlich ohne Rucksack) überholt und eine Trail-Runnerin kommt uns entgegen geflitzt (Respekt).

Nach dem ersten Anstieg stehen wir auch schon an der großen Wiese. Big Meadow ist um diese Jahreszeit herbstlich gelb eingefärbt – ein schöner Kontrast zu den dunkelgrünen Nadelbäumen rundrum. Auf der Wiese selbst verläuft der Pfad erfreulich eben und wir können durchatmen.

Wenig später verläuft der Weg durch Wald weiter (endlich Schatten!) und es wird Zeit für eine kleine Pause, etwas zu trinken (das Hotelwasser schmeckt erschreckend nach Chlor) und ein paar Griffe in die Trailmix-Tüte (Studentenfutter mit zusätzlich Bananen und Ananas, erstaunlich schmackhaft und ziemlich sättigend).

Am ersten Abzweig (ein Holzpfeiler gibt die Richtungen an) biegen wir vom TRT ab und schlagen den Weg Richtung Dardanelles Lake ein. Kurz darauf biegen wir (diesmal ohne Hinweis und daher erst nach Rückversicherung auf Karte und GPS) links ab, überqueren einen Bach (hier floss Wasser – etwas, das wir noch zu schätzen lernen sollten) und gehen nun das letzte Wegstück Richtung See an. Die Ankunft am Lake Dardanelles verschlägt uns zunächst den Atem. So etwas hätten wir eher in Kanada erwartet. Der See ist umrahmt von teils hohen Felsen, es wachsen die typischen spitzen Nadelbäume am Ufer und die grandiose Landschaft spiegelt sich in der Oberfläche des Sees.

Dardanelles Lake
Dardanelles Lake

Wir setzen die – inzwischen ziemlich schwer gewordenen – Rucksäcke ab und machen uns dergestalt unbeschwert auf die Suche nach einem schönen Platz für unser Zelt. Dieser ist bald gefunden und wir versuchen uns im ersten gemeinsamen Zeltaufbau. Na ja, es ist bekanntlich noch kein Meister vom Himmel gefallen und nach einer dreiviertel Stunde steht das Ding und erinnert sogar entfernt an ein Tunnelzelt 😉

Wir erklären eine nahe gelegene Feuerstelle zu unserer Küchenecke (offenes Feuer ist derzeit wegen der Trockenheit überall untersagt), kochen uns einen Tee auf dem Trangia und spielen ein kleines Reisespiel auf den Felsen in der Sonne. Das Leben kann wirklich schön sein…!

Später bereiten wir uns die erste in San Francisco erstandene Trekking-Mahlzeit (alles von Mountain House) zu. Es gibt leckere Nudeln Bolognese und dazu einen Tee. Zum Dessert gibt es eine kleine Mini-Schokoladentafel – zu unserer Verwunderung schmeckt diese, anders als zu Hause, irgendwie nach gar nichts.

Gegen 20:00 Uhr ist die Sonne untergegangen und es wird recht schnell dunkel. Auch die Temperatur sinkt jetzt rapide. Wir verpacken alles, was einen Geruch hat (also Lebensmittel, Zahnpasta, Sonnencreme etc.) in unsere Bärenkanister und verstauen diese in der „Küchenecke“. Wir wissen noch nicht, ob hier wirklich mit Bären zu rechnen ist, aber zumindest können sich so auch die unheimlich süßen und überall herumflitzenden, aber eben auch hungrigen Streifenhörnchen nicht über unsere Lebensmittel hermachen. Anschließend verkriechen wir uns ins Zelt und in die warmen Schlafsäcke. Alles ist gut. Zumindest, bis in der Stille des Abends plötzlich jedes Geräusch irgendwie nach Bär klingt… immer wieder erstaunlich, was so eine Nacht draußen an unbekannten Geräuschen zu bieten hat.

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