Mi, 31.12.2003

Floripa, 0:00 Uhr MEZ - Prosit Neujahr!Das nennt man nun also Silvester. Es ist immer noch ziemlich warm und wir gehen erst einmal an die Lagoa zum Kanu fahren. Paddeln in eine kleine Bucht zwischen lauter kleinen Felsbrocken. Können im seichten Wasser unzählige Muscheln sehen und dürfen dann sogar eine Krabbe auf Kriegspfad beobachten. Zum Abendbrot gibt es Tobis Linsensuppe und dann beschließen wir, ein wenig Stimmung zu machen. Steffen hat Luftballons und Luftschlangen mitgebracht. Um 21 Uhr, pünktlich zum Jahreswechsel in Deutschland, nehmen wir für alle Daheimgebliebenen ein Foto auf.
Danach ziehen wir uns um, denn hier in Brasilien ist es üblich, den Jahreswechsel in bestimmter Kleidung zu verbringen. Die Kleidung muss neu sein (das haben sie sich vermutlich ausgedacht, um die Umsatzzahlen zum Jahresende noch einmal anzukurbeln) und eine bestimmte Farbe haben. Dabei stehen z.B. rot für Liebe, gelb für Geld, usw. Also gehen alle in neuen weißen Sachen, denn weiß steht für Frieden. Überlege, noch etwas gelbes unterzubringen, entscheide mich dann aber doch entgegen – des lieben Friedens willen *g*. Gehen dann los an den Praia Mole. Auf dem Weg überlege ich mir, was ich mir wohl nachher wünschen sollte. Hier ist es nämlich Brauch, um Mitternacht durch sieben aufeinander folgende Wellen zu springen (auf die Idee sollte in Dtl. mal einer kommen!! *g*) und sich bei jeder Welle etwas zu wünschen. Komme irgendwie von dem Gedanken ab und verschiebe ihn auf später. Immerhin ist es nachts nicht mehr ganz so warm. (Wie wir später erfahren, das kälteste Silvester seit Jahren. Hatten wir ein Glück!!) Am Strand ist auch ziemlich Party angesagt und wir mischen uns ins Getümmel. Versuche, Steffen Forró beizubringen und nach einer gewissen Bier-Grundlage habe ich damit sogar Erfolg. Der Mann hat halt doch Rhythmus… 😉 Stelle bald fest, dass das einzige Manko die fehlenden Klos sind. Da die Pflanzenwelt am Strand auch eher spärlich ist, entscheide ich mich schweren Herzens für einen größeren Kaktus. Autsch. *g* Es geht auf Mitternacht und wir verlassen die Tanzflächen. Gehen runter zum Strand, wo wir Tobis Jungs finden, die inzwischen zwei Mädels aus Neuseeland aufgegabelt hatten. Mehr oder weniger Punkt Mitternacht (die Leute am Strand hatten offenbar recht unterschiedlich gehende Uhren) gibt es ein Feuerwerk und wir stoßen mit unserer mitgebrachten Flasche Sekt an. Dann geht es hinunter ans Wasser. Schuhe aus und rein ins Wasser. Jetzt rächt es sich, dass ich vorhin nicht weiter über meine Wünsche nachgedacht haben. Die Wellen kommen schneller, als mein Alkoholpegel das Wünsche-Ausdenken zulässt. Entscheide mich kurzerhand, mir die wichtigsten Dinge einfach doppelt zu wünschen. Das müsste ja dann eigentlich besonders gut helfen. Immerhin ist niemand von uns bei der Aktion ins Wasser gefallen, was wir alle schon für eine beachtliche Leistung gehalten haben. Habe dafür einen pitschnassen Popo. Beschließe anschließend mit den beiden Neuseeländerinnen (die Opfer meines Englisch-Trainings werden), noch einmal die sanitären Möglichkeiten zu prüfen. Als wir wieder zurückkommen, hat sich unsere kleine Truppe offenbar von der Stelle wegbewegt, denn wir finden sie nicht mehr wieder. Am dunklen Strand, an dem unzählige Menschen – alle in Weiß – rumlaufen, ist das auch gar nicht so einfach und so irren wir einige Minuten suchend am Strand entlang. An dieser Stelle geht mir wieder einmal auf, dass man sich einfach nicht alleine durch Brasilien bewegen sollte. Schon gar nicht, wenn man eine Frau, blond und inmitten angetrunkener, feierwütiger Brasilianer ist. Wehre mich mehrfach schon fast handgreiflich gegen allzu kuss- und grabbel-begierige Brasilianer. Irgendwie scheinen alle der Meinung, man müsse den Jahreswechsel unbedingt mit haltlosen Knutschereien begehen. Bin froh, als wir unsere anderen Truppenteile wiederfinden und ich mich wieder in sicherem Geleitschutz befinde. Die Jungs hatten jedenfalls ihre Stellung aufgegeben, als sich eine etwas energischere Welle überlegte, bis dort auf den Strand zu rollen, wo sie sich alle niedergelassen hatten. Hehehe… Steffen bietet mir noch den letzten Schluck aus der Sektflasche an und beschwert sich darüber, dass niemand welchen will und er den ganz alleine trinken musste. Joa, man merkt’s… 😉 Reduzieren den Alkoholpegel durch Tanzen und beschließen gegen vier Uhr morgens, dass es Zeit ist, nach Hause zu gehen.

Fazit des Dezembers:

  • Dezember mit 30°C ist ziemlich klasse. Halt Sommer mit Baden und Surfen.
  • Weihnachten mit 30°C geht überhaupt gar nicht!!
  • Silvester bei 25°C am Strand ist dagegen schon wieder ziemlich cool!